Marie Hoffmann ist Landwirtin und Influencerin. In den sozialen Medien teilt die 27-Jährige ihr Wissen mit Hunderttausenden von Followern und räumt gleichzeitig mit Vorurteilen gegenüber der Landwirtschaft auf. Am Samstag machte die Agrar-Influencerin beim Abend der „HofHelden“ Station in der Ipsheimer Festhalle.
Marie Hoffmann, die der Einladung der Kreisverbände für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) Neustadt und Uffenheim, des Maschinenrings Franken-Mitte und des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Neustadt gefolgt war, gewährte Einblicke in den aus ihrer Sicht „tollsten Beruf der Welt“. Sie zeigte den rund 300 Besuchern auf, was Landwirte verändern können – und wie es gelingen kann, der immer größer werdenden Online-Gesellschaft ein realistisches und objektives Bild von einer modernen Landwirtschaft zu vermitteln.
Die in Schoneberg im Lippetal aufgewachsene Doktorandin der Landwirtschaft ist, obwohl sie keinen eigenen Hof besitzt, Landwirtin aus Überzeugung. Bereits in jungen Jahren habe für sie kein Weg an Ställen und Tieren vorbeigeführt, der Verlockung von Traktoren konnte sie auch nicht widerstehen, erzählte sie.
Hat man keinen eigenen Betrieb, heuert man eben auf einem anderen Hof an: So arbeitet Marie Hoffmann auf einem Ackerbaubetrieb im Landkreis Soest mit. Im Ehrenamt engagiert sie sich zudem in zahlreichen Bildungsprojekten der Bereiche „Landwirtschaft“ und „Natur“.
Ihr Hauptaugenmerk richtet die passionierte Jägerin jedoch auf die Öffentlichkeitsarbeit der Landwirtschaft in den sozialen Medien und widmet sich dort allem voran den Fragen: „Woraus resultiert der negative Touch, dem große Teile der Landwirtschaft in der Bevölkerung ausgesetzt sind? Und was kann man dagegen unternehmen?“
Die Antworten sind äußerst vielschichtig: Viele der Menschen, die in der Stadt leben, hätten den Bezug zur Landwirtschaft verloren, folgten in den Medien unkritisch und ohne Vorwissen den dort verbreiteten Narrativen und setzten sich zudem kaum mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft auseinander.
Begriffe wie „Massentierhaltung“ oder „Pestizide“ in der Berichterstattung würden zum negativen Image beitragen, auch wenn sie oftmals stark verallgemeinernd eingesetzt würden, so Hoffmann, der auf Instagram mehr als 800.000 Nutzer und auf TikTok etwa 500.000 Menschen folgen.
Dort gelte es für die Landwirte anzusetzen und mehr denn je, ob in Schulen oder bei anderweitigen Veranstaltungen, „ehrliche, aber auch selbstkritische Öffentlichkeitsarbeit“ zu leisten. Die Möglichkeiten seien vielfältig und reichten von der Kitzrettung, die dank des Einsatzes von Drohnen mit Wärmebildkamera immer leichter werde, bis hin zum Artenschutz, welchem die Landwirtschaft etwa mit Hilfe der Aussaat von Blühstreifen aktiv nachkommt.
Trotz einer wachsenden Bedeutung der sozialen Medien empfiehlt die Influencerin, auch altbekannte „Informationsverbreiter“, ob Printmedien oder Fernsehen, in Sachen „Meinungsbildung“ nicht außer Acht zu lassen. Ihr Tipp ans Publikum: „Legen Sie sich eine gedankliche Argumentationsliste zurecht, mit der sie Menschen, die nicht aus der eigenen Blase stammen, gezielt entgegentreten können.“