Das schwarze Wählscheibentelefon in der Ecke ist nicht nur zum Anschauen gedacht. Es hat auch eine Funktion. Wer den Hörer abnimmt, hört den früheren Stadtbaumeister Michael Severini sprechen. Die Station ist eines der Detailelemente, mit denen der neue Ausstellungsbereich im Rothenburg-Museum ausgestattet wurde.
In den vor einigen Wochen eingeweihten Themenräumen zum „Rothenburger Weg“ wird der von der Bürgerschaft und den Stadtverantwortlichen gewählte Umgang mit dem historischen Bauerbe nachgezeichnet. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Darstellung der Zerstörung des östlichen Teils der Altstadt bei einem Bombenangriff Ende März 1945 und der gemäß spezieller Kriterien erfolgte Wiederaufbau.
Mit diesem hatten viele Jahre die Verantwortlichen in der Bauverwaltung zu tun, darunter auch Michael Severini, der 1964 in dieser Abteilung begann und von 1973 bis 1999 als Stadtbaumeister wirkte. Kunsthistorikerin Edith von Weitzel-Mudersbach, die die Schau federführend konzipierte, hatte die Idee, den heute 88-Jährigen zu seinen damaligen Erfahrungen zu interviewen. Das Gespräch wurde aufgezeichnet und als interaktives Element in die Ausstellung eingebunden.
Zur Ausstattung der Bauamtsstation gehören Planunterlagen und auch ein Besprechungstisch, an den sich Severini gut erinnern konnte, als er sich mit seiner Frau Gisela in den Räumen umschaute. Severini, der nach seiner Pensionierung 1999 die baulichen Entwicklungen in der Altstadt noch acht Jahre als ehrenamtlicher Stadtheimatpfleger weiterbegleitete, zeigte sich angetan von der Umsetzung des großen Themas „Rothenburger Weg“ im Museum.
Zu den Details des neuen Ausstellungsbereichs gehört auch eine Vitrine mit Konservendosen aus der Nachkriegszeit. Es handelt sich um Bestandteile von Care-Paketen. Zur Verfügung gestellt wurden diese Exponate von Edmund Reinhard aus der Gemeinde Wüstenrot im Landkreis Heilbronn.
Die Stücke aus dem Besitz seiner Familie haben zwar nicht direkt etwas mit Rothenburg zu tun. Solche Pakete landeten aber auch dort und waren für die Versorgung der Leute in den Monaten nach Kriegsende äußerst wichtig.
Die Dauerausstellung kann täglich von 10 bis 18 Uhr besucht werden.