Angefangen hatte alles mit einer Sehnervenentzündung am linken Auge. Damals war Carolin Froelich 24 Jahre alt. Sie ging zum Augenarzt. Dass etwas Ernstes dahinter stecken könnte, merkte die angehende Juristin schnell, denn sie erhielt eine Überweisung zum Neurologen.
Es folgten Untersuchungen, Messungen der Nervenleitungsgeschwindigkeit und dann im August 1997 die niederschmetternde Diagnose: Multiple Sklerose (MS). Dies ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, Gehirns und Rückenmarks. Entzündungen führen zu Vernarbungen, die Ausfallerscheinungen zur Folge haben.
Sie habe ihre Diagnose schnell akzeptieren können, weil das Thema Krankheit sie schon ihr ganzes Leben begleitet hat, sagt sie. Ihr Bruder kam mit einer körperlichen und geistigen Behinderung auf die Welt. Damals konnte man die Krankheit und ihre Folgen noch nicht googeln. Um informiert zu sein, schloss sie sich im selben Jahr noch dem Landesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) an.
2008 wurde die heute 52-jährige Leiterin der Selbsthilfegruppe „MS-Stammtisch“ in Neustadt. Hier können sich Betroffene austauschen. „Was hast du schon probiert?“, „Was hat geholfen?“, „Welche Nebenwirkungen hattest du?“: Solche Gespräche sind wichtig. Jeden zweiten Donnerstag trifft sich die Gruppe um 18 Uhr im Restaurant „Anders“ in Neustadt zum Austausch. 24 solcher Gruppen gibt es in Mittelfranken, die alle an die DMSG angeschlossen sind, und durch Hauptamtliche der Stelle Mittelfranken betreut werden.
Den MS-Stammtisch Neustadt leitet sie gemeinsam mit Petra Eisenmann. Beide wurden jetzt für ihr großes Engagement vom Landesverband Bayern geehrt. Schirmherrin Elizabeth Herzogin in Bayern kam zum Ehrungsabend im Restaurant Rizzelli in Neustadt. Die Wittelsbacherin engagiert sich mit Herzblut für Menschen mit Multipler Sklerose. Sie hatte für Froelich die Goldene und für Eisenmann die Silberne Ehrennadel im Gepäck. Zu den Gratulanten gehörten Landrat Christian von Dobschütz und Neustadts Bürgermeister Klaus Meier.
Trotz vieler Einschränkungen setze sich Carolin Froelich „mit dem großen Spektrum ihres Wissens für Anliegen und Sorgen MS betroffener Menschen ein“, sagte die Schirmherrin in ihrer Laudatio und lobte das ehrenamtliche Engagement, zum Beispiel beim MS-Aktionstag, bei Vorträgen, Kursen, Ausflügen oder Benefizkonzerten.
Seit 2013 kümmert sich Carolin Froelich außerdem um Satz und Layout der mittelfränkischen Patientenzeitschrift „Mach mit!“ und seit 2016 ist sie Mitglied im erweiterten Vorstand des MS-Landesverbandes Bayern, wo sie auch als Delegierte vertreten ist. Mit ihrem Fachwissen und Netzwerk unterstütze sie sowohl Betroffene als auch die Verbandsarbeit, so die Laudatorin.
Im Jahr 2008 übernahm Petra Eisenmann, die vor 20 Jahren an MS erkrankte, die Co-Gruppenleitung zusammen mit Carolin Froelich. „Sie sind ein wunderbares Team, das sich hervorragend harmonisch ergänzt“, sagte Elizabeth Herzogin in Bayern. Petra Eisenmann kümmere sich um Finanzen und Anträge und engagiere sich bei Hausbesuchen als einfühlsame Zuhörerin.
Sie unterstütze bei der Organisation von Veranstaltungen und Wochenendseminaren und setze sich mit „großer Bescheidenheit und Feingefühl“ für MS-Betroffene, die Beratungsstelle und den Verband ein.
Landrat Christian von Dobschütz drückte seine Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement der beiden Geehrten aus. „Zu unseren Zielsetzungen gehört es, ein Landkreis des Miteinanders zu werden“. Die Arbeit und das Engagement in Selbsthilfegruppen sei ein wunderbares Beispiel dafür.
Bürgermeister Klaus Meier unterstrich die Bedeutung der Solidarität untereinander. Die Geehrten seien Vorbilder. Meier verwies auch auf das 20-jährige Jubiläum des 2005 gegründeten MS-Stammtischs Neustadt. Es sei ein Ort des Erfahrungsaustausches, wo sich die rund 30 Teilnehmer gegenseitig helfen und Neues entdecken.