Seit 50 Jahren sammelt die Kolpingsfamilie Herrieden Altpapier, Gebrauchtkleider und Schuhe. Und genauso lange organisiert Josef Wahler diese Sammlung federführend. Doch jetzt soll Schluss sein. Die nächste Aktion am Samstag, 4. Januar, ist die letzte für den 75-Jährigen.
Leicht ist Josef Wahler diese Entscheidung nicht gefallen. Das wird im Gespräch deutlich. Die Sammlung ist für ihn eine Herzenssache. Aber: „Irgendwann muss man aufhören.“
Die Verantwortlichen der Kolpingsfamilie Herrieden habe er rechtzeitig darüber informiert, sagt der 75-Jährige. Er ist optimistisch, dass die Sammlung weitergeführt wird. Er vermutet, dass ein Team übernehmen wird, dem er – wenn gewünscht – auch gerne beratend zur Seite zu steht.
Neben der traditionellen Straßensammlung Anfang Januar, die im gesamten Stadtgebiet sowie in den nahen Auracher Ortsteilen Gindelbach, Westheim und Windshofen erfolgt, werden jeweils auch am ersten Samstag im Monat an der Sammelstelle am Winner Weg in Herrieden Altpapier und Gebrauchtkleider angenommen.
Josef Wahler, der seit 1966 Mitglied der Kolpingsfamilie Herrieden – unter anderen war er Vorsitzender und zweiter Vorsitzender – ist, erinnert sich noch gut, wie alles angefangen hat. 1974 war das, mit einer Altpapier- und Gebrauchtkleidersammlung von Kolpingsmitgliedern im Diözesanverband Eichstätt. Da habe er sich gedacht, dass „können wir nur für Herrieden auch machen“, erzählt Josef Wahler, der lange Chef der Buchhaltung bei Carlo Colucci war. 1975 war es dann soweit.
In den Anfangsjahren der Sammlung waren die Trupps noch mit Kleinlastern mit offenen Ladeflächen unterwegs. Entladen wurde am Bahnhof in Triesdorf und später am Güterbahnhof in Ansbach. Was Josef Wahler nicht wusste: Auch Waggons können überladen werden. „Das hat mir niemand gesagt.“ Und so bekam er einen Anruf: Der Zug könne nicht losfahren, die Waggons seien zu schwer und würden womöglich von den Gleisen „hüpfen“. Inzwischen kann der 75-Jährige darüber lachen. Damals jedoch musste er auf die Schnelle Leute, die beim Ausladen helfen, sowie Abnehmer finden.
Die Fahrten zum Bahnhof sind seit langem Geschichte. Heute stehen Container zur Aufnahme des Sammelguts bereit. Die Gebrauchtkleider gehen seit 2005 an die Kolping Recycling GmbH mit Sitz in Fulda. Beim Altpapier wird mit der Brunner Wertstoff GmbH zusammengearbeitet. Das Feuchtwanger Unternehmen hatte 2021 seine Unterstützung angeboten, nachdem die Kolpingsfamilie Herrieden 2020 wegen des Preisverfalls beim Altpapier deren Sammlung schweren Herzens vorübergehend einstellen musste.
„Wir hätten sonst draufzahlen müssen“, berichtet Josef Wahler. Der Markt sei stets Schwankungen unterworfen gewesen, aber so eine Situation habe er noch nicht erlebt. Daher sei er sehr dankbar für die Zusammenarbeit mit der Feuchtwanger Firma sowie für die Zuschüsse seitens des Landkreises Ansbach.
Bei der Straßensammlung sind mittlerweile rund 60 Helfende mit sechs Lastwagen, die örtliche Firmen unentgeltlich zur Verfügung stellen, im Einsatz. Zuvor sind 18 Personen unterwegs, um Handzettel und Plastiksäcke für die Gebrauchtkleider an die Haushalte zu verteilen. Beim monatlichen Abgabetermin an der Sammelstelle ist laut Wahler immer eine Person vor Ort.
Es sei nicht immer leicht, genügend Ehrenamtliche zu finden, bekennt der 75-Jährige. Um so mehr freut es ihn, dass Kinder von damals heute als Erwachsene immer noch beim Sammeln helfen und wiederum ihren Nachwuchs dabei haben. Das Sammel-Erlebnis „prägt und gibt ein Gemeinschaftsgefühl“, sagt Josef Wahler. Zumal bei jedem Wetter gesammelt werde. Er erinnert sich an die klirrende Kälte in den Jahren 1993 und 2002. Unendlich dankbar ist er, dass bei der Straßensammlung noch kein Unfall passiert ist.
Sichtlich stolz ist der 75-Jährige auf das bisherige Sammelergebnis: Bislang konnten insgesamt knapp 4465 Tonnen Altpapier und zirka 1440 Tonnen Gebrauchtkleider einer Wiederverwertung zugeführt werden. Mit dem Erlös von 516.079 Euro konnten bisher regional und weltweit insgesamt 41 Institutionen und Projekte unterstützt werden. Besonders wichtig sei ihm, dass persönliche Bindungen zu den einzelnen Partnern bestehen, betont Josef Wahler. Dadurch werde gewährleistet, dass das Geld auch ankomme.
Dieses Engagement der Kolpingsfamilie wurde 1999 mit dem Georg-Ehnes-Gedächtnispreis gewürdigt. Bereits 1987 dankte das Bayerische Staatsministerium für Landentwicklung und Umweltfragen der Kolpingsfamilie für die vorbildliche Arbeit im Dienste eines aktiven Umweltschutzes. In diesem Zusammenhang wurde Josef Wahler die Umweltmedaille verliehen. 2013 bekam er außerdem die Ehrennadel des Diözesanverbands Eichstätt, 2017 die Ehrenamtsmedaille in Gold für langjährigen Einsatz für die Kolpingsfamilie Herrieden und 2019 die bronzene Bürgermedaille der Stadt Herrieden.
Die Leitung der Sammlung gibt Josef Wahler zwar ab. Er bleibt aber Mitglied der Kolping-Tanzgruppe Strawanzerey und organisiert für die Kolpingsfamilie Reisen und Wallfahrten, die Besuche der Luisenfestspiele in Wunsiedel sowie Wein- und Bierfahrten. Er ist selbst erstaunt, was er so alles macht. „Ich weiß gar nicht, wie ich das alles immer schaffe“, meint er lachend.
Zumal er seit 48 Jahren noch einen Posten innehat: Er ist Verwalter des Herrieder Pfarrheims. „Ich bin da das Mädchen für alles.“ Er sorgt dafür, dass der Betrieb der Kegelbahnen und die zahlreichen, unterschiedlichen Veranstaltungen reibungslos über die Bühne gehen. Er schätzt den Kontakt zu den Leuten, vor allem zu den jüngeren. „Das hält mich fit im Kopf“, sagt Josef Wahler.
Um den Helfenden am Samstag die Arbeit zu erleichtern, sollte das Altpapier gebündelt beziehungsweise in nicht zu großen Kartons bereitgestellt werden. Für Gebrauchtkleider und Schuhe wurden bereits Plastiksäcke verteilt. Das Sammelgut soll erst ab 8 Uhr am Straßenrand deponiert werden. Außerdem kann Sammelgut von 8 bis 14 Uhr an der Sammelstelle am Winner Weg abgegeben werden.