Die Eröffnung der Badesaison am Sulzachstrand in Oberkemmathen hat am Samstag wieder eine dreistellige Zuschauerzahl angezogen. Dicht gedrängt verfolgten die Neugierigen das nasse Spektakel. 18 unerschrockene Frauen und Männer haben den Sprung ins drei Grad kalte Wasser gewagt.
Am weitesten angereist in den Ortsteil von Langfurth (Landkreis Ansbach) war Verkaufsfahrer Rainer Krenn aus dem oberpfälzischen Parsberg. Für die Gemeinde riskierte auch Bürgermeister Simon Schäffler das eiskalte Vergnügen. Die Lokalmatadoren Daniel und Jenny Kolb hatten gar ihren Auslandsurlaub so minuziös geplant, dass sie gerade rechtzeitig zum Spektakel zurück in der Heimat waren.
Bei fünf Grad Lufttemperatur fröstelte selbst das dick eingepackte Publikum, das auf dem Steg und am Ufer zwischen Bewunderung und gefühlter Unterkühlung schwankte. Keiner der Teilnehmenden schützte sich mit einem Neoprenanzug, zu Badehose und Bikini gesellten sich lediglich ein paar Mützen und Hüte sowie ein Faschingskostüm, die aus dem trüben Wasser der an dieser Stelle nur wenig über einen Meter tiefen Sulzach herausragten. Die ganz Unentwegten unter den Wagemutigen absolvierten nach einer kurzen äußerlichen und innerlichen Aufwärmphase sogar einen zweiten Durchgang.
Das mit der elften Auflage mittlerweile schon als Traditionsveranstaltung geltende „bibbernde Baden“ in Oberkemmathen hat einen realen Hintergrund. Erinnert werden soll damit an den Neubau einer einsturzgefährdeten Holzbrücke über die Sulzach. Karl Kolb, Martin Schäff und Gerd Riedel wollten deshalb 2014 einen stabilen und öffentlich nutzbaren Steg errichten.
Da die abgefaulten Holzpfosten der alten Überquerungshilfe von Hand nicht herausgezogen werden konnten, mussten sie mit dem Traktor entfernt werden. Dazu war es aber erforderlich, am Grund des Flusses ein Seil an den Holzpflöcken zu befestigen.
Während die Erwachsenen noch weitere Lösungsmöglichkeiten diskutierten, tauchten die damaligen Jugendlichen Daniel Kolb und Manuel Byrdus in die trüben Fluten und befestigten das Zugseil an den Pfosten auf dem Grund des Flussbetts. Der Rest war Formsache und der Neubau der Sulzachüberquerung ging rasch vonstatten. Seitdem können die Oberkemmathener Einwohner gefahrlos vom „Karlsplatz“ – benannt nach dem Besitzer - auf die andere Seite gelangen.
Der Erlös der bis Ende März fortgesetzten Spendenaktion ist von den Verantwortlichen für den Wünschewagen Franken-Oberpfalz bestimmt worden, wie von Nina Kolb zu erfahren war. Ein Team des Projekts, mit dem Schwerkranken letzte Wünsche erfüllt werden, war vor Ort und wagte ebenfalls den Sprung ins eiskalte Wasser.
Als Sprecher der veranstaltenden Oberkemmathener Dorfgemeinschaft hatte Ulrich Barth die Gäste, darunter auch Nichtschwimmer, begrüßt. Sein Dank galt der Cheforganisatorin Nina Kolb, dem „Festwirt“ Karl Kolb, den Maltesern um Axel Brand und allen Freiwilligen, die für Verpflegung sorgten. Besonders erwähnte Barth die 500-Euro-Spende der Theatergruppe Langfurth, ehe er mit dem Wunsch nach einer „angenehmen Gänsehaut“ an den warmen Grillstand wechselte.
Spenden können unter anderem auf das Konto der FFW Oberkemmathen-Stöckau DE22765910000008214409 mit dem Verwendungszweck „SSO 2025“ überwiesen werden.