Die israelische Luftwaffe fliegt nach eigenen Angaben große Wellen neuer Angriffe auf Ziele im Iran und im Libanon. In der Hauptstadt Teheran werde Infrastruktur des iranischen „Terrorregimes“ attackiert. Gleichzeitig gebe es Angriffe auf Einrichtungen der vom Iran unterstützten Terrororganisation Hisbollah in der libanesischen Hauptstadt Beirut, erklärte das Militär auf der Plattform X. Weitere Einzelheiten nannte die israelische Armee zunächst nicht.
Der Iran wiederum griff in der Nacht erneut Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Katar und in Saudi-Arabien an. Auch in Israel ertönten wegen iranischer Angriffe am frühen Morgen mindestens zweimal die Sirenen. Nach jeweils kurzer Zeit wurde der Raketenalarm wieder aufgehoben und Entwarnung gegeben.
Die USA und Israel führen seit mehr als zwei Wochen Krieg gegen den Iran und haben in dem Land bereits Tausende Ziele aus der Luft angegriffen. Der Iran greift im Gegenzug sowohl Israel als auch mit den USA verbündete Golfstaaten mit Raketen und Drohnen an.
Israels Militär geht inzwischen auch massiv gegen die schiitische Hisbollah-Miliz im nördlichen Nachbarland Libanon vor. Der Einsatz begann infolge von Raketenangriffen aus dem Libanon und beschränkte sich zunächst auf Luftangriffe, inzwischen gibt es aber auch Einsätze am Boden.
Ein Militärsprecher kündigte am Montagabend an, den Einsatz von Bodentruppen im Südlibanon auszuweiten. Die Armee mobilisiere weitere Reservisten, sagte Sprecher Effie Defrin. Gegenwärtig seien bereits mehr als 100.000 Reservesoldaten an allen Fronten im Einsatz. Im Libanon besteht die Sorge vor einer großangelegten Bodeninvasion Israels mit anschließender Besatzung im Süden des Landes.
Mehrere Staaten, darunter Deutschland, warnten Israel vor einer großen Bodenoffensive. „Eine signifikante israelische Bodenoffensive hätte verheerende humanitäre Folgen und könnte zu einem langwierigen Konflikt führen“, teilten die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Kanadas und des Vereinigten Königreichs in einer Erklärung mit. „Dies gilt es abzuwenden. Die humanitäre Lage im Libanon einschließlich der anhaltenden Massenvertreibung ist bereits äußerst alarmierend.“
Durch die jüngste Eskalation des Konflikts sind im Libanon offiziellen Angaben zufolge bereits mehr als eine Million Menschen vertrieben worden. Damit ist jeder sechste Libanese betroffen. Rund 130.000 Menschen seien in Notunterkünften untergekommen, teilte die Katastrophenschutzeinheit mit.
Die Staats- und Regierungschefs verurteilten in ihrer Erklärung die Entscheidung der Hisbollah, sich Irans Angriffen auf Israel anzuschließen. „Die Angriffe der Hisbollah auf Israel und ihre gezielten Angriffe auf die Zivilbevölkerung müssen aufhören, die Hisbollah muss ihre Waffen niederlegen.“
Der Iran griff in der Nacht auch erneut Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien an. Die Emirate schlossen wegen laufender Angriffe kurzzeitig ihren Luftraum.
Die Behörden in Dubai erklärten, dass es sich bei dem Lärm, der in verschiedenen Stadtgebieten zu hören sei, um Abfangeinsätze der Luftabwehr handle. Das Verteidigungsministerium in Saudi-Arabien teilte mit, im Osten des Landes seien mehrere Drohnen abgefangen worden. Im Irak gab es unbestätigten Medienberichten zufolge neue Angriffe auf die US-Botschaft in Bagdad und einen US-Stützpunkt in der Nähe des Flughafens.
Das Militär in Katar wehrte am Morgen einen Raketenangriff ab, wie das Verteidigungsministerium auf X bekanntgab. Trümmerteile einer abgewehrten Rakete lösten in einem Industriegebiet einen Brand aus, wie das Innenministerium mitteilte. Die Feuerwehr sei vor Ort. Weitere Einzelheiten zu dem Angriff - etwa zur Zahl der abgewehrten Raketen - wurden zunächst nicht genannt. Erst am Montag hatte der Iran Katar mit 14 ballistischen Raketen und mehreren Drohnen angegriffen.
Unterdessen meldete die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt, ein Tanker sei vor der Küste des Emirats Fudschaira im Golf von Oman von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Es sei niemand verletzt worden. Das Schiff habe gut 40 Kilometer vor der Küste vor Anker gelegen, hieß es.
Das kleine Emirat Fudschaira, das zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört, liegt südlich der Straße von Hormus - einer strategisch bedeutsamen Meerenge, die den Zugang zum Persischen Golf bildet.
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