Bislang hatte das Tierheim bei der Finanzierung neuer Projekte stets mit Schwierigkeiten zu kämpfen, doch diese Sorgen gehören nun der Vergangenheit an: Die ehrenamtlich geführte Einrichtung hat eine satte Erbschaft gemacht. Noch ist unklar, wie viel am Ende daraus erlöst wird. Klar aber ist schon jetzt, dass es sich um einen mindestens sechsstelligen Betrag handelt.
Als Günter Pfisterer, der seit 28 Jahren verantwortliche Chef des Tierheims, Ende Januar informiert worden war, dass die Einrichtung großzügig bedacht worden ist, konnte er es zunächst kaum glauben. „Spenden und Erbschaften gibt es immer wieder einmal“, sagt der 88-Jährige, „aber in dieser Größenordnung ist das noch nie vorgekommen.“
Den warmen Geldregen hat das Ansbacher Tierheim einem alten Weggefährten Pfisterers aus gemeinsamen Zeiten bei der SPD zu verdanken: Horst Merck. Der ehemalige Lehrer an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste war am 8. Januar 2024 mit 82 Jahren verstorben. Merck, der in der Stadt und bei seinen Freunden nur „Hordla“ genannt wurde, war nie verheiratet und kinderlos und setzte das Tierheim laut Pfisterer als Alleinerben ein. „Wir haben uns seit Jugendtagen gekannt. Aber damit hab’ ich überhaupt nicht gerechnet.“
Zu dem Vermächtnis gehört eine top gepflegte Immobilie in der Karlstraße auf einem 1400 Quadratmeter großen Grundstück – allein der Wert des Mehrfamilienhauses dürfte nach der derzeitigen Marktlage einen hohen sechsstelligen Betrag erlösen.
In dieser Größenordnung gab es das noch nie.
„Das kommt natürlich darauf an, wie man das rechnet. Wer das kaufen will, wird nicht so viel zahlen wollen“, meint Pfisterer schmunzelnd. Ein Immobilienmakler, selbst Mitglied im Tierschutzverein, soll nun nach Abschluss sämtlicher juristischer Details mit der Veräußerung des Anwesens betraut werden.
Doch das ist längst nicht alles, was das großzügige Erbe von Horst Merck umfasst. Das Haus des ehemaligen Pädagogen und Schriftsetzers enthielt „Kunst in Hülle und Fülle“, wie Pfisterer sagt. Bilder gehen als Vermächtnis in den Besitz der Stadt Ansbach über, wertvolle Fayencen aus der Sammlung von Horst Merck werden dieser Tage im Markgrafenmuseum von Museumsleiter Dr. Wolfgang F. Reddig auf ihren Wert hin untersucht. „Über den Preis werden wir uns sicher einig. Wichtig ist mir, dass Horst Merck und seine Bilder der Stadt erhalten bleiben“, stellt Günter Pfisterer fest.
Merck war und ist gerade den politisch interessierten Ansbachern ein Begriff. Nach seinen Anfängen in der SPD, in der er als Stellvertreter dem damaligen Ansbacher Juso-Chef Hannes Hüttinger ein älterer Mentor war, riefen die Weggefährten im Sommer 1977 die Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser (BAP) ins Leben. „Kommunalpolitik ohne die Zwänge der Parteien“ wollten sie betreiben, schreibt Stadtrat Hüttinger in einem Nachruf der Fraktion.
Merck wurde Ende des Jahres 1977 auch als Kandidat der BAP zur Stadtratswahl nominiert, zog sich nach einem schweren Verkehrsunfall im darauffolgenden Frühjahr allerdings vollständig aus der Politik zurück.
Im Ansbach der 1970er Jahre galt Merck als „sehr diskussionsfreudig“, wie sich Hüttinger erinnert, später auch als leicht verschroben. Tieren blieb er allerdings sein Leben lang verbunden. Besonders Katzen hatten es ihm angetan, denkt Hüttinger zurück. „Er hat in der Kunstakademie frei laufende und herumstreunende Katzen versorgt.“
Der Stubentiger, mit dem Merck bis zuletzt zusammenwohnte, konnte inzwischen von Tierheim-Leiter Pfisterer weitervermittelt werden und hat ein neues Zuhause. Die Zukunft des Tierheims dürfte sich mit den zu erwartenden Einnahmen aus der Erbschaft entspannter gestalten lassen. Verschiedene Maßnahmen, die im Betreiber-Verein bislang als Träume galten, können nun angegangen werden.
„Die Brennpunkte im Tierheim entschärfen“, nennt das Pfisterer zum Ende seiner letzten Amtsperiode, 2025 tritt er nicht mehr zur Wahl an. Als Herzensobjekt gilt das Hundehaus: Das entspricht längst nicht mehr energetischen Standards und könnte nun saniert werden. Dank des Erbes eines Katzenfreundes.