2025 war seit Langem und mit Abstand das Jahr der aufsehenerregendsten Fälle für die Staatsanwaltschaft Ansbach. Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier und Leitender Oberstaatsanwalt Friedrich Weitner haben die spektakulärsten Fälle zusammengefasst. Ein Überblick über die Ereignisse in Stadt und Landkreis Ansbach.
Mit einem Knall fing das Jahr 2025 an. Ab Mitternacht schossen Jugendliche Silvesterraketen auf die Flagge des Staates Israel am Ansbacher Rathaus. Vor dem Jugendschöffengericht mussten sich ab Dezember 2025 vier Jugendliche für die Tat verantworten. Es gab „durchwegs Verurteilungen”, sagte Friedrich Weitner bei einem Pressegespräch. Alle bekamen Bewährungsstrafen. Die längste davon liegt bei zwei Jahren.
Inzwischen laufen in allen Fällen Berufungsverfahren. Der Fall war für die Staatsanwaltschaft Ansbach in gewisser Weise Neuland: Juristisch ging es auch um die Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen ausländischer Staaten. In solchen Fällen kann die Staatsanwaltschaft nur aktiv werden, wenn der betroffene Staat eine Strafe verlangt. Eine Erklärung des israelischen Staates kam in Ansbach nach einigen diplomatischen Runden erst im August über das Auswärtige Amt in Berlin an.
Die Raketenschießerei sollte nicht die letzte Begebenheit sein, zu der die Jugendlichen von sich hören ließen. Nachdem sie im Nachgang der Silvesternacht festgenommen wurden, lieferten ihre Handys der Ansbacher Kripo wertvolle Hinweise. Die jungen Männer wurden identifiziert als Teil einer siebenköpfigen Jugendbande, die in Ansbach bewaffnete Raubüberfälle auf die dm-Filiale in der Welserstraße (Dezember 2024) und die H&M-Niederlassung (Januar 2025) in der Fußgängerzone verübt hatte.
Der Prozess am Ansbacher Landgericht ging im Juli mit beispiellosen Sicherheitsmaßnahmen über die Bühne. Rund 20 Polizistinnen und Polizisten waren im Saal, um Staatsanwältinnen und Richter zu schützen. Die Männer im Alter zwischen 15 und 18 Jahren erhielten hohe Haftstrafen, teilweise auf Bewährung.
Im Februar 2025 hielt Heilsbronn den Atem an. Ein Unbekannter griff hinterrücks einen Geschäftsmann mit einem Messer an. Nach einem „Auftragskiller” wurde international gefahndet. Mit Erfolg: im März wurde in England ein 26-Jähriger festgenommen. Unter anderem, weil er einen Mordauftrag ausführen wollte, wurde der Mann aus Istabul zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt.
Dieses wird vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe überprüft. Abgeschlossen hat das Landgericht Ansbach mit dem Fall bisher nicht. „Noch sind nicht alle Beteiligten identifiziert, weitere Strafverfolgungen laufen”, erklärt Oberstaatsanwalt Heinzlmeier.
Ein Einbruch mit tödlichen Folgen ereignete sich Anfang März. In der Büttenstraße wurde ein schlafender 66-Jähriger überfallen. Ein Einbrecher war in die Wohnung eingedrungen, stahl Schmuck, Bargeld und eine EC-Karte. Um an die PIN zu kommen, verprügelte der Eindringling sein Opfer brutal.
Nach einem Krankenhausaufenthalt starb der 66-Jährige. Der Prozess gegen den 48-jährigen Einbrecher läuft inzwischen. Wirklich nachzuvollziehen, was in der Nacht des Überfalls vorgefallen ist, ist schwierig. Das Opfer, eigentlich ein wichtiger Zeuge, „ist tot”, bedauert Weitner.
Videomaterial, das die Tierrechtsorganisation Aninova aufgenommen hatte, erschütterte im April Tierschützerinnen und Tierschützer sowie die Geflügelbranche. 500 Stunden wurden in einem Hennenschlachthof in Wassertrüdingen heimlich aufgenommen. Mehrfache brutale Tierquälerei war in nur zwei Minuten Videomaterial erkennbar. Hennen wurden mit der Faust und Eisenstangen geschlagen, gejagt, getreten und gewürgt. In der Konsequenz wurde der Schlachthof geschlossen, involvierte Mitarbeitende entlassen. Nach Auskunft von Friedrich Weitner wurden zwölf Personen namentlich identifiziert, sieben Verfahren sind inzwischen eingeleitet. Die Beweisaufnahme läuft.
Ende Juni 2025 kam es in Neuendettelsau zu einem Messerangriff auf offener Straße. Der Angegriffene konnte ausweichen und fliehen. Der Angreifer wurde festgenommen und ist bis zu Beginn seiner Verhandlung in einer Klinik untergebracht.
Ein 34-Jähriger, der als „Amokläufer” von Ansbach bekannt ist, kehrte im August nach einem genehmigten Freigang nicht mehr ins Bezirksklinikum Erlangen zurück. Im Jahr 2009 verletzte der Mann bei einem Amoklauf am Carolinum Ansbach zehn Personen. Nach einer sorgfältig geplanten Flucht nach Kolumbien wurde er nach intensiver Fahndung dort wieder geschnappt. Seine Rückführung mit einem Sonderflug kostete schlappe 195.000 Euro. „Wir sind froh, dass er wieder da ist”, äußert sich der Leitende Oberstaatsanwalt Weitner trocken.
Im Mai startet der Prozess gegen einen Mann, der den Partner seiner Stieftochter absichtlich überfahren hatte. Im Oktober 2024 hatte der 47-Jährige einen 28-Jährigen in der Schalkhäuser Landstraße in Ansbach überrollt und mit dem Messer auf ihn eingestochen. Der Vater wollte Gewaltakte gegen seine Tochter rächen. Wegen versuchten Mordes musste der Stiefvater neuneinhalb Jahre in Haft.