In Rothenburg „topplert“ es noch heute überall | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.06.2024 07:00

In Rothenburg „topplert“ es noch heute überall

... als Straßenname am Rande der Altstadt ... (Foto: sim)
... als Straßenname am Rande der Altstadt ... (Foto: sim)
... als Straßenname am Rande der Altstadt ... (Foto: sim)

Seine Bedeutung und bauliche Einmaligkeit verdankt Rothenburg einem Privileg, das die Anerkennung als Reichsstadt bedeutete. Verliehen wurde es 1274, also vor 750 Jahren – ein Anlass, den es zu feiern gilt. Wir beteiligen uns mit einer Serie von Artikeln, die an entscheidende Phasen der Stadtgeschichte erinnern – und an wichtige Persönlichkeiten.

Topplerschlösschen, Topplerschule, Toppler-Theater: Der Name Toppler verfolgt einen in Rothenburg auf Schritt und Tritt. Sogar auf einer Bierflasche – beim Toppler-Pils einer regionalen Brauerei. Doch wer war eigentlich dieser Heinrich Toppler? Und welche Rolle spielte dieser Mann in der damaligen Reichsstadt?

Viele Jahre lang war Heinrich Toppler der Bürgermeister von Rothenburg. Er hat die Geschichte der Stadt entscheidend mitgeprägt, die unter ihm eine Blütezeit als Reichsstadt erlebte. Toppler war reich, er war mächtig – und hat sich im Laufe seines Lebens zahlreiche Feinde gemacht. Sein Ende war vermutlich qualvoll.

Doch von Anfang an: Geboren wurde Heinrich Toppler um 1349/50 – das exakte Datum ist nicht bekannt. Er war eines von sechs Kindern und wuchs im Haus „Zum Greifen“ auf. Dort, in der Oberen Schmiedgasse, bewirtete er schon damals Gäste – bis heute findet sich hier ein Hotel mit Gastwirtschaft.

Reichtum durch großes Finanzgeschick

Der große Patrizierbau lässt es schon vermuten: Toppler stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Er heiratete zweimal, war Vater von drei Söhnen und fünf Töchtern. Nach und nach baute er seinen Reichtum weiter aus – durch sein Finanzgeschick, aber auch durch die eigene geschickte Verheiratung und die seiner Kinder. Im Jahr 1408, kurz vor seinem Tod, besaß er „in 118 Ortschaften 333 bäuerliche Anwesen (darunter sechs Großhöfe, zwei Schafhöfe, 36 weitere Höfe und sieben Mühlen), die ihm an jährlicher Gült rund 500 Gulden in bar, 1000 Malter Getreide und 1000 Hühner einbrachten“.

Das schreibt der Historiker und Archivar Dr. Ludwig Schnurrer, der sich intensiv mit Heinrich Toppler beschäftigt hat. Auszüge aus seinen Forschungsarbeiten hat Jochen Ehnes, unter anderem aktiv im Verein Alt-Rothenburg, zusammengetragen und auf der Website www.heinrich-toppler.de veröffentlicht.

Heinrich Toppler war noch keine 30 Jahre alt, als er 1373 zum ersten Mal zum Bürgermeister gewählt wurde – und es mit Unterbrechungen rund 40 Jahre lang bleiben sollte. Zu diesem Zeitpunkt bestand Rothenburg nur aus dem ummauerten Stadtkern.

Das 14. Jahrhundert brachte wiederholte Missernten, Hochwasser, die Pest und sogar Heuschrecken vernichteten ganze Ernten. „Diese Erfahrungen hatten Toppler geprägt“, sagt Karin Bierstedt, die sich als Gästeführerin intensiv mit Toppler auseinandergesetzt hat.

Seinen Reichtum nutzte er daher unter anderem, um das Stadtgebiet zu vergrößern. Auf rund 400 Quadratkilometer Grund wuchs unter seiner Regie das Landwehr-Gebiet an. Das ist nahezu das Zehnfache der heutigen Gebietsfläche der Stadt. Wie er das schaffte? Zum Beispiel, indem er mit Landadeligen, von denen im 14. Jahrhundert viele der Armut verfielen, günstige Preise für deren Grundbesitz aushandelte.

Diplomaten- und Kriegserfahrung

Politisch erwarb er sich höchstes Ansehen, nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Diplomat Rothenburgs und des Schwäbischen Städtebundes sowie durch seine kriegerischen Fähigkeiten. „Er saß eben im Kriegssattel genauso sicher wie auf dem Diplomatenross“, ist bei Schnurrer zu lesen. Dank Toppler hat sich laut dem Historiker die Stadt Rothenburg zwischen 1370 und 1400 „ziemlich unbehelligt zwischen den mannigfachen, teilweise bösen Gefahren hindurchgesteuert, die alle oberdeutschen Städte bedrohten“.

Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger fasst die Beziehung zwischen Toppler und der Reichsstadt so zusammen: Politisch habe Toppler eine Führungsposition über die Landwehr hinaus gehabt. Seine Wirkung habe er nur in solch einer freien Stadt entfalten können.

Aber Heinrich Toppler hatte auch eine dunkle Seite. Er war weder bescheiden noch zurückhaltend, beschreibt ihn Schnurrer. „Vielmehr dokumentierte er sein starkes, durch große Erfolge berechtigtes Selbstbewusstsein, wo immer er dazu Gelegenheit fand.“ Auch sein privates Lusthaus im Taubertal, außerhalb der Stadtmauern, brachte ihm Kritik und Neider ein. Das Topplerschlösschen überließ er für einige Zeit auch dem damaligen König Wenzel, der einen schlechten Ruf und den Beinamen „Der Faule“ trug. Mit ihm pflegte Toppler „gute Kontakte“ – was ihm zum Verhängnis werden sollte.

Der Vorwurf: Hochverrat

Wie es dazu kam, ist in einem Artikel von Carlheinz Gräter in der Bayerischen Staatszeitung beschrieben, den Jochen Ehnes ebenfalls auf seiner Website veröffentlicht hat. Demnach kam es zu Zerwürfnissen mit den Burggrafen von Nürnberg.

Topplers Suche nach Verbündeten scheiterte. Heinrich Toppler bat den mittlerweile abgesetzten König Wenzel um Unterstützung – das galt als Hochverrat. Toppler wurde daraufhin verhaftet, eine Gerichtsverhandlung gab es allerdings nie. Es wird vermutet, dass man den Siebzigjährigen im Stadtkerker unter dem Rathaus qualvoll verdursten ließ. Andere Theorien sprechen von Vergiftung oder Hinrichtung.

Ein klein wenig Romantik bringt eine Legende in die Geschichte seines Todes. Seine Ehefrau, so heißt es darin, habe einen Versorgungstunnel vom Greifen zum Rathausverlies graben lassen. Doch einen Tag vor dessen Fertigstellung sei Heinrich Toppler verstorben. Der Stein in St. Jakob nennt den 13. Juni 1408 als seinen Todestag.

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