Kabarettist Christoph Maul im Interview: „Humor ändert sich” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.10.2024 08:00, aktualisiert am 16.01.2025 09:08

Kabarettist Christoph Maul im Interview: „Humor ändert sich”

Mit der Narrenkappe kennt man ihn als Sitzungspräsident der „Fastnacht in Franken“, aber für sein neues Soloprogramm lässt er sie lieber unten: Christoph Maul aus Schillingsfürst. (Foto: Anna Beigel)
Mit der Narrenkappe kennt man ihn als Sitzungspräsident der „Fastnacht in Franken“, aber für sein neues Soloprogramm lässt er sie lieber unten: Christoph Maul aus Schillingsfürst. (Foto: Anna Beigel)
Mit der Narrenkappe kennt man ihn als Sitzungspräsident der „Fastnacht in Franken“, aber für sein neues Soloprogramm lässt er sie lieber unten: Christoph Maul aus Schillingsfürst. (Foto: Anna Beigel)

Seit 2022 ist er der Sitzungspräsident bei der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim. Jetzt hat Christoph Maul ein neues Soloprogramm. Im Interview erzählt der Schillingsfürster Kabarettist unter anderem, was es damit auf sich hat.

Herr Maul, Ihr neues Programm heißt „live und ungeprobt“. Proben Sie also nicht?

Na ja, ich probe schon ein bisschen, natürlich. Aber das ungeprobt heißt eben, ich weiß genau so wenig wie die Leute. Ich weiß auch nicht genau, was der Abend bringt. Der Titel ist also der wahrste von allen Programmen bisher. Und „live“ wollte ich eigentlich „life“ schreiben, wie das Leben, aber das hätte die Leute verwirrt. Es sind Geschichten aus dem Leben.

Was bedeutet, Sie wissen nicht, was der Abend bringt?

Das Programm ist immer an den Ort und an die Leute angepasst. Da tue ich mich natürlich in der Region schon ein bisschen leichter. Ich will mir damit die Freiheit und Spontaneität lassen, auf Dinge einzugehen, die in der Halle passieren oder die mich bewegen.

„Ich hätte nicht in hundert Jahren daran gedacht, Sitzungspräsident zu werden“: Christoph Maul. Der Schillingsfürster ist das neue Gesicht der Kultsendung „Fastnacht in Franken“. (Foto: Jim Albright)
„Ich hätte nicht in hundert Jahren daran gedacht, Sitzungspräsident zu werden“: Christoph Maul. Der Schillingsfürster ist das neue Gesicht der Kultsendung „Fastnacht in Franken“. (Foto: Jim Albright)

Ein Schillingsfürster für Veitshöchheim

Der Kabarettist Christoph Maul gab 2022 sein Debüt beim „Fastnacht in Franken“. Dieses Jahr leitet er zum ersten Mal eine ganze Prunksitzung.
04.02.2023 16:06
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„Live und ungeprobt” soll eine Spur politischer werden

Verraten Sie Inhaltliches?

Es wird wieder eine Spur politischer. Das letzte Programm entstand 2020, da hatten die Leute keine große Lust darauf. Jetzt ist es wieder wichtig. Aber das soll jetzt kein belehrendes Programm sein und ich maße mir natürlich auch nicht an, die Antworten auf alles zu haben.

Um was geht es noch?

Daneben wird es trotzdem auch ganz viel Humoriges geben. Sachen aus dem Leben, die mich beschäftigen. Ich bin zum Beispiel junger Papa. Also, ich bin nicht mehr jung, aber mein Kind ist jung. Ich bin außerdem sehr verwurzelt auf dem Land, ich lebe da wahnsinnig gern.

Was ist am Landleben so witzig, dass es ins Programm musste?

Geschichten vom Bolzplatz, wie man in der Nachbarschaft agiert oder wie die Partnersuche früher auf irgendwelchen Kirchweihen oder in Dorfdiscos gelaufen ist. Ich merke, dass das hier passt, weil die Leute sich darin wiederfinden.

Die Leute nicht durchs Programm prügeln

Was wünschen Sie sich von dem neuen Programm?

Meine Idealvorstellung wäre, dass die Leute wahnsinnig viel Spaß haben, vielleicht über ein paar Dinge nachdenken oder, dass sie irgendwann später auf eine Situation treffen, die ich beschrieben habe.

Sie haben „live und ungeprobt“ ja teilweise schon vorgestellt. Wie kam es an?

Gut. Bei manchen Dingen muss man natürlich noch mal ran. Aber das ist ja auch schön. Jeder Künstler sagt immer „Mein Programm ist mein Baby“, deswegen sage ich erst recht, „Dann muss es nicht fertig sein“. Wenn man am Abend spürt, die Leute haben da gerade keine Lust drauf, dann prügel ich sie da nicht durch.

Wie spürt man das denn?

