Das Weihnachtsgeschäft wollten sie mitnehmen, jetzt aber zeigt sich, dass dieses Ziel arg ambitioniert war. Die Eröffnung des Kaspar-Hausers-Zentrums inklusive Hotel ist auf Mitte nächsten Jahres verschoben worden.
Seit nunmehr einem halben Jahr ist Christian Etl als designierter Direktor des neuen Hotels in Amt und Würden und erstmals in seiner langen beruflichen Karriere auch mit der baulichen Umsetzung der Planungen befasst. „Das ist so spannend und so speziell“, erklärt der 58-Jährige, warum er nach einem Jahrzehnt als Leiters eines Inklusionshotels in Bozen nun einen neuen Schritt wagt.
Mit dem gebürtigen Österreicher, der längst mit seiner Frau in deren Heimat Südtirol zu Hause ist und das leicht kehlige Idiom der Norditaliener verinnerlicht hat, zeigt sich ein Experte für die letzten Schritte der Umwandlung des historischen Anwesens am Eck Pfarrstraße/Montgelasplatz in der Ansbacher Innenstadt verantwortlich.
Über Erfahrungen im Hotelfach verfügt Etl zur Genüge, er hat quasi jeden Job in diesem Bereich bereits ausgeübt. Er begann mit 14 Jahren mit einer Lehre als Koch und Kellner, diente sich über den Service und Nachtportier hoch und sammelte bei Hotelketten wie Kempinski und Sheraton in New York Erfahrungen in verantwortlicher Position. Auch bei der Wiedereröffnung des Adlon in Berlin brachte sich Etl ein. „Im Hotelfach habe ich wirklich alles gemacht“, blickt er zurück. Ein Masterstudium in Tourismus inklusive.
Im Hotelfach habe ich wirklich alles gemacht.
Beweisen muss sich so ein Mann nichts mehr, gleichwohl reizt ihn die Herausforderung des bunten Spektrums, das hier abgebildet werden soll. Der Komplex, in dem einst Europas berühmtestes Findelkind bis zu seinem Tod am 17. Dezember 1833 wohnte, beinhaltet künftig Tagungszentrum, Hotel, Restaurant und Notfallpädagogik – und das als Inklusionsbetrieb, dessen Belegschaft zu mindestens 40 Prozent Assistenzbedarf hat.
Für Etl ist die Integration gehandicapter Menschen im Arbeitsalltag eine Art Herzensaufgabe. In Kaspars Haus, wie das Hotel später einmal heißen soll, will Etl „den richtigen Arbeitsplatz für den dafür passenden Menschen“ finden. Wobei er Inklusion größer definiert. „Für mich ist Inklusion, wenn zehn Hotels je einen Menschen mit Assistenzbedarf einstellen und nicht, wenn ein Hotel zehn solcher Plätze schafft.“
Einige Bewerbungen liegen bereits vor, der andere Teil seiner Arbeit betrifft den Feinschliff im Hotel. „Verbessern und Ideen einbringen“ könne er noch zum jetzigen Zeitpunkt der Umbauten. „Architekten sehen nicht alles.“ So wird der zunächst nicht vorgesehene Lagerraum, für den ein Hotelzimmer geopfert hätte werden müssen, in den nun langfristig angemieteten Büroräumen in der Pfarrstraße untergebracht.
Das Hotel wird insgesamt 18 Zimmer aufweisen, im angeschlossenen Kaspars Bistro werden ab 7 Uhr morgens Gerichte in Bio-Qualität von vielen Selbstvermarktern aus der Region angeboten.
Noch aber ist viel zu tun. Im nächsten Schritt sollen die bodentiefen Fenster im Erdgeschoss noch vor dem Jahreswechsel eingesetzt und das Dach fertig gedeckt werden, sodass die Arbeiten im Inneren auch bei kalten Temperaturen fortgeführt werden können.
Im Dachgeschoss werden drei Familienzimmer Platz finden, die bei Bedarf auch zu Jugendzimmern mit je sechs Betten erweitert werden können. Im zweiten Stock wird angrenzend an die einstige Schlafstätte Kaspar Hausers ein Raum der Notfallpädagogik untergebracht, im Stock darunter residieren ausschließlich Hotelgäste.
Der Haupteingang zum Hotel wird sich in der Pfarrstraße befinden, der Zugang zum Bistro erfolgt über den Montgelasplatz, an dem eine Außenbestuhlung mit 60 Plätzen vorgesehen ist. Nachdem der ambitionierte Eröffnungstermin nicht zu halten war, peilt Etl nun ein markantes Datum an. „Im Juli 2024 finden die Kaspar-Hauser-Festspiele statt. Es wäre super, wenn wir bis dahin offen haben.“