Beerbach liegt idyllisch, umgeben von Wald und Wiesen. Das Dorf zählt 220 Einwohner. Bald könnte es weltweit bekannt werden, denn ein Location-Scout – also jemand, der für Filme passende Schauplätze sucht und bestenfalls auch findet – ist auf den Dietersheimer Ortsteil aufmerksam geworden. Jetzt muss nur noch ein Problem gelöst werden.
Es war der vorletzte Punkt auf der Tagesordnung der jüngsten öffentlichen Sitzung des Gemeinderats Dietersheim: „Anfrage für eine Straßensperrung im Ortsteil Beerbach für einen Kinofilmdreh”. Wer die Berichterstattung an diesem Tag aufmerksam verfolgt hatte, dem dürfte schnell klar gewesen sein, um welchen Kinofilm es sich in diesem Fall aller Wahrscheinlichkeit nach handelt.
Denn landauf, landab war die Meldung verbreitet worden, dass eine Filmfirma für einen Hollywood-Blockbuster rund 5000 Komparsen sucht. Und dass der Hollywood-Regisseur Paul Greengrass („Flug 93”, „Captain Philips”, „Jason Bourne”) seinen Historienfilm „The Rage” voraussichtlich ab September in Bad Windsheim drehen will, außerdem auf der Festung Lichtenau, in Nürnberg, München sowie in einem modernen Studio in Penzing (Landkreis Landsberg am Lech).
Und eben auch in Beerbach. Das war allerdings bis dato streng geheim gehalten worden. Wie nun in der Sitzung des Gemeinderates bekannt wurde, hatte ein Location-Scout eine entsprechende Anfrage an die Dietersheimer Verwaltung gestellt. „Für den Dreh würde ein Abschnitt der Neustädter Straße in Beerbach in Betracht kommen. Der Filmdreh dort soll an drei bis vier Tagen Ende Oktober stattfinden”, erklärte Bürgermeister Jürgen Meyer. Das Team würde die asphaltierte Straße unter einer dicken Schicht mit Erde verschwinden lassen, „damit diese zum Filmset passt”. Anschließend würde die Straße wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden.
Für das Vorhaben müsste laut Meyer allerdings eine Vollsperrung eingerichtet werden. Und nun wird es kompliziert: Denn bereits ab September ist die Dietersheimer Straße innerorts in Beerbach wegen der Sanierung der Wasserleitung ebenfalls voll gesperrt. Der Schulbus wird dann über die Ringwege und über die Neustädter Straße umgeleitet.
Seitens der Dietersheimer Verwaltung hatte man bereits die zuständige Baufirma kontaktiert und das Anliegen des Location-Scouts diskutiert. Dabei kristallisierte sich schnell ein Problem heraus: Denn Ende Oktober seien noch Arbeiten im Straßenraum geplant, und der Schulbus kann die Dietersheimer Straße während dieser Zeit noch nicht wieder befahren.
Und auch mit dem zuständigen Busunternehmen hatte die Verwaltung sich in Verbindung gesetzt. Von dort hieß es, „dass ohne die Umleitungsstrecke über die Neustädter Straße in Richtung der Kreisstraße der Schulbusverkehr nicht möglich sei”. Die Verwaltung empfahl nun, dem Location-Scout entsprechende Alternativen vorzuschlagen, beispielsweise den Feldweg entlang der Pumpstation in Beerbach.
Den Termin des Filmdrehs einfach in die bayerischen Herbstferien Anfang November zu verlegen, sei indes nicht möglich, hieß es seitens der Verwaltung auf eine Nachfrage aus dem Ratsgremium. Das sei der Filmfirma bereits vorgeschlagen, aber abgelehnt worden. Die Termine für die Produktion seien eng getaktet, habe es geheißen. Es gebe keinen zeitlichen Spielraum.
Harald Ell, Dietersheimer Gemeinderat aus dem Ortsteil Beerbach, warf den Zusammenhalt der Beerbacher Einwohner in die Waagschale. Er zeigte sich überzeugt davon, gemeinsam mit den Eltern für die drei bis vier Tage der Sperrung eine Lösung für den Transport der Schüler zu finden. Der Gemeinderat einigte sich letztlich darauf, mit dem Location-Scout noch einmal in Verhandlungen treten zu wollen. Denn grundsätzlich möchte man den Filmdreh auf jeden Fall ermöglichen.
Außerdem wurde im Protokoll festgehalten, dass die Beerbacher Ratsmitglieder sich gemeinsam mit den betroffenen Schülereltern überlegen wollen, wie man das Problem mit den Schulbussen möglicherweise lösen könnte. Denn die Chance, Beerbach in einem Hollywood-Film zu sehen, habe man schließlich nicht alle Tage. Vielleicht werde ja sogar eine Schlüsselszene in dem Ortsteil gedreht, wurde gemutmaßt.
Komparsen für das Mittelalter-Epos „The Rage” mit den hochkarätigen Hollywood-Stars Andrew Garfield („Spider Man: No Way Home”) und Thomasin McKenzie („The King”, „Old”) werden übrigens immer noch gesucht – verschiedene Charaktere und Typen: Bauern, Mönche, Rebellinnen, Marktfrauen, Soldaten, Bettler und Hofvolk. Wer über besondere Fähigkeiten verfügt und beispielsweise reiten, schwimmen oder gut mit Tieren umgehen kann, ist ebenfalls gern gesehen. Der Film soll 2026 in die Kinos kommen und handelt vom Bauernaufstand 1381 in England. Bewerben kann man sich als Komparse über die Internetplattform www.p-f.tv/kino