Sehr interessierte Schüler und Schülerinnen, eine weichgespülte AfD und zu wenig Zeit für komplexe Antworten und echte Diskussionen waren drei verschiedene Aspekte der abschließenden Podiumsdiskussion beim Planspiel Landtag. Es fand am Montag in der Schwarzenberger Schlossschule statt.
Das wichtigste vielleicht: Das Programm des Centrums für angewandte Politikforschung, das in den Schwarzenberger Schlossschulen schon etabliert ist, scheint ein voller Erfolg: „Ich habe mit Politik eigentlich nicht viel am Hut”, gab so einer der Zwölftklässler gegenüber der Presse zu Protokoll. Doch das Planspiel habe ihm vermittelt, wie es im Landtag zugeht. Die Jugendlichen wurden verschiedenen Fraktionen zugeteilt und diskutierten über die Ursachen von Jugendkriminalität sowie geeignete Gegenmaßnahmen. „Das war schon aufschlussreich.”
Ein Einzelfall? Es scheint nicht so. Schad Lina Kadir vom Centrum für angewandte Politik, die mit einer weiteren Kollegin und einem Kollegen den Tag gestaltete, verzeichnete fast 200 Fragen der Jugendlichen an die Politiker bei der abschließenden Podiumsdiskussion. Es herrschte aufmerksame Ruhe, obwohl die jungen Leute selbst nicht mehr einbezogen wurden: Ihre Fragen wurden den Politikern von der Moderatorin Kadir vorgelegt, Nachfragen waren weder von den Politikern untereinander noch von den Publikumsrängen aus vorgesehen.
Obwohl schon nach einer halben Stunde die ersten Busse abfuhren und eine Gruppe die Veranstaltung verlassen musste, blieben diejenigen, bei denen es möglich war, sogar über die vorgesehene Zeit hinaus sitzen. Um alle Politiker bildeten sich nach dem offiziellen Teil Trauben, in denen weiter diskutiert wurde.
Auf dem Podium saßen Werner Stieglitz für die CSU, Harry Scheuenstuhl für die SPD, Johannes Meier für die AfD und Christian Zwanziger für Bündnis 90/Die Grünen. Alle vier sind Landtagsabgeordnete, doch während Stieglitz und Scheuenstuhl in ihrem heimischen Stimmkreis zu Gast waren, stammt Zwanziger aus dem Stimmkreis Erlangen-Stadt und Meier aus Ansbach-Nord.
Zufall oder nicht: Der AfD-Abgeordnete verhielt sich im Sinne des Kommunikationswechsels, den die Parteiführung nach der Einstufung als „gesichert rechtsextrem” durch das Bundesamt für Verfassungsschutz eingeläutet hatte. Begriffe wie „Remigration” fielen nicht. Bei der Frage nach dem Erstarken der Rechtsextremen fühlte sich Meier offenbar nicht angesprochen: „Es gibt keine rechtsextremen Parteien, die im nennenswerten Umfang Stimmen bekommen.”
Innerhalb des Quartetts kam es dagegen zu verbalen Rangeleien, die einmal kurz sogar aus dem Ruder zu laufen drohten. Scheuenstuhl monierte, Meier habe ihn der Lüge bezichtigt, was er sich nicht bieten lassen wollte. Auf den Publikumsrängen hatte man die Ursache des Streits aber nicht mitbekommen. Außerdem hatte Zwanziger Meier zur Begrüßung wohl den Handschlag verweigert, worauf der wiederum mit Unverständnis reagierte.
Von Seite der Schülerinnen und Schüler dagegen – oder zumindest dem, was gefiltert durch die Moderation an Fragen bei den Abgeordneten ankam – schien die AfD eher wie eine Partei undter anderen betrachtet zu werden. Es gab nicht mehr oder weniger Fragen an deren Vertreter.
Für eine Antwort blieb den Abgeordneten je eine Minute Zeit, deren Ende durch eine Glocke angezeigt wurde. Das entpuppte sich manchmal als sehr kurz. Hatten doch die Vertreter von CSU, SPD und Grünen bei der Frage nach dem Erstarken des Rechtsextremismus auch vorgetragen, dass man in einer Zeit mit komplexen Problemen lebe. „Werdet misstrauisch, wenn euch jemand einfache Antworten bietet”, sagte zum Beispiel Zwanziger als Seitenhieb in Richtung TikTok und Instagram.
Gerade auf die Fragen, die am originellsten wirkten – „Wann haben Sie sich schon gegen die Parteilinie und für ihr eigenes moralisches Empfinden entschieden?” oder „Wenn Sie von den Werten 'Freiheit', 'Sicherheit' und 'Wohlstand' einen zugunsten der beiden anderen aufgeben müssten: Welchen würden Sie wählen?” – gab es dann doch verkürzte Antworten. In zweiten Fall waren sich alle vier einig und wählten den Wohlstand. Bei der ersten Frage war Stieglitz der einzige, der eine Entscheidung benannte, die er im Nachhinein anders gefällt hätte: diejenige, das Kinderplanschbecken im Markt Erlbacher Rangaubad aus Kostengründen nicht gleich mitzubauen.
Symptomatisch für ein unter Jugendlichen verbreitetes Gefühl war die Frage: „Lohnt es sich noch zu arbeiten, wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht?” Die Abgeordneten waren sich da beim ersten Teil der Frage einig: Es lohnt sich. Im Job – aber auch im Ehrenamt und in der Politik. Schließlich gehe es darum, nicht nur zu jammern, sondern selbst aktiv etwas zu verbessern.