Ich halte es bei manchen Themen aus, wenn es mal zwei, drei Minuten ruhig ist und kein Applaus kommt. Wenn ich zum Beispiel über Rassismus spreche, dann erwarte ich nicht, dass da gejohlt wird. Aber man merkt ja trotzdem, ob die Leute dabei sind. Wenn sie anfangen, sich zu unterhalten, aufs Handy zu gucken, dann weiß man, man hat sie verloren.

Und was machen Sie dann?

Man denkt eigentlich schon immer die nächsten zwei Dinge voraus, während man spricht. Und dann habe ich in meinem Kopf quasi Schubladen. Die mache ich dann auf und mache eben etwas anderes.

Ernteten mit ihrem Programm auf der Freilichtbühne in Dinkelsbühl begeisterten Beifall und viele Lacher: der Entertainer Jochen Schaible (links) und Kabarettist Christoph Maul. (Foto: Roman Kocholl)
Ernteten mit ihrem Programm auf der Freilichtbühne in Dinkelsbühl begeisterten Beifall und viele Lacher: der Entertainer Jochen Schaible (links) und Kabarettist Christoph Maul. (Foto: Roman Kocholl)

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Manche Nummern entstehen im Urlaub

Wie schreibt man ein Programm?

Das ist ein Prozess. Ein Programm setzt sich aus vielen Teilen zusammen. Ich mache mir im Alltag oft Notizen auf dem Handy. Dann schreibe ich alles runter. Das sind dann erstmal 40 Seiten in Arial 11, dann dampfe ich ein und später lasse ich jemand anders darüber gucken.

In welchen Situationen schreiben Sie sich Notizen ins Handy?

Zum Beispiel während meines Urlaubs mit meiner Frau und meinem Kind. Da vergleiche ich dann, wie es früher als Paar war und jetzt.

Info

Zur Person

Christoph Maul ist 1979 in Schillingsfürst geboren und lebt noch dort. 2017 trat er zum ersten Mal als Kabarettist mit Soloprogramm in Rothenburg auf, damals noch in der Kulturhalle Korn. Robert Hellenschmidt hatte ihn beim „Derblecken“ in Schillingsfürst entdeckt und eingeladen. 2022 wurde er als Sitzungspräsident der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim eingeführt.

    Wie viel Christoph Maul privat steckt also im neuen Programm?

    Da ist viel persönliche Meinung dabei, da gibt es eigentlich keine große Trennung. Aber natürlich sind die Situationen immer überhöht. Mir ist es aber wichtig, dass ich nicht nach unten trete. Es geht auch oft um meine eigenen Missgeschicke.

    Apropos, der Komiker Luke Mockridge ist zuletzt negativ in die Öffentlichkeit gerückt, weil er in einem Podcast herablassende Witze über Menschen mit Behinderung und die Paralympics gemacht hat. Was sagen Sie dazu?

    Erstmal stört mich dabei handwerklich mehr, dass er die Nummer von einem amerikanischen Comedian geklaut hat. Ansonsten glaube ich, das ist nicht mein Humor, ich hätte den Gag nicht gemacht. Er war unnötig. Man muss über das Thema keine Witze machen, weil es so viele andere Dinge gibt, die man erzählen kann. Und wenn man so einen Gag macht, soll er zumindest aus der eigenen Feder sein.

    Wo der Humor seine Grenzen findet

    Hat Humor also Grenzen?

    Humor ändert sich. Auf der einen Seite soll er viel dürfen. Auf der anderen Seite ist es auch so: Wenn ich sage, ich beleidige ja niemanden, aber er fühlt sich beleidigt, dann habe ich ihn ja trotzdem beleidigt. Nur, weil man es nicht böse meint, kann es beim anderen trotzdem doof ankommen.

    Nervt es eigentlich, wenn man immer der Lustige sein muss?

    Muss ich ja nicht. Wenn man einen Steuerberater auf der Straße trifft, muss er ja auch nicht gleich die Steuer machen.

    Und wie stemmt man dann zwei Stunden lang allein ein Programm?

    Ganz allein ist man eigentlich nie. Die Leute lachen, geben einem eine Reaktion, rufen mal was rein. Es ist aber schon anstrengend. Danach habe ich erstmal genug geredet, alles gesagt, auch genug Input bekommen.

    Ist es schwierig, die „Fastnacht in Franken“ damit zu vereinen?

    Nein. Man kann mal eine Nummer aus dem einen Programm ins andere mitnehmen und umgekehrt. Es ist nicht getrennt.

    Können Sie schon etwas aus Veitshöchheim für 2025 verraten?

    Nein, weil ich selbst noch nichts weiß. Ich schreibe es wahrscheinlich erst nach Weihnachten. Aber 80 bis 90 Prozent der Leute, die man heuer gesehen hat, sind auch wieder dabei.

    Die Premiere von „live und ungeprobt“ findet am Freitag, 25. Oktober, ab 20 Uhr in der Reichsstadthalle in Rothenburg statt. Weitere Informationen und Karten unter www.christoph-maul.de.


    Anna Beigel
    Anna Beigel
    Redakteurin in Ansbach
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