Einen Hilfeschrei haben die Kammerspiele an Rockmusiker Udo Lindenberg entsandt. Weil der Vorverkauf für das Clueso-Konzert im Rahmen der Ansbach Open etwas schleppend läuft, lud Wolfgang Bartusch Lindenberg per Brief zum Kurzauftritt am Samstag, 20. Juli, ein. Seitdem wartet das Team täglich sehnsüchtig auf den Postboten.
Udo Lindenberg, der in den 1970er Jahren seinen Durchbruch mit deutschsprachiger Rockmusik feierte, nahm seinen Erfolgs-Song „Cello“ 2011 im Duett mit Clueso neu auf – die Idee ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen. „Wir haben festgestellt, dass der Udo an dem Samstag frei hat“, erzählt Bartusch. Und fragen kostet schließlich nichts. Den Brief verfasste er handschriftlich. „Das ist persönlicher als eine Mail zu schreiben“, so die Begründung.
„Der größte Hilfeschrei, den ich in der Musikszene kenne, stammt von John Lennon“, verewigt in dem Beatles-Song „Help“, meint Bartusch. Auch sein Brief sei als Hilfeschrei zu verstehen. Darin fragt er Udo Lindenberg, ob dieser sich vorstellen kann, bei einem Kurzauftritt gemeinsam mit Clueso „Cello“ zu singen. Es wäre eine unbeschreiblich große Ehre, wenn er nach Ansbach käme, findet Bartusch.
Was schreibt man einem so berühmten Musiker? Der Brief sei sehr persönlich gewesen, sagt Bartusch. Allzu viel will er nicht verraten. „Ich habe ihn geduzt. Wir sind fast im gleichen Alter und beide Fußballfans.“ Er habe vom ehrenamtlichen Engagement, das hinter den Kammerspielen steckt, berichtet und geschildert, dass dem Verein ein hoher finanzieller Schaden droht.
Für Clueso, der nun einen Olympia-Song veröffentlicht hat und in Paris auftreten wird, wurden bislang etwa 1500 Tickets verkauft, verfügbar sind rund 4000. Warum das Konzert nicht besser nachgefragt wird, ist den Organisatoren ein Rätsel. „Seine Tour ist so gut wie ausverkauft.“
Ein Grund könnte der zeitliche Nachteil beim Vorverkauf sein, denn der Hauptact am Samstag stand erst spät fest. Darüber hinaus richten die Kammerspiele das Festival zum ersten Mal aus, und das an einem neuen Standort, dem Campus der Hochschule. Eine Machbarkeitsstudie und ein Sicherheitskonzept mussten erstellt, diverse Auflagen erfüllt werden – das alles kostete Zeit.
Dafür biete der Campus aber einen viel intimeren Rahmen als die meisten anderen Konzertstätten, ist Bartusch überzeugt. „Bei uns sind die Fans am nächsten dran.“ Julia Kolski (Kammerspiele) lobt die Zusammenarbeit mit der Hochschule. „Die setzen alles daran, dass das ein cooles Festival wird.“
Das Doppelkonzert der Popsängerinnen Lena Meyer-Landrut und Leony am Sonntag, 21. Juli, ist aktuell nicht in Gefahr, versichert Anna Schuster (Kammerspiele). Meyer-Landrut hatte zuletzt mehrere Konzerte krankheitsbedingt abgesagt. Ihr Management habe den Auftritt in Ansbach aber bestätigt, hieß es.
Lena hat 2010 den Eurovision Song Contest mit dem Titel „Satellite“ gewonnen, Leony singt einen Part im offiziellen Song zur Fußball-Europameisterschaft „Fire“. Bislang wurden um die 2500 Karten verkauft. Tickets für Kurzentschlossene gibt es auch an der Abendkasse.
Gute Nachrichten haben die Organisatoren für Fans von Kabarettistin Martina Schwarzmann. Zwar sind die Sitzplätze für ihren Auftritt am Freitag, 19. Juli, längst vergriffen – nun dürfen aber noch zusätzlich rund 100 Stehplatztickets verkauft werden. Verfügbar sind diese ab kommendem Montag, 8. Juli, 9 Uhr, bei den Kammerspielen.
Auch wenn Udo Lindenbergs Antwort auf sich warten lässt – Wolfgang Bartusch hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Es ist schon mal passiert, dass er wohin gekommen ist, ohne dass man vorher gewusst hat, dass er kommt.“