Der traditionelle Fass-Anstich am Freitag geriet unverschuldet zum Stotterstart, der Sonntag war bei anfänglichem Nieselregen auch kein Publikumsmagnet für das „neue“ Frühlingsfest in Ansbach: Die Bilanz des ersten Wochenendes fiel entsprechend zwiespältig aus.
Nach der unfreiwilligen Verspätung am Freitag, als Braumeister Georg Dorn bei der Anfahrt zum Frühlingsfest in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, nahm sich der weitere Abend im gut gefüllten Festzelt ganz gesellig aus. Zu Live-Klängen der „Rothsee Musikanten“ tanzten die ersten Besucher schon früh auf den Tischen. Ein optimistisch stimmender Beginn.
Allerdings machten sich die niedrigen Temperaturen am Freitag und Samstag vor allem in den Abendstunden schnell bemerkbar. Lange blieben die meisten Gäste nicht sitzen, und wer lässt sich schon bei einstelligen Plusgraden im Riesenrad den Wind um die Nase wehen? „Bitterkalt. Ein sibirischer Winter“, fröstelte auch Curt Eschenbacher vom neuen Betreiber-Team. Der Frühling ist beim Frühlingsfest noch nicht angekommen.
Deutlich besser, wenn auch nur zwischenzeitlich, sollte der Samstag aus Sicht der Gastgeber verlaufen. Eschenbacher sprach von einem „sehr guten Besuch“. Den unmittelbar an das Festgelände angrenzenden und kostenfrei nutzbare Parkplatz sieht wohl nicht nur er in diesem Zusammenhang als großes Plus – in doppelter Hinsicht.
Zum einen wird im Vergleich mit Festivitäten ähnlicher Kategorien in anderen Städten in Ansbach keine Gebühr für das Parken verlangt. Zum anderen könne man jetzt im Gegensatz zum bisherigen Standort quasi direkt vor dem Eingang sein Fahrzeug abstellen. Für Besucher aus den Stadtteilen oder Auswärtige ist das ein Anreiz und für das Fest am neuen Standort ein Attraktivitätsgewinn, meint Eschenbacher.
„Das Feedback der Besucher ist gut, sie nehmen den Platz an.“ Das Betreiber-Team, das mit Festwirt Sascha Lagemann, Pierre Schilling und Eschenbacher in einer GbR organisiert ist, sieht den neuen Standort am ehemaligen Messegelände schon jetzt als Gewinn für das zehntägige Frühlingsfest. Allerdings mit einer nicht ganz unerheblichen und womöglich weitreichenden Einschränkung.
Der Samstag gerät Eschenbacher da zum besten Beispiel. Ein Gros der Besucher kam aus dem Innenstadtbereich zu Fuß und kartelte beim Preisschafkopfen oder zielte ganz genau beim Bürgerschießen. Wer aber etwa in Eyb, am Finanzamt oder im Bereich der Güllschule wohne, werde den nach dem Umzug nun deutlich erweiterten Spaziergang wohl eher nicht in Kauf nehmen, mutmaßt der erfahrene Schausteller.
Für Eschenbacher „fehlt eindeutig ein Shuttle-Service“, ein Hol- und Bringdienst per Bus, etwa vom Schlossplatz zum Festgelände und zurück. „Das wäre Gold wert. Das hätte schon am Samstag deutlich mehr Menschen zu uns gelockt.“
Genau so ein Shuttle-Service war bereits im Vorfeld der Veranstaltung zur Sprache gekommen. „Eine gute Idee. Aber wer soll das bezahlen?“, lautet zusammengefasst das Schulterzucken der Stadt dazu. Zumindest bislang. Womöglich aber wird sich das ändern.
Denn bei allen Bemühungen, das ramponierte Image des Festes mit einem bunten Rahmenprogramm mit viel Live-Musik und Themen wie dem gestrigen Blaulicht-Tag aufzubauen, sehen die Betreiber in dem Service ein K.o-Kriterium: „Wenn das Frühlingsfest eine Zukunft haben soll, muss definitiv ein Shuttle-Service her.“