„Eine Einrichtung von überregionaler Bedeutung“, „äußerst selten und deshalb besonders schützenswert“: So steht es in dem mittlerweile zwölf Jahre alten Gutachten des Bayerischen Landesverbandes für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung. Es geht um die Obermühle in Bettenfeld.
Für ihren Besitzer Alexander Lang ist sie weit mehr als das. Sie ist der Ort, an dem er seit zwölf Jahren fast jede freie Minute verbringt. Wo er bald vorführen möchte, wie im 18. und 19. Jahrhundert Getreide zu Mehl verarbeitet wurde. Sie ist das Erbe seines Vaters, in dem er gemeinsam mit seiner Familie werkelt und restauriert. Und manchmal auch der Verzweiflung nahe ist.
„Hätte ich vorher gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht“, sagt er. Und alleine „hätte ich eh keine Chance“. Glücklicherweise ist er nicht alleine. Sein Halbbruder Alexander Schubert hilft fast jedes Wochenende. Und auch sein Onkel fährt oft das kleine Sträßchen von Bettenfeld den Wald hinunter, um mit Hand anzulegen.
40.000 Euro kostet alleine das Wasserrad.
Jetzt gibt es auch Unterstützung finanzieller Art: Das Projekt „Inwertsetzung und Reaktivierung der Obermühle in Bettenfeld“ erhält rund 125.000 Euro Fördermittel aus dem europäischen Leader-Programm. Der Steuerkreis der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Region an der Romantischen Straße hat diese Förderung einstimmig beschlossen. „Die altdeutsche Mahltechnik kann hier in einer authentischen Umgebung mit dem Wasserrad erhalten und der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden“, heißt es in der Begründung. Eine Konstellation, die sonst fast nur noch in Freilandmuseen bestaunt werden könne.
Mit Hilfe der Fördermittel will Alexander Lang das Mühlrad, den Mahlraum und die Mahltechnik funktionstechnisch restaurieren. „40.000 Euro kostet alleine das Wasserrad“, erklärt er. Damit es wieder laufen kann, muss außerdem der Mühlengraben ausgeputzt und ausgebaggert werden.
Bis Ende 2025 soll die Obermühle als Schaumühle hergerichtet und für die Öffentlichkeit zugänglich sein, sagt Lang und schickt direkt eine Einschränkung hinterher: „Wenn keine Überraschungen mehr kommen.“ Denn davon gab es schon einige. Die Decke im Haupthaus zum Beispiel war verfault und musste erneuert werden.
Und auch die Dachsanierung der Scheune war aufwendig: Aus Denkmalschutzgründen mussten die alten Ziegel abgedeckt und wiederverwendet werden. „Die sind handgeformt und nicht gleichmäßig, das war wie ein Puzzle“, sagen Lang und Schubert. „Das war mühsam, aber es hat sich gelohnt.“ Für solche großen Arbeiten reiche das Wochenende nicht mehr aus. „Dafür haben wir uns Urlaub genommen“, meinen die beiden schmunzelnd.
„Handwerklich bin ich eigentlich gar nicht so begabt“, sagt Alexander Lang über sich selbst. Eigentlich arbeitet er als Kalkulator bei einem Ansbacher Unternehmen. Ein Schreibtischjob. Und dennoch hat er fast alles an der Mühle selbst gemacht. „Die anderen beiden haben das nötige Wissen.“ Meistens reisen die drei freitags an, verschaffen sich einen Überblick, was sie in Angriff nehmen wollen. „Es gibt stressige Wochenenden. Aber manchmal packen wir auch den Klappstuhl aus und machen es uns gemütlich.“
Allerdings selten lange. Deshalb ist die Sanierung schon weit fortgeschritten. Bis auf die Bäder ist das Haupthaus bewohnbar. Und auch die Mühlenausstattung selbst ist weitgehend wieder in Schuss: „Die Mahlgänge sind schon restauriert, es wurde Technik ergänzt, damit sie wieder funktionsfähig sind“, erklärt Alexander Lang.
Dabei hat ihm ein Experte geholfen: der Restaurator Karl Neumeyer, der auch für das Freilandmuseum Bad Windsheim tätig ist. Lang möchte möglichst viel von der alten Substanz erhalten. Er ist dabei oft strenger als die gesetzlichen Denkmalschutzregeln. „Sonst hätten wir vieles nicht mehr“, sagt sein Bruder. „Ich bin froh, dass er so viel Wert darauf legt.“ Immer wieder kommen wahre Schätze zu Tage: Der eine Mahlgang zum Beispiel – die Mühle besitzt zwei davon – stammt aus dem Jahr 1746. Bei der Sanierung kamen Malereien zum Vorschein.
„Das ist deutschlandweit einzigartig“, schwärmt Lang. Erbaut wurde das heutige Mühlengebäude im Jahr 1820. 1938 kam die Familie Lang durch Einheiraten in die Mühle und betrieb diese bis 1996. Zuletzt hat sein Vater Futterschrot für die Tiere seines landwirtschaftlichen Betriebes gemahlen. „Der letzte echte Müller war mein Urgroßvater“, erzählt Lang. Er selbst hat sich bereits einiges an Fachwissen angeeignet.
Wir machen Stück für Stück weiter.
Um die altdeutsche Mühle dann vorführen zu können, will er das aber noch weiter vertiefen: Damit er dann in der Obermühle Touristen, Wandergruppen und Schulkassen zeigen kann, wie das Wasserrad über ein Kammradgetriebe den Mahlgang antreibt und wie über den Beutelkasten Getreide nach uralter Art zu Mehl, Gries und Kleie vermahlen wird. Nicht umsonst zählt das historische Müllerwesen zum immateriellen Kulturerbe.
Bis dahin liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor Alexander Lang und seinen beiden Helfern. Aber die bleiben gelassen: „Wir machen Stück für Stück weiter. Bis wir fertig sind.“