Immerhin sind Ferien. Und das Wetter war ganz passabel. Das bescherte der Altstadt am Wochenende eine für die Jahreszeit recht hohe Besucherfrequenz. Viele kamen wegen der Herbstmesse. Und andere, die auch sonst den Weg in die Stadt gefunden hätten, nahmen das Volksfest als Zusatzattraktion gerne mit.
Das gilt etwa für Jenny und Christian Claus, die mit Tochter Lilly aus München anreisten, um für ein paar Tage die Altstadt zu genießen. „Wir waren schon mal vor ein paar Jahren hier und wollten das, weil es so schön war, wiederholen“, erzählt Christian Claus. Bei der Ankunft im Hotel habe sich herausgestellt, dass an diesem Wochenende hier auch ein Volksfest ist: „Das war also Zufall.“
Diese Veranstaltung sei etwas Besonderes und passe gut zur Altstadt, so die Wertung von Jenny Claus. Auch Tochter Lilly ist zufrieden, zumal unter den 20 Losen, die sie gerade am Stand von Alexander Jöst gezogen hat, auch ein paar dabei sind, für die es Gewinne gibt.
Der 68-jährige Schausteller aus Arnstein in Unterfranken kommt mit seiner Bude seit zehn Jahren regelmäßig zur Herbstmesse. Die Umsätze seien in Ordnung, auch wenn es bei Weitem nicht mehr so gut laufe wie direkt nach der Corona-Pandemie, sagt er. Damals hätten die Leute Nachholbedarf gehabt. Inzwischen werde bei vielen das Geld knapp. Das merke man, so Alexander Jöst.
Die Herbstmesse ist ihm aber unabhängig von den Umsätzen sympathisch, und zwar wegen der Geselligkeit der Schausteller untereinander: „Hier ist an den Abenden früher Schluss als bei den großen Volksfesten andernorts. Da setzen wir uns dann gern gemütlich zusammen.“
Textilhändler Armando Bauer aus Matzenbach bei Crailsheim hat zu der Veranstaltung in Rothenburg ebenfalls ein besonderes Verhältnis, denn schon seine Eltern und Großeltern verkauften hier Waren. „Das liegt für uns halt fast vor der Haustür“, sagt der 47-Jährige, der mit seiner Frau Manuela ein umfangreiches Sortiment an Bekleidung und Accessoires anbietet. Da habe sich viel geändert, erklärt Bauer. Früher hätten 20 unterschiedliche Artikel gereicht, und man sei auf seinen Umsatz gekommen. Heute laufe nur noch etwas, wenn die Auswahl entsprechend groß sei. Da wirke sich der Internethandel aus.
Auffällig sei auch, dass immer mehr Leute versuchten, um einen günstigeren Preis zu feilschen. Obwohl das bei Jahrmärkten hierzulande keine Tradition habe, „müssen wir da bis zu einem bestimmten Punkt mitgehen“, so Bauer. Insgesamt werde das Geschäft schwieriger. Aber es passe schon noch. Man müsse sich halt auf Veränderungen einstellen. Die nächste Generation ist bei den Bauers aus Matzenbach auch schon händlerisch aktiv. So serviert die 20-jährige Tochter Ghislaine an einem eigenen Stand Süßspeisen.
Noch bis zum Sonntag, 3. November, läuft die Herbstmesse auf dem Schrannenplatz. Der Händlerbereich ist dabei täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Die Fahrgeschäfte und Buden sind von 12 bis 20 Uhr in Betrieb.
Am Auftaktwochenende ging in der Schrannenscheune auch wieder das traditionelle Stelldichein der Vereine über die Bühne. Zahlreiche Ehrenamtliche kamen untereinander und mit Passanten ins Gespräch und stellten die Arbeit ihrer Gruppen vor. Der gestrige Sonntag war auch verkaufsoffen. So konnten viele Geschäfte in der Altstadt zwischen 13 und 18 Uhr angesteuert werden.