Das Fränkische Museum will sich aktiv und kritisch mit seiner eigenen Geschichte und der Geschichte der Stadt Feuchtwangen auseinander setzen. Deshalb wird zur gemeinsamen Aufarbeitung insbesondere der Zeit zwischen 1933 und 1945 eingeladen. Das soll konstruktiv und auf Augenhöhe mit der Bürgerschaft geschehen.
Museumsleiterin Dr. Uta Karrer stellte die Initiative jetzt mit Herbert Lindörfer und Bürgermeister Patrick Ruh vom Vorstand des Vereins für Volkskunst und Volkskunde Feuchtwangen vor. Im Zentrum steht eine Mitmachstation mit Ausstellungstisch, der den derzeitigen Aufarbeitungsstand zur NS-Geschichte des Fränkischen Museums und Feuchtwangens dokumentiert.
Auf mehreren Ebenen können Feuchtwangerinnen und Feuchtwanger so Teil des Aufarbeitungsprozesses werden, erklärt Karrer: Historische Quellen geben den Stand und die Grundlagen der gegenwärtigen Forschung wider. Analyseprozesse würden durch Anmerkungen der Forschenden im Fränkischen Museum nachvollziehbar, ist dessen Leiterin überzeugt.
Aber auch Interessierte könnten auf den in Folie eingeschweißten Dokumenten ihre Gedanken vermerken. Zudem steht ein Aufarbeitungsbuch zur Verfügung, in das handschriftlich Erinnerungen oder Kommentare geschrieben werden können. Erste Seiten sind bereits gefüllt. Wer sich lieber von zu Hause aus beteiligen möchte, kann auch eine E-Mail an karrer@fraenkisches-museum.de senden.
Lindörfer und Ruh sind gespannt, welche Impulse sich aus diesem Projekt ergeben. Bei diesem Vorhaben gehe es auch um die Erarbeitung eines inhaltlichen Konzepts, erläutern die beiden. „Wir wollen das Fränkische Museum zum 100. Jubiläum im Jahr 2026 zeitgemäß weiterentwickeln.“ Außerdem sind die Verantwortlichen überzeugt: „Die Aufarbeitung kann man den Menschen nicht einfach überstülpen.“
Vertreter des Museums haben sich zwischen 1926 und 1945 aktiv beteiligt an der Ausgrenzung und der Vertreibung ihrer jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie an der Aneignung jüdischen Eigentums. Feuchtwangen war überdies am 20. Dezember 1937 Schauplatz furchtbare antisemitischer Ausschreitungen. Menschen jüdischer Abstammung wurden physisch und verbal angegriffen, gedemütigt und aus der Stadt vertrieben.
Bereits in den 1980er Jahren und verstärkt seit 2015 setzt sich das Fränkische Museum kritisch und aktiv mit der schwierigen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinander, hieß es beim Pressegespräch. Am 10. November 1938 ließ der damalige Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP Karl Ludwig die Synagoge anzünden. Ein Teil des heutigen Fränkischen Museums Feuchtwangen steht auf den Grundmauern der einstigen Feuchtwanger Synagoge. Eine Gedenktafel am Museumsbau erinnert daran.
Das Museum steht im kontinuierlichen Austausch mit Nachfahren von vertriebenen Feuchtwanger Bürgern. Diese seien wichtige Partner im Aufarbeitungsprozess, stellt Karrer fest. Seit 2022 bereitet das Museum die Verlegung von Stolpersteinen in Feuchtwangen vor. Auch hier werde eng mit den Nachkommen zusammengearbeitet.
Die Museumsleiterin erinnert auch an die Sonderausstellungen zur jüdischen Kulturgeschichte und zur jüdischen Gemeinde in Feuchtwangen in den Jahren 2016 und 2021. Im kommenden Herbst sei eine weitere geplant – in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Franken zu jüdischen Glanzbildern.
Bis zu den Pandemiejahren von 2020 bis 2022 begrüßte das Fränkische Museum im Schnitt 5000 Besucherinnen und Besucher im Jahr. Mit seiner inhaltlichen Neukonzeption, aber auch mit familienfreundlichen Angeboten und als außerschulischer Lernort soll die Besucherzahl in den kommenden Jahren steigen.