In Dietenhofen kommt am Samstag der Nachlass des Grafikers und Sammlers Rudi Lösel und seiner Frau Grete unter den Hammer. Angeboten werden über 400 einzelne Posten, darunter antike Barockmöbel, Fayencen und Irdenware, Gemälde, Stiche und Lithographien.
Sahnestück der Auktion ist ein Holzschnitt mit einer Gesamtansicht Nürnbergs, der aus der Schedelschen Weltchronik von 1493 stammt. Aufrufpreis: 1500 Euro. Die Chronik wurde von Hartmann Schedel herausgegeben und ist eines der ersten gedruckten Bücher. Die Holzschnittvorlagen stammen von Albrecht Dürers Lehrern Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff, auch Dürer soll mitgewirkt haben.
Beachtenswert sind aber auch Aquarelle von Oskar Koller und Lithographien des fränkischen Malers, Zeichners und Illustrators Michael Mathias Prechtl. Lösel kannte Prechtl persönlich. Einige der Lithographien sind ihm gewidmet, wie zum Beispiel Prechtls „In meinem Garten Eden“ und „Nürnberger Tarockgarten“ (Aufrufpreis jeweils 800 Euro). Lösel selbst hat grafisch gearbeitet und detailgetreue Naturstudien hinterlassen, die ebenfalls erworben werden können.
Lösel lebte mit seiner Frau Grete im Dietenhofener Drosselweg und verstarb bereits 2011. Seine Frau folgte ihm Ende 2023. Um den Nachlass kümmert sich das Nürnberger Auktionshaus Bamberger. Peter und Michael Bamberger haben gemeinsam mit ihren Mitarbeitern in den vergangenen Wochen das große Anwesen der Verstorbenen vom Keller bis zum Dachboden nach Wertgegenständen durchkämmt, diese bewertet und katalogisiert sowie die Ausstellungsräume für Vorbesichtigung und Auktion vorbereitet. „Wir räumen auch ein wenig auf und entfernen private und persönliche Gegenstände wie Bankauszüge oder Liebesbriefe, denn die gehen schließlich niemanden was an“, sagt Peter Bamberger.
Den Auftrag erhielten sie von der Vertreterin der Hinterbliebenen, die in Norwegen lebt und sich nicht selbst kümmern kann und möchte. „Meist fehlt den Angehörigen auch das Fachwissen“, erläutert Juniorchef Michael Bamberger. Die Kunden seien größtenteils Händler und private Sammler aus der gesamten Region. Angesagt habe sich aber für Samstag auch ein Interessent aus Bremen, der sich die Grafiken anschauen möchte.
Peter Bamberger ist seit 56 Jahren in der Branche aktiv und von seinem Geschäft immer noch fasziniert. „Oft findet man etwas, mit dem man überhaupt nicht rechnet“, verrät er. Das Interesse an Altem und Seltenem habe allerdings in letzter Zeit etwas nachgelassen. „Wir leben mittlerweile leider in einer Wegwerfgesellschaft.“
Die Bambergers finden dies schade. Michael Bamberger hat eine kleine Schwäche für alte Massivholzmöbel, von denen auch der Löselsche Nachlass einiges zu bieten hat. „Der zweitürige Barockschrank aus dem Wohnzimmer beispielsweise ist circa 300 Jahre alt und wird in weiteren 300 Jahren noch genauso aussehen wie jetzt.“ Moderne Sperrholzmöbel seien dann schon längst hinüber und auf dem Müll.
Die Vorbesichtigungen finden am Donnerstag, 26. Juni, von 15 bis 17 Uhr und am Samstag, 28. Juni, von 10 bis 12 Uhr im Löselschen Anwesen im Drosselweg 1 statt. Die Auktion beginnt danach um 12 Uhr (Abholung und Nachverkauf am Montag, 30. Juni, 15 bis 17 Uhr).
Weitere Informationen unter www.auktionshaus-bamberger.de