Jetzt ist es amtlich: Die Müllgebühren werden im Landkreis Ansbach zum Jahreswechsel stark ansteigen. Mit 35 gegen 22 Stimmen sprachen sich die Kreisräte im Kreistag für das Modell A aus, bei dem die jährliche Gebühr für eine 60-Liter-Restmülltonne um 54 Prozent steigt.
Zuvor hatte sich gezeigt, dass die Kalkulation der Müllgebühren für den Zeitraum von 2024 bis 2027 nicht hinhaut. Die Kosten liegen viel höher als berechnet. Also entschied man sich dafür, den Zeitraum abzubrechen und eine neue Berechnung für die Jahre 2026 bis 2029 durchzuführen.
Hätte man dies nicht getan, wäre ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Weil die Müllabfuhr kostendeckend betrieben werden muss, hätte diese Riesensumme im nächsten Zeitraum zurückgezahlt werden müssen, was dann zu einem noch drastischeren Gebührenanstieg geführt hätte.
Die Verwaltung hatte auch eine Variante B auf den Tisch gelegt, bei der die prozentuale Steigerung nominell geringer ausgefallen wäre. Allerdings wäre der Effekt eher eine Frage der Optik gewesen, denn in der Summe müssen die Bürger das Finanzloch so oder so komplett stopfen. Letztlich meinte die Mehrheit, die Variante A biete höhere Anreize zur Einsparung von Müll und zur genauen Trennung der Abfälle. Diese Variante hatte auch der Kreisausschuss mehrheitlich empfohlen.
Nach wie vor können Bürger beim Müll sparen, wenn sie Leerungen ausfallen lassen. Bis zu 14 Mal im Jahr ist das möglich. Die Gegner der jetzt beschlossenen Lösung befürchten allerdings, dass angesichts der hohen Rückerstattungen beim Verzicht auf Leerungen noch mehr Abfall in der Natur oder in öffentlichen Mülleimern landet.
Die Kreisräte wollen sich nun Gedanken machen, wie der Kostenanstieg künftig gedämpft werden kann. Martin Stümpfig (Grüne) schlug vor, die Mülltonnen nur alle vier Wochen statt wie bisher alle zwei Wochen zu leeren. Wenn der Müll ordentlich getrennt werde, werde trotz des großen Abstands nichts in den Tonnen gären. Für problematischen Abfall wie Windeln könne man ja gesonderte Abgabemöglichkeiten schaffen. Weniger Fahrten der Müllfahrzeuge seien darüber hinaus ein Beitrag zum Klimaschutz. Isabella Hirsch (Grüne) ergänzte, langfristig werde man nur Kosten sparen können, wenn die Bevölkerung weniger und sortenreinen Müll produziert. Gegen illegale Müllablagerungen helfen ihrer Meinung nach nicht niedrige Gebühren, sondern eine konsequente Verfolgung und hohe Strafen.
Stefan Horndasch (CSU) sprach sich dafür aus, bei einem im Ganzen durchdachten System zu bleiben. Bei großer Hitze sei ein Abholturnus von vier Wochen ungeeignet. Hinsichtlich einer Bringmöglichkeit für Windeln müssten die Wertstoffhöhe entsprechend eingerichtet werden. Es sei wichtig, den Bürgern zu erklären, dass der Landkreis am Müll nichts verdiene, sondern das verlangen müsse, was er ausgebe.
Eine reduzierte Müllmenge würde auch die CO₂-Belastung senken, argumentierte Jürgen Schilling (ÖDP). Man solle weniger auf den prozentualen Anstieg schauen, sondern auf die absoluten Zahlen. Der Anstiege liege bei zehn bis 20 Euro im Monat. Dafür bekomme man ein „relativ gutes Angebot”.
Friedrich Herz (Freie Wähler) bedauerte es, dass vor ein paar Jahren die Müllgebühren gesenkt wurden. Es hätte seiner Ansicht nach schon klar sein müssen, dass die Kosten steigen werden. Von einer Wahl zwischen „Pest und Cholera” sprach Peter Schlegel (Linke). Die Gebührenanhebung werde vielen Menschen im Landkreis weh tun, „weil alles teurer wird”.
Wolfgang Seidel (SPD) hält die Debatte für „teilweise verlogen”. Der Müll sei da und müsse entsorgt werden. Die für Kleinigkeiten gedachten öffentlichen Mülleimer würden überquellen. Nicht jede Kommune könne sich eine Müllpolizei leisten. Er empfahl, weniger über Rückvergütungen als über Müllvermeidung zu reden.