Es war der bislang heikelste Termin in der jungen Amtszeit von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): sein Antrittsbesuch bei Donald Trump. Dass der US-Präsident Merz dabei nicht vor laufenden Kameras abwatschte, kann schon als Erfolg gewertet werden. Immerhin ist Deutschland eines der liebsten Ziele von Trumps berüchtigten Schimpftiraden. Durchbrüche in Sachen Ukrainekrieg oder Handelskonflikt gab es nicht. Dafür aber eine Aussage von Trump, die auch in Westmittelfranken für Aufmerksamkeit sorgen dürfte.
Während Merz und Trump im protzig güldenen Oval Office ihr Aufeinandertreffen zelebrierten, warf eine Journalistin dem US-Präsidenten die Frage zu, ob er beabsichtige, die US-Truppen in Deutschland zu belassen. Sie sprach damit ein immer wieder diskutiertes Szenario an, wonach Trump einen Teil oder gar das gesamte in Deutschland stationierte US-Militär abziehen würde. 2022 standen nach Angaben des Bundestags 38.000 amerikanische Soldaten in Deutschland.
Deren Abzug hatte Trump schon in seiner ersten Amtszeit angedroht. „Wir werden die Anzahl auf 25.000 Soldaten verringern”, sagte er vor fünf Jahren, weil er sich über die vergleichsweise niedrigen Verteidigungsausgaben der Bundesrepublik ärgerte. Entsprechende Anordnungen gingen heraus und schreckten die Kommunen rund um die Stützpunkte auf. Auch US-Vize J.D. Vance hatte dieses Jahr auf die hohen Truppenkontingente in Deutschland aufmerksam gemacht, verbunden mit verklausulierten Abzugsdrohungen.
Im Ansbacher Stadtrat wurde erst kürzlich ein Antrag behandelt, sich stadtplanerisch auf den Abzug von US-Truppen vorzubereiten. Parallel plant die US Army, ihren Standort in Ansbach mit Hunderten Millionen Euro zu modernisieren. Manche Truppenangehörige sehen die Hubschrauber-Stützpunkte in Katterbach und Illesheim gar als „Kronjuwel” der Amerikaner in Deutschland.
Es sind hochbezahlte Truppen und sie geben viel Geld in Deutschland aus.”
Und damit zurück ins Oval Office: Mit Juwelen und Millionen kennt sich Trump immerhin aus. Bleiben die US-Truppen in Deutschland? „Die Antwort ist ja”, sagt Trump. „Wir haben darüber gesprochen. Aber wenn sie sie dort haben wollen...”, schiebt er noch hinterher. „Wir haben viele davon. 45.000, das sind viele Soldaten.” Und verweist auf das, was dem Business Man Trump besonders wichtig sein dürfte: „Das ist eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Es sind hochbezahlte Streitkräfte und sie geben viel Geld in Deutschland aus.” Kein Wort von einer möglichen Verringerung der Präsenz.
Das dürfte auch weitere Ruhe in die Debatte um Truppenkontingente in Westmittelfranken bringen. Deren Abzug hatten zuletzt auch Experten für eher unwahrscheinlich gehalten. Der durch den Ausbau in Ansbach mögliche Wachstumskurs der US-Armee bedeute „mehr wirtschaftliche Vorteile für die umliegenden Gemeinden und viele weitere Möglichkeiten für Partnerschaften“, hieß es schon vor gut einem Jahr aus der Garnison.
Übrigens: Am Rande des Treffens zwischen Merz und Trump kam es noch zu einem weiteren Ereignis mit indirektem Bezug zu Westmittelfranken: Die beiden Regierungschefs tauschten im Oval Office munter Geschenke aus. Dabei schenkte der US-Präsident seinem Amtskollegen eine Kopie des Patents auf die „Flying Machine” der Gebrüder Wright, wie die dpa berichtet.
Eine freundliche Aufmerksamkeit für den Hobby-Piloten Friedrich Merz? Oder ein spitzbübischer Verweis auf den wohl ältesten Streit der Luftfahrtgeschichte um den ersten Motorflug der Welt? Um diesen Titel konkurrieren die Wright-Brüder mit einem Deutschen: Gustav Weißkopf aus Leutershausen. Ein Nachbau seines Motorseglers, mit dem er angeblich den Wrights zweieinhalb Jahre zuvorkam, hängt im hiesigen Gustav-Weißkopf-Museum. Die von den Amerikanern – und nun auch Trump – stolz propagierte Darstellung gibt jedenfalls den Gebrüdern Wright recht. Oder in anderen Worten: America first.