Hilfe für Angehörige von Suchtkranken in Bad Windsheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.10.2024 18:17

Hilfe für Angehörige von Suchtkranken in Bad Windsheim

Yvonne Munro stellte im Gespräch mit unserer Zeitung ein neues Gruppenangebot für Angehörige und Bezugspersonen von Menschen mit einer Suchterkrankung vor. Es findet in Bad Windsheim statt. (Foto: Ute Niephaus)
Yvonne Munro stellte im Gespräch mit unserer Zeitung ein neues Gruppenangebot für Angehörige und Bezugspersonen von Menschen mit einer Suchterkrankung vor. Es findet in Bad Windsheim statt. (Foto: Ute Niephaus)
Yvonne Munro stellte im Gespräch mit unserer Zeitung ein neues Gruppenangebot für Angehörige und Bezugspersonen von Menschen mit einer Suchterkrankung vor. Es findet in Bad Windsheim statt. (Foto: Ute Niephaus)

Eine Sucht betrifft und verändert nicht nur das Leben der oder des Süchtigen, sondern auch das der Angehörigen und Bezugspersonen. Bei vielen dreht sich nahezu alles um den Menschen mit der Abhängigkeitserkrankung. „Oft ist dies sehr belastend“, sagt Yvonne Munro, Leiterin der Suchtberatung des Diakonischen Werkes.

Aus der Not heraus übernimmt das Umfeld die Verantwortung für die Dinge, für die der Abhängige verantwortlich wäre. Da sich die Gedanken Angehöriger immer mehr um den Suchtkranken drehen, nehmen sie ihre eigenen Gefühle kaum mehr wahr und stellen ihre Bedürfnisse immer häufiger zurück. Das tut ihnen nicht gut.

Manche leiden mit der Zeit so stark unter der Sucht ihres Angehörigen, dass sie selbst krank werden. Sie brauchen Hilfe und geeignete Ansprechpartner. In Gruppen erhalten sie etwa Beistand und haben die Möglichkeit, sich selbst zu entlasten.

Vier aufeinander aufbauende Abende

Sie benötigen Gesprächsmöglichkeiten und den Erfahrungsaustausch. Viele wollen den suchtkranken Menschen unterstützen, wissen aber oft nicht wie. Wie kann es weitergehen? Welche Angebote gibt es für mich und für den Betroffenen? Wie schaffe ich es, selbst gesund zu bleiben? Alle diese Fragen sollen, so Munro, an vier aufeinander aufbauenden Abenden im Rahmen einer kleinen Veranstaltungsreihe erörtert werden.

„Wir schauen einmal, wie das Interesse der Teilnehmenden ist. Wenn dies groß ist, geht es eventuell nach Weihnachten weiter.“ Für die Mehrheit der abhängigen Frauen und Männer, die in die Suchtberatung kommen, ist Alkohol das Hauptproblem. Bei rund 30 Prozent spielt der Konsum von Cannabis eine Rolle, bei einem Teil synthetische Drogen, Amphetamine und Crystal Meth. „Medikamente werden des öfteren als Beikonsum genommen“.

Nicht