Im Juli 2026 kann die Bahnstrecke Neustadt – (Bad) Windsheim ihr 150-jähriges Bestehen feiern. Umfassende Informationen, Anekdoten und spannendes rund um den Zugverkehr, Bahnhöfe und vieles mehr hat Dietrich Heber schon jetzt zusammengetragen.
Herausgekommen ist ein 180-seitiges Buch, dass „Die Aischtalbahn zwischen Neustadt an der Aisch – Bad Windsheim und Steinach/Ens“, so der Buchtitel, in vielen Facetten darstellt und in kurzweiligen Geschichten samt einer Vielzahl historischer und aktueller Fotos zeigt.
Dietrich Heber ist bekannt für akribische Spurensuche in Archiven, die dem Buch, seiner inzwischen 20. Publikation, zu Gute kommt. Mit dem kürzlich im Bad Windsheimer Brothaus vorgestellten Werk hat der Autor alle Nebenbahnen des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, in drei Bänden umfassend beleuchtet.
„Die hier beschriebene Zeitepoche, die Zeit der Eisenbahn, hat unsere Gesellschaft so nachhaltig geprägt, wie die nachfolgende Automobilität, beide liegen heute noch in der Konkurrenz. Die Voraussetzungen mussten erst Ingenieure liefern – für die Eisenbahn die Erfindung der Dampfmaschine von dem schottischen Ingenieur James Watt. Nur die allergrößten Anstrengungen konnten die große Aufgabe lösen. Die Bahnlinie wurde selbst mit der Erkenntnis, dass sie zunächst nicht rentabel gestaltet werden konnte, in Angriff genommen, weil man hoffte, dass diese Bahn enorme Vorteile für die Region bringen werde“, ist zu lesen.
Das Bildmaterial des in diesen Tagen erschienenen Buches vervollständigen Gleispläne, unter anderem das erste „Gleisbild der Station Windsheim“ vom 13. Juli 1886. Dabei kommen auch „Unterwegsbahnhöfe“ nicht zu kurz. Ansichten aus Bauplänen, beispielsweise Anbauten an den Bahnhof Neustadt zur Schaffung von Räumen für die Bahnhofsgastronomie und die Abwicklung des Güter-Stückgutes finden sich im Buch.
Der „Speisen- und Getränketarif der Bahnhofswirtschaft II. und II. Klasse Neustadt a/Aisch“ aus dem Jahr 1911 gibt einen spannenden Einblick in die Bahnhofsgastronomie jener Tage. Unter anderem werden „Cotelettes“ zu 60 Pfennig, „Goulasch“ für 70 oder gebratene Taube für 80 Pfennig angeboten. Limonade, „Thee“ und Kaffee sind für 20 Pfennig zu haben, das Glas Bier allerdings schon für 15 Pfennig. Die Gegenüberstellung einer Speisenkarte aus dem Jahr 1925 zeigt, dass sich die Preise kaum verändert haben, allerdings ist das Angebot deutlich verringert und Dienstpersonal kann etwas günstiger speisen.
Fans von Lokomotiven kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Ein aus dem Jahr 1941 erhalten gebliebenes Dokument zeigt, welche Maschinen Lokführer Christoph Müller in Bad Windsheim gefahren hat.
Mit seinem Buch zeigt Dietrich Heber, wie die Eisenbahn einen wesentlichen Anteil an den Strukturänderungen des oberen Aischgrundes, eines ländlich geprägten Raumes, hatte. Das Buch bietet einen historischen Abriss, geht von den Anfangsschwierigkeiten und dem Grunderwerb über Bahnhöfe und Haltestellen, Industriegleisen und Bahnhofsgaststätten bis hin zur Bahnpost zwischen den beiden Endbahnhöfen Neustadt und Steinach. Selbst Sonderfahrten, die von Bad Windsheim ausgingen und einen nicht geringen Anteil am Erhalt der Strecke hatten, sind Heber etliche Seiten wert.
Dass der Nebenbahn nicht wie so vielen anderen Strecken der Garaus gemacht wurde, ist nicht zuletzt der amerikanischen Kaserne in Illesheim zu verdanken. Über Jahrzehnte nutzte die US-Armee die Strecke für ihre Panzertransporte und die Versorgung mit Treibstoff, so Heber.
Das mit dem Buch präsentierte, abgerundete Bild der gesamten Strecke findet seine Ergänzung durch die reiche Illustration mit oft unveröffentlichtem Fotomaterial.
Das Buch ist beim Verfasser zu beziehen: Dietrich Heber, Lindenstraße 17, Dachsbach oder per Mail unter heber.dachsbach@web.de