Michael Poschner (84) steht vor den Trümmern seines Lebens. Von dem Autohaus, das er hinter der Agip-Tankstelle an der Würzburger Landstraße betrieben hat, haben die Flammen nicht viel übriggelassen. Poschner ist am Mittwochmorgen vor Ort, um den Brandermittlern der Kripo zu helfen. „Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergeht.”
Als er am Dienstag kurz vor 21 Uhr heim nach Colmberg fuhr, war alles wie immer. Doch er saß gerade eine Viertelstunde daheim am Abendbrot-Tisch, als ihn sein Sohn alarmierte: „Deine Werkstatt brennt.” Der Sohn habe noch in der Firma zu tun gehabt, erzählt Poschner. Er und seine beiden Söhne sind die einzigen Mitarbeiter des Unternehmens. Postwendend sei er nach Ansbach zurückgefahren – und blieb bis 1 Uhr nachts an der Brandstelle. Über Facebook bedankte sich die Familie schon kurz nach dem Einsatz bei den Rettungskräften für ihre Hilfe. „Das hat mein Enkel gemacht”, sagt der Senior.
„Seit 60 Jahren waren wir hier vor Ort”, erzählt er. Nach einer Kfz-Lehre in Rothenburg betrieb er zunächst die Agip-Tankstelle. 1965 kaufte er von der Firma Breitschwert das Grundstück dahinter und baute sein Autohaus mit angeschlossener Werkstatt auf. „Das hier war mein Traum”, sagt er und schaut auf die brandgeschwärzten Trümmer, „so schnell kann der weg sein.” Ein Leben im Wirtschaftswunder-Land, das begann, als er als Dreijähriger aus Rumänien mit dem Pferdefuhrwerk vor den Russen über die Donau nach Österreich floh und dann als Flüchtling nach Mittelfranken kam.
Wie es jetzt weitergeht, weiß er nicht. Trotz seines hohen Alters sei er noch immer der Geschäftsführer der Firma. Die Zukunft ist ungewiss, zumal seine beiden Söhne nicht weitermachen wollten, so Poschner: „Ich muss jetzt mit der Versicherung reden.”
Er habe lange die Vertretung für die Marke Toyota gehabt, blickt Michael Poschner zurück. Diese habe er jedoch im Jahr 2000 aufgegeben: „Die wollten, dass ich für 30 Millionen Mark ein neues Autohaus baue.” Stattdessen sei dann die Werkstatt gut gelaufen. Man habe sich auf die Umrüstung von Fahrzeugen auf Gasbetrieb spezialisiert und dann auch eine Gastankstelle betrieben. Das sei einige Jahre sehr gut gelaufen, so Poschner.
Doch seit rund zehn Jahren gingen die Geschäfte schlechter: „Überall in Europa wird die Gasumstellung gefördert, nur in Deutschland nicht.” Hier setze man ausschließlich auf die E-Autos. Mit der Umrüstung auf Gasbetrieb habe der Brand nichts zu tun, beteuert Poschner. Der Wagen, von dem vermutlich die Flammen auf die Werkstatt und das Reifenlager übergriffen, sei ein normaler Benziner gewesen.