Jungunternehmer aus Aurach: Wer Wohnungen baut, braucht Geduld | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.10.2024 17:00

Jungunternehmer aus Aurach: Wer Wohnungen baut, braucht Geduld

Bauunternehmer Heino Pfeiffer, Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Bürgermeister Simon Göttfert sowie die Projektentwickler Marco Antretter, Steffen Streng und Markus Streng (von links) trafen sich zum symbolischen ersten Spatenstich in Aurach. (Foto: Thomas Schaller)
Bauunternehmer Heino Pfeiffer, Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Bürgermeister Simon Göttfert sowie die Projektentwickler Marco Antretter, Steffen Streng und Markus Streng (von links) trafen sich zum symbolischen ersten Spatenstich in Aurach. (Foto: Thomas Schaller)
Bauunternehmer Heino Pfeiffer, Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Bürgermeister Simon Göttfert sowie die Projektentwickler Marco Antretter, Steffen Streng und Markus Streng (von links) trafen sich zum symbolischen ersten Spatenstich in Aurach. (Foto: Thomas Schaller)

Wohnungen sind knapp in vielen Teilen Deutschlands, bezahlbare Wohnungen ganz besonders. Der Neubau hinkt bei weitem den Zielen der Bundes- und Landesregierung hinterher. Ein Projekt in Aurach zeigt die Hindernisse bei der Verwirklichung von Wohnbauprojekten, aber auch, dass die Umsetzung trotzdem möglich ist.

Die Geschichte beginnt im Frühjahr 2022. Damals gründete Marco Antretter mit den Unternehmerbrüdern Steffen und Markus Streng eine Immobilienfirma, die ISA Immo GmbH. Ihr gemeinsames Ziel war, Projekte an verschiedenen Standorten baulich zu entwickeln und anschließend zu verkaufen.

2022 fanden sie ein zentral gelegenes Grundstück in Aurach an der Ansbacher Straße. Seit Jahren lag die 3000 Quadratmeter große Wiese brach. Die drei Jungunternehmer kauften die Fläche für ihr erstes Projekt – was allerdings nicht ganz einfach war. „Behördliche und kaufmännische Themen“ habe es gegeben, formuliert das Trio vorsichtig. Außerdem galt es, die Banken zu überzeugen. „Hier wird man als Neugründer von vielen auch nicht ernst genommen“, erinnert sich Markus Streng. Der erste Grundstückskauf erwies sich daher als größere Hürde.

Verdichtung im Innenort

Als alle Probleme gemeistert waren, ging es an die Planung der Wohnanlage mit zwei Mehrfamilienhäusern und insgesamt 18 Wohnungen. Bürgermeister Simon Göttfert und der Auracher Gemeinderat befürworteten das Vorhaben von Anfang an. „Schließlich ist das eine Verdichtung im Innenort“, argumentierte Göttfert bei einem Pressegespräch mit den Beteiligten.

Nachdem auch das Landratsamt grünes Licht gegeben hatte, was nach Einschätzung von Landrat Dr. Jürgen Ludwig sehr zügig geschah, wollten die Drei in die Vermarktung einsteigen. Und dann kam die Krise. Die Zinsen stiegen, die Wirtschaft lahmte und die Nachfrage blieb aus.

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Also planten die Jungunternehmer um und passten ihr Projekt an den geförderten Wohnungsbau an. Für Käufer ist dieses Programm wegen zinsvergünstigter Darlehen und Zuschüssen attraktiv.

Außerdem bekommen Mieter mit geringem Einkommen einen Zuschuss, gestaffelt nach der Höhe ihres Verdiensts. „Wer später mehr verdient, muss aber nicht ausziehen“, betont Markus Streng.

Regierung prüft: Gibt es einen Bedarf?

Angesichts der ständigen Klagen über fehlenden Wohnraum also eigentlich ideal – trotzdem lag noch ein weiter bürokratischer Weg vor dem Trio. Ein halbes Jahr ging nach ihren Worten für die Abstimmung mit der Regierung von Mittelfranken drauf. Es musste geprüft werden, ob in Aurach überhaupt Bedarf besteht. Die Wohnungsgrößen wurden auf den Quadratmeter genau vorgegeben und die Ansprüche sind höher als bei einem privat finanzierten Objekt. Alle Wohnungen mussten barrierefrei umgeplant und ein Aufzug ergänzt werden.

Es sei eine Anpassung an die Fördervoraussetzungen erforderlich gewesen, meinte dazu Martin Hartnagel, Pressesprecher der Regierung von Mittelfranken, auf Anfrage der FLZ. Die Barrierefreiheit sei eine der Voraussetzungen für die Wohnraumförderung. Ein weiterer Förderbaustein sei der Nachhaltigkeitszuschuss. Die ISA Immo GmbH habe diesen Zuschuss beantragt, so dass zusätzliche Anforderungen bei der Begrünung, der Schaffung versickerungsfähiger Flächen sowie sonstige Klimaanpassungsmaßnahmen zu erfüllen gewesen seien.

Vorgaben so flexibel wie möglich angewendet

Die Vorgaben zu angemessenen Wohnflächen seien durch die Bayerische Wohnraumförderungsbestimmung geregelt. Die Regierung von Mittelfranken wende diese „so flexibel wie möglich“ an. Marco Antretter, Steffen und Markus Streng geht es nicht darum, Mitarbeitende der Bezirksregierung zu kritisieren. Sie möchten nur öffentlich machen, wie groß der bürokratische Aufwand geworden ist, der zur Umsetzung eines Wohnbauprojekts nötig ist.

Angesichts der lukrativen Konditionen war es nun leichter, einen Käufer zu finden. Die Prüfung der Bonität war hier die größte Schwierigkeit. Ein Haus konnte nur komplett veräußert werden. „Die Bonität wird von der Bayerischen Landesbodenkreditanstalt exakt geprüft. Hier gelten auch gewisse Vorhaben und Richtlinien, die einzuhalten sind“. Übersetzt: Es geht wieder eine Menge Zeit drauf. Je nach Auslastung dauert die Bonitätsprüfung drei bis sechs Wochen, teilte die Regierung von Mittelfranken mit.

Dort hält man nach den Worten von Pressesprecher Hartnagel das Verfahren für unbürokratisch genug. Das zeige die hohe Nachfrage. Das Förderangebot werde von den Kommunen gut angenommen.

Investor gefunden

Im Frühjahr 2024 fand sich ein Investor, der die beiden Häuser als Geldanlage zur Altersvorsorge betrachtet. Dann kamen weitere Prüfungen durch die Regierung von Mittelfranken und die Banken, die erneut vier Monate in Anspruch nahmen. „In diesem Zeitraum mussten wir noch mal Rückschläge und Hindernisse bewältigen“, so Markus Streng. Ohne Ehrgeiz und Leidenschaft wäre es nicht möglich gewesen, trotz aller Hürden das Millionenprojekt auf die Beine zu stellen.

Erst im September konnte mit dem Bau begonnen werden und die komplette Fertigstellung ist Anfang 2026 geplant. Die ersten Mieter können schon Ende 2025 in die günstigen Wohnungen einziehen, wenn alles gut läuft.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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