Alle zehn Jahre mit der Zahlenendung „4“ wird auf dem Hochplateau zwischen den Dörfern Herbolzheim, Humprechtsau, Krautostheim und Rüdisbronn ein 274 Hektar großes Stück Land mit 213 Rechten verlost. Am Freitag, 20. September, ist es im Jahr 2024 wieder so weit. Zwei Tage Fest folgen am Samstag und am Sonntag.
„Dieses Mal wird das Fest so groß wie nie zuvor“, sagt Carina Thal, seit Juli 2021 Vorsitzende des Vereins zur Osingdokumentation. Sie lud zum Termin am bereits renovierten Osinghaus an der Straße zwischen Krautostheim und Humprechtsau.
Carina Thal repräsentierte vor zehn Jahren selbst „Kaiserin Kunigunde“, die sich der Sage nach im 11. Jahrhundert auf ihrem Weg von Hohenkottenheim nach Bad Windsheim im Wald verirrt hatte. Glockengeläut brachte sie schließlich wieder auf den richtigen Weg.
Zum Dank schenkte sie den vier Dörfern besagtes Land – Freimarkung Osing genannt, weil das Land niemanden für immer gehört, sondern eben nur auf Zeit; zehn Jahre. Osing ist ein altes Wort für Rodung.
Dieses wird heute noch unter den Landwirten nach strenger Vorgabe mit Würfelwurf verlost. Der Unterschied im Jahr 2024: „Es ist das erste Mal, dass wir das Fest unter dem Status immaterielles Kulturerbe begehen“, betont Thal. Denn dieses Prädikat zeichnet die europaweit einzigartige Landvergabe aus. „Die kann uns jetzt keiner mehr nehmen“, fügte sie hinzu. Seit 2016 ist die Osingverlosung – sie ist seit etwa 500 Jahren in einer Urkunde belegt – im Deutschen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen. An der Spitze der Osingverlosung steht Obmann Günther Rabenstein, für die Festlichkeiten legt sich Carina Thal ins Zeug – die drei Tage wollen sie gemeinsam veranstaltet wissen.
Herzstück ist der Mittelaltermarkt mit über 20 Ständen an allen drei Tagen, der in die Zeit von Kunigunde versetzen soll. Vier Lagergruppen werden dort übernachten – Thal geht von hundert Leuten aus. Auch ein Osingbier wird extra gebraut und extra Glaskrüge dazu hergestellt. Täglich dürften bis zu tausend Menschen auf den Osing kommen – alleine aus den Ortschaften seien es schon Hunderte.
Thals Aufgabe ist es, die Geschichte des Osings in die Öffentlichkeit zu bringen, nicht zuletzt durch das Osing-Museum in Herbolzheim. Eine Botschafterin ist dabei auch „Kaiserin Kunigunde“, die seit sechs Jahren von Tatjana Feindert verkörpert wird – voller Stolz, den jahrhundertealten Brauch weitergeben zu dürfen. Ihre Zeit als Kaiserin endet mit dem diesjährigen Osingfest.
Beide Frauen sind voller Begeisterung für den uralten Brauch und leben ihn in vollen Zügen aus. „Mein erstes Referat in der Schule ging über den Osing“, informierte Carina Thal. Der Fakt, dass ein Bauer einmal einen guten und dann einmal einen weniger guten Boden habe, sei gerecht. Von ihrem Großvater weiß sie, dass alle möglichen Böden auf dem Hochplateau zu finden sind. Der Osing verbinde – zur bestmöglichen Feldbestellung fragen die jüngeren die älteren Landwirte – und die Landwirte aus den vier Orten fragen sich gegenseitig. „Natürlich ist es blöd, wenn man einen guten Acker nach zehn Jahren wieder hergeben muss“, so Thal. Aber das ist eben der Brauch.
Bei dem Fest denke man auch an Rügerrieth. Der Ort bei Willanzheim-Mainbernheim wurde schon im Mittelalter aufgegeben – vielleicht wäre das nicht passiert, wenn es dort auch so eine Landverlosung gegeben hätte, mutmaßt Thal. Mit den Menschen aus dieser Umgebung sei man verbunden: Am Tag der Verlosung kommt eine mobile Glocke, die die Menschen dort haben, zum Einsatz. Denn die Sage um eine verirrte Frau, die durch Glockenklänge auf den richtigen Weg gebracht wurde und ebenfalls zum Dank Land schenkte, gibt es auch dort.
Früh um 7.50 Uhr wird am Freitag, 20. September, die Kaiserin Kunigunde ins Zelt am Osinghaus einziehen und die Verlosungsbedingungen an Obmann Günther Rabenstein überreichen. Um 8.30 Uhr ziehen die Osingrechtler dann dorfweise zu den Feldstücken. Ehrengäste sprechen ab 13 Uhr. Gegen 17 Uhr ist Ende der Verlosung. Am Samstag, 21. September, findet ab 12 Uhr die Verlosung von Sachpreisen statt. Abends ab 19.30 Uhr haben sich die Weinhoheiten der Mittelfränkischen Bocksbeutelstraße und aus dem Weinparadies Franken angesagt. Ab 20 Uhr gibt es Party-Rock und Blasmusik mit der Gruppe „Die Hopferstädter“ – bis nach Mitternacht. In den Sonntag, 22. September, wird um 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst gestartet. Diesen begleitet ab 11.30 Uhr der Musikverein Krautostheim – dem Osingdorf, aus dem die nächste Kaiserin Kunigunde kommt. Der Bauerntag unter der Leitung von Kreisobmann Jürgen Dierauff schließt sich von 14 bis 16 Uhr mit dem Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, an. Um 16.30 Uhr heißt der Punkt „Osing-Bierverkostung mit der Bierkönigin“, bevor die Blaskapelle Krassolzheim ab 17 Uhr aufspielt. Um 22 Uhr soll Ende sein. Der Mittelaltermarkt öffnet am Freitag um 11 Uhr und schließt um 19 Uhr. Am Samstag findet er von 12 bis 21 Uhr statt, am Sonntag von 11.30 bis 19 Uhr. Die Mittelalterband Maulfaul spielt am Samstag und am Sonntag. An allen drei Tagen sind mittags warme Küche und anschließend Kaffee und Kuchen geboten.