Das Ebola-Virus breitet sich in der Demokratischen Republik Kongo weiter fast ungehindert aus. Die Gesundheitsbehörden des Landes meldeten 10.060 nachgewiesene Fälle seit Bekanntwerden des Ausbruchs Mitte Mai. 4.887 der Patienten sind demnach gestorben.
Die tatsächliche Zahl der Infizierten könnte deutlich höher liegen. Mehr als 70 Prozent der Neuerkrankungen treten weiterhin bei Menschen auf, die vorher nicht als Kontakte anderer Patienten bekannt waren, wie die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC Anfang Oktober mitteilte.
Die Epidemie, bei der einige Fälle auch in Uganda (20), Frankreich (1), Kenia (9) und Nigeria (1) entdeckt wurden, ist der am schnellsten wachsende sowie bereits jetzt zweitgrößte Ebola-Ausbruch jemals. Beim schwersten Ausbruch starben in Westafrika in den Jahren 2014 und 2015 mehr als 11.000 Menschen. Die Zahlen im Kongo steigen derzeit deutlich schneller an.
Ebola-Fieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen und löst ein hochansteckendes Fieber mit Durchfall und Blutungen aus.
Die Bekämpfung des Virus im Kongo ist weiterhin großen Schwierigkeiten ausgesetzt. Hunderttausende Vertriebene leben teils seit Jahren in Behelfslagern mit schlechten sanitären Verhältnissen und kaum medizinischer Versorgung. Die betroffenen Provinzen werden teils von Rebellen kontrolliert, immer wieder kommt es zu Kämpfen und Angriffen auf Zivilisten.
Nach Behördenangaben liegt die Todesrate des Ebola-Ausbruchs derzeit bei etwa 49 Prozent – das bedeutet, fast die Hälfte aller nachgewiesenen Infizierten sind gestorben. Für die Behandlung stehen nach jüngsten Angaben der WHO 1.539 Betten in speziell eingerichteten Zentren zur Verfügung.
Fast zwei Drittel der Toten sind nach Angaben der WHO allerdings Menschen, die in ihren Gemeinden sterben und nie in einer auf Ebola spezialisierten Einrichtung behandelt wurden. Todesfälle in Familien sind besonders gefährlich, weil sich pflegende Angehörige leicht anstecken können.
Mitarbeitende der Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichten, dass viele Erkrankte erst mit kritischen Symptomen in die Behandlungszentren kämen, wenn die Überlebenschancen gering seien. Angst, Aberglaube und Desinformationen schüren weiterhin Misstrauen bis hin zu Gewalt gegen die Helfer. Nach Angaben der WHO wurde ein Ebola-Pfleger in der ostkongolesischen Provinz Tshopo am Samstag von wütenden Protestierenden getötet, ein weiterer wurde verletzt.
Der aktuelle Ausbruch ist auch deshalb besonders schwer einzudämmen, weil es für den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo bislang weder einen speziellen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt. Zudem ist in der Anfangsphase einer Ansteckung mit dem Bundibugyo-Erreger leicht eine Verwechslung etwa mit einer Malaria-Erkrankung möglich. Das kann zu einer verspäteten Isolation und Behandlung der Patienten beitragen.
Seit Juli laufen allerdings klinische Versuche zur Testung zweier antiviraler Therapieverfahren. Zudem werden Versuchsreihen zu Impfstoffen durchgeführt. Dabei wurde bislang untersucht, ob der Ebola-Impfstoff Ervebo auch vor dem Bundibugyo-Typ schützt.
Ervebo ist bisher nur gegen die Ebola-Viruskrankheit – früher Zaire-Ebolavirus genannt – zugelassen und empfohlen. Bereits in wenigen Wochen könnten zusätzliche Tests mit zwei Impfstoffen beginnen, die eigens gegen Bundibugyo entwickelt wurden, wie eine WHO-Vertreterin im Kongo mitteilte.
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