Kampf gegen Tierseuche: Hier sollen tote Wildschweine landen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.08.2023 16:13

Kampf gegen Tierseuche: Hier sollen tote Wildschweine landen

Optisch keine aufregende Sache: In diesen Mülltonnen im gekühlten Container in Markt Bibart sollen künftig Aufbrüche und Häute von Wildschweinen entsorgt werden. Landrat Helmut Weiß bittet darum, das Angebot wahrzunehmen. (Foto: Ulli Ganter)
Optisch keine aufregende Sache: In diesen Mülltonnen im gekühlten Container in Markt Bibart sollen künftig Aufbrüche und Häute von Wildschweinen entsorgt werden. Landrat Helmut Weiß bittet darum, das Angebot wahrzunehmen. (Foto: Ulli Ganter)
Optisch keine aufregende Sache: In diesen Mülltonnen im gekühlten Container in Markt Bibart sollen künftig Aufbrüche und Häute von Wildschweinen entsorgt werden. Landrat Helmut Weiß bittet darum, das Angebot wahrzunehmen. (Foto: Ulli Ganter)

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist aus den Schlagzeilen verschwunden – und sicher hätte niemand etwas dagegen, wenn das so bleibt. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Als Instrument der Vorbeugung wurde nun der erste Entsorgungs-Container für Wildschweinreste im Kreis aufgestellt.

Er findet sich an der Markt Bibarter Kläranlage. Der große Vorteil dort: Klärwärter Uwe Baumann ist zugleich Jäger. Entsorgt werden können Aufbrüche und Häute von Wildschweinen. Die Station wirkt von außen nicht besonders spektakulär: ein Gehäuse, das seinen Inhalt konstant auf sieben Grad Celsius kühlt – und in das wahlweise vier Mülltonnen oder ein Container passen. Eine Tierverwertungsstation holt die Wildschweinreste dann ab. Die Kühlung verhindert, dass sich Viren, die im Verborgenen vorhanden sein könnten, weiter vermehren.

Im Ernstfall läuft alles anders

Sollte dagegen der Fall eintreten, dass bei einem Wildschwein die ASP tatsächlich nachgewiesen wird, dann übernimmt der Kreisbauhof die Entsorgung. „Dann wird’s heftig“, äußert sich Landrat Helmut Weiß besorgt. Im Landratsamt bereitet sich eine Koordinierungsgruppe „Tierseuchen“ um den Amtsveterinär Dr. Uwe Knickel auf diesen Fall vor. Zehn Kilometer Zaun sind vom Landkreis eingelagert worden, die Forstbetriebsgemeinschaften halten noch einmal mehr Zaun vor.

Im Szenario, das von der Koordinierungsstelle bereits durchgespielt wurde, seien 33 Kilometer Zaun vonnöten gewesen. „Und das bei einem Radius von gerade einmal drei Kilometern“, so Knickel. Schließlich kann man den Zaun nicht einfach mitten durch ein Dorf legen. Die Straßen bleiben natürlich frei – spezielle Duftsignale sollen verhindern, dass die Wildschweine sie passieren. „Dann darf der Landwirt auch sein Feld innerhalb des Zauns nicht mehr abernten“, verdeutlich der Landrat die Konsequenzen. Ein Suchtrupp müsste nach weiteren Wildschweinen suchen, kein Tier dürfte überleben. Ein Schreckensszenario.

Weiterer Container in Uffenheim in Planung

Die Schweinehalter wurden auch schon vorbereitet: Auch das Stroh oder Holz, das in den Ställen verwendet wird, sollte nicht mit Wildschweinen in Kontakt kommen können. Für Freilandschweine muss ein Stall zur Verfügung stehen.

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Wie gesagt: So weit ist es nicht. Bis jetzt versucht man, durch möglichst gute Vorbeugung den Ernstfall zu verhindern. Ein Baustein dafür sind die neuen Container: Ein weiterer ist in Uffenheim bereits geplant. Ziel ist ein Exemplar für jede der vier Jägervereinigungen im Landkreis.

Die Initiative für den ersten ging von Thomas Ramming, dem Jägervereinsvorsitzenden in Scheinfeld, aus. Den Standort und Strom stellt Markt Bibart bereit. Die Kosten für die Anschaffung – 6700 Euro pro Container – und für die Entsorgung durch die Tierverwertungsanstalt trägt der Landkreis.

Jägerverein rechnet mit hoher Akzeptanz

Theoretisch sei es nach wie vor erlaubt, die Aufbrüche und Häute von Wildschweinen zu vergraben. Ramming rechnet trotzdem damit, dass die Jäger seiner dringenden Bitte und der des Landratsamts nachkommen und die Hinterlassenschaften in Markt Bibart entsorgen. Es sei eine bequeme Lösung. Das Landratsamt stattete die Jäger außerdem mit Teststreifen aus, damit sie auffällige Tiere auf ASP untersuchen können.

Durch die Erlaubnis des Jagens mit Nachtsichtgeräten sei der Bestand an Wildschweinen in ganz Süddeutschland zurückgegangen. Landkreisweit werden jährlich 700 bis 1000 erlegt. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. Neben dem Tierleid würde es aber auch für enorme wirtschaftliche Schäden bei den Tierhaltern sorgen.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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