Mit seiner Sammlung von Waagen, Gewichten und Messgeräten hat Johannes Schlender einen Namen weit über die Grenzen seines Wohnorts Königshofen hinaus gemacht.
Der Jubilar sitzt an seinem Computer. Am Bildschirm bearbeitet er soeben das Foto einer Zählwaage für eine Dokumentation. Neben dem PC stehen Drucker sowie zwei Waagen – eine mechanische und eine elektrische Präzisionswaage. Auf einem Bord darüber finden sich Lexika, Fremdwörterbücher, Duden. An der Wand gerahmte Ex libris mit Darstellungen von Waagen. Die Tür eines Schranks steht offen: Darin sind Stapel von Fachzeitschriften, Reihen von Heften und vielerlei Sachbücher. Gegenüber ein Regal voller Ordner: Inventarverzeichnisse, Alben, Dokumentationen. An dieser Wand hängt eine große Karte des „Fränkischen Kreises“ aus dem 18. Jahrhundert.
Bereits im Vorraum von Johannes Schlenders Wohnhaus stolpert man fast über Gerätschaften, die Eichämter aussortiert haben. Sie wurden dort durch moderne elektronische Geräte ersetzt, sind und bleiben aber Kulturgut, zumal sie jahrzehntelang zum Abeichen der Gebrauchsmaße für Länge, Masse oder Gewicht und Volumen verwendet wurden. Jetzt lagern sie im Wohnhaus, weil sie in das übervolle Museum im Garten nicht mehr hineinpassen.
Ähnlich sieht es in zwei Zimmern des oberen Stockwerks aus. Auch hier Messzeuge, Waagen und Geräte sowie ganz besondere Schätze: Nürnberger Münzwaagen und Nürnberger Einsatzgewichte aus dem 18. Jahrhundert oder früher. Oder die umfangreiche Sammlung von Vermessungsgeräten wie Diopter, Theodolite oder Nivelliergeräte.
Auf einem Flohmarkt hat Johannes Schlender 1987 seine erste Waage erworben. Heute sind es über 5000 Positionen: Waagen, Gewichte, Messgeräte und Hohlmaße sowie die zugehörige Fachliteratur. Im Jahr 2000 eröffnete der heute 90-Jährige dann sein Museum „wiegen & messen“. Allerdings will und kann seine Familie die Sammlung nicht übernehmen und weiterführen. Indes meint Schlender, sie müsse angesichts ihrer kulturellen Einzigartigkeit erhalten bleiben. Und deshalb hat er sie aufgrund seines fortgeschrittenen Alters im Jahr 2017 dem Markt Bechhofen vermacht – die Schenkung ist vertraglich geregelt.
Wie der Sammler erzählt, ist geplant, zusammen mit dem Deutschen Pinsel- und Bürstenmuseum in Bechhofen eine „Wissens- und Erlebniswelt“ entstehen zu lassen. Jedoch betreut Schlender nach wie vor das Museum an dessen ursprünglichem Standort an der Pfarrer-Kneipp-Straße in Königshofen. Und dazu meint der Jubilar vernehmbar enttäuscht: „Der Markt Bechhofen hat bislang die Sammlung weder materiell noch ideell übernommen.“ Und: „Ich habe keine Ahnung, was in Zukunft mit der Sammlung und dem Museum geschehen wird.“
Indes berichtete Bürgermeister Helmut Schnotz von einem Beschluss des Bauausschusses, demzufolge Schlenders Museumssammlung in das ehemalige Schellenbergergelände überführt werden soll. Dieses Areal in Nachbarschaft zum Pinsel- und Bürstenmuseum gehört der Marktgemeinde. Derzeit ist hier unter anderem der Kindergarten St. Katharina provisorisch untergebracht. Derweil solle Johannes Schlenders historische Ausstellung im Westbau der früheren Bürstenfabrik Platz finden. Man wolle diesen Gebäudetrakt wegen seines Industriecharakters weitgehend im bisherigen Zustand belassen.
Während die Kommune dabei vom Amt für nichtstaatliche Museen mit Sitz in Weißenburg unterstützt werde, setzt der Rathauschef auch auf positive Impulse für das Pinsel- und Bürstenmuseum. Und dessen Geschäftsführer Hans Zahn bezeichnet es als großes Anliegen, dass die „wiegen & messen“-Sammlung erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Er sei bereit, dafür anderes hintanzustellen, um die Planungen dafür zügig umsetzen zu können.
Johannes Schlender ist am 9. September 1933 im Brandenburgischen geboren. Bedingt durch den Krieg kam er 1943 nach Dentlein. Nach seinem Schulabschluss besuchte er die Fachschule für Maschinenbau in Ansbach und absolvierte eine Ausbildung zum Mechaniker und Maschinenbauer. Danach bildete er sich zum Maschinenbautechniker weiter und arbeitete in diesem Beruf viele Jahre in Ansbach, Nürnberg, Bechhofen und Dinkelsbühl.
1955 heiratete Schlender seine Frau Dora, die 2011 gestorben ist. Dem Paar wurden sechs Kinder geboren. Inzwischen zählen elf Enkel und zwölf Urenkel zur Familie.
Zeitlebens widmete sich der Jubilar vielen Hobbys: Kleintierzucht, Schachspiel, Sport und Gesang bereiteten ihm Freude. Beim RV Adler in Bechhofen brachte er sich als Trainer ein und wirkte als Kampfrichter für Kunstradsport. Ebenso als Kampfrichter wirkte er beim Bayerischen Leichtathletik-Verband. Nach wie vor ist er bei der Sängerriege des TSV Bechhofen aktiv. Zudem befasst sich der Jubilar mit Metrologie.
Seine größte Leidenschaft ist und bleibt aber sein Museum. An dessen Öffnungstagen vermittelt er zusammen mit Lebensgefährtin Hildegard und Tochter Ellinor den Besuchern Wissenswertes zum Wiegen und Messen.
Und wenn Bürgermeister Helmut Schnotz den Jubilar an dessen heutigem Geburtstag besucht, hat er ein besonderes Geschenk im Gepäck: Auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung am 13. September steht die Sammlung des 90-Jährigen, die nun zügig in ein Schaudepot im Westbau des Schellenberger-Areals überführt werden soll.
Das Museum „wiegen & messen“ an der Pfarrer-Kneipp-Straße in Bechhofens Ortsteil Königshofen ist morgen, Sonntag, 10. September, geöffnet. Johannes Schlender erwartet die Besucher in der Zeit von 13 bis 17 Uhr.