Die Mitteilung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates von Petersaurach fiel bemerkenswert kurz aus: Das umstrittene Projekt Wetterradarturm ist mit einiger Verspätung angelaufen. Im Staatsforst zwischen Petersaurach und Langenloh haben die Bauarbeiten nun begonnen.
Ein breit geschotterter Feldweg führt von der Verbindungsstraße in den kleinen Ortsteil in Richtung der Baustelle, die mitten im Wald liegt. Eine breite Schneise zieht sich durch das Grün, um Platz zu schaffen für die schweren Baustellenfahrzeuge. Auf einer abgeholzten Lichtung gräbt ein Baggerfahrer gerade aus, ein bereits fertiggestellter Verteilerkasten deutet auf die Notwendigkeiten der späteren Nutzung hin.
An dieser Stelle, die offiziell „Am Sandbühl“ heißt, wird sich laut Planung ab Mitte nächsten Jahres ein Wetterradarturm etwa 40 Meter in die Höhe winden. Im Freistaat stehen derzeit fünf solcher Türme, der Neubau des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bei Petersaurach soll die auf der Risikokarte bislang als „schwarzes Loch“ geltende Metropolregion rund um Nürnberg besser vor Wetterkapriolen schützen und dabei helfen, die Bevölkerung rechtzeitig vor Starkregenereignissen warnen zu können. So weit, so gut.
Doch um den Standort war bereits seit 2015 gerungen und nicht minder heftig diskutiert worden. Ehe der Gemeinderat Petersaurach mit 8:5-Stimmen sein Plazet gab, hatten bereits sechs andere Kommunen und die Stadt Ansbach abgelehnt. Aus einem simplen Grund: Ein Ja zum Wetterradarturm bedeutet gleichzeitig ein Nein zum Standort für Windräder.
Damit so ein Wetterradar einwandfrei arbeiten kann, dürfen idealerweise im Umkreis von 15 Kilometern, mindestens aber in fünf Kilometern, keine zusätzlichen Hindernisse errichtet werden. Also auch keine Windräder. „Durch den Turm wird es für die Gemeinde unmöglich, eine Windkraftanlage errichten zu können und das nach der aktuellen Lage auf Generationen“, hatte Sebastian Beck (Liste Einigkeit) sein Veto gegen das Planfeststellungsverfahren erklärt, das auch die Vertreter der Grünen und Ulrich Hufnagel (Freie Wähler) teilten.
Bereits 2021 und damit nur kurz nach der Vorstellung des Projektes im Gemeinderat hatten sich Bewohner der Kommune zu der Initiative „Bürgerenergie Petersaurach“ zusammengeschlossen. In einem Schreiben an die Bundesanstalt hatte sich die Initiative für die Verlagerung des Standortes starkgemacht. Doch die Antwort des DWD fiel unmissverständlich aus: Ein Zeitverzug von zwei Jahren bis zur Umsetzung des Projekts sowie eine Verdoppelung der Kosten sprächen dagegen, argumentierte Klaus-Jürgen Schreiber, Leiter des Geschäftsbereichs.
Zuvor waren aufgrund von Naturschutzbelangen, optischen Bedenken von Anwohnern, militärischen Anlagen oder bestehenden Windrädern etliche potenzielle Standorte bereits durchgefallen. „Einzig verbliebener meteorologisch gut geeigneter Standort ist Petersaurach“, erklärte der DWD in der Folge. Dazu muss man wissen, dass bereits vor der Abstimmung im Gemeinderat ein Pachtvertrag zwischen dem Deutschen Wetterdienst und den Bayerischen Staatsforsten über das jetzt bebaute Waldstück geschlossen worden war.
„Eine Kommune muss in den sauren Apfel beißen, und für uns ist das vertretbar“, erklärte Petersaurachs Bürgermeister Herbert Albrecht (CSU) vor dem Schlussakt des Genehmigungsverfahrens. Da die Regierung von Mittelfranken in der Abwägung keine Bedenken sah, wird nun gebaut. „Die Fertigstellung ist für Juli 2026 geplant“, verkündete Albrecht kürzlich im Gemeinderat. Mehr gab es dazu nicht zu sagen.