Bei Familie Rothaug steht derzeit Mutter-Tochter-Zeit sowie Vater-Sohn-Zeit auf dem Programm. Und der Kontrast könnte nicht größer sein.
Während Eva (43) und Mila (12) am Mittwochnachmittag ein Doppelzimmer auf dem Brühlhof in Insingen bezogen haben, haben Martin (43) und Gregor (15) ein paar Stunden später ihr Lager im Green-Camping-Bereich auf dem Summer-Breeze-Gelände in Dinkelsbühls Stadtteil Sinbronn aufgeschlagen. Es ist das dritte Mal, dass die Familie aus Straubenhardt – die Gemeinde liegt zwischen Karlsruhe und Pforzheim – fünf Tage auf diese Weise verbringt.
2019 besuchten Vater und Sohn das Summer-Breeze-Festival erstmals, für einen Tag, um zu sehen, ob es dem Sohn überhaupt taugt. Das tat es. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Als 2022 das Open Air dann wieder über die Bühne gehen konnte, kauften sich Martin und Gregor Rothaug Karten. Eva und Mila Rothaug hatten kein großes Interesse mitzugehen, bekennen beide. Ein, zwei Bands finde sie zwar schon immer gut, erzählt die heute Zwölfjährige. Aber nur wegen diesen will sie nicht aufs Festival gehen.
Vater und Sohn auf Summer Breeze, Mutter und Tochter derweil zu Hause – das wäre aus ihrer aller Sicht unfair gewesen, sagt Eva Rothaug. So sei die Idee entstanden, dass Mila und sie mitfahren und einfach irgendwo in der Nähe für die paar Tage Urlaub machen. Auf der Suche nach einer passenden Unterkunft seien sie per Zufall auf den Brühlhof gestoßen, den Familie Hoch in Insingen betreibt, erinnert sich die 43-Jährige.
Dort gebe es auch Doppelzimmer, was für sie vollkommen ausreiche, und sie könnten für den gewünschten Zeitraum buchen. Außerdem unschlagbar: Auf dem Urlaubs-Bauernhof mit familiärer Atmosphäre werde so viel geboten, dass ihnen nicht langweilig werde. Denn Eva und Mila Rothaug sind örtlich gebunden. Bei wurden von Martin und Gregor Rothaug in Insingen abgesetzt, bevor sie dann mit Auto weiter Richtung Sinbronn fuhren.
Mutter und Tochter genießen während ihres Aufenthalts auf dem Brühlhof neben der Ruhe vor allem eines: Katzenbabys kraulen. „Das können wir drei bis vier Stunden tun“, erzählen sie und lachen. Aber auch Kettcarfahren und im Pool schwimmen will die Zwölfjährige. Zudem spielen die beiden Gesellschaftsspiele.
Das machen auch Martin und Gregor Rothaug, wie sie verraten. Gespielt wird in ihrem auf dem Green-Camping-Gelände aufgestellten Pavillon am Tisch. Auf diesen stehen und liegen in dem Moment unter anderem Wasserflaschen, Äpfel und Karotten. „Wir sind Selbstversorger“, sagt der 43-Jährige. Gleich wollen sie aufprobieren, ob auf ihrem Gasgrill eine Pizza was wird. „Mit Pommes hatten wir im vergangenen Jahr kein Glück“, erklärt Martin Rothaug und schmunzelt. Ihren Proviant kaufen sich Vater und Sohn in Dinkelsbühl. Der Shuttleservice vom Summer-Breeze-Gelände in die Stadt und zurück sei „mega“.
Der Pavillon, der sowohl bei Hitze als auch bei Regen für die beiden unabdingbar ist, steht neben ihrem Auto. In dem schlafen sie. Im Vorjahr übernachteten sie noch in einem Zelt. Dieses Mal hat sich Martin Rothaug eine Konstruktion für den Kofferraum ausgedacht: Auf Holzbalken liegt ein Lattenrost und darauf wiederum eine Matratze – fertig ist das Nachtlager.
Am Sonntagvormittag, nachdem sie unter anderem die Bands Architects und Amon Amarth gehört haben, packen Vater und Sohn ihre Sachen zusammen und machen sich auf nach Insingen. Mit Eva und Mila werde sich dann über das jeweils Erlebte ausgetauscht und noch etwas entspannt, bevor es zurück nach Straubenhardt geht.
Für das nächste Jahr kann sich Familie Rothaug eine Wiederholung der inzwischen bewährten Mutter-Tochter-Zeit auf dem Brühlhof in Insingen und der Vater-Sohn-Zeit auf Summer Breeze vorstellen. Die vier hoffen, dass das Festival wie bisher auf die dritte August-Woche fällt. Wenn nicht, müssten sie ihren Urlaub in der Bretagne umplanen. Aber dagegen hätten alle Rothaugs nichts einzuwenden, wie sie deutlich machen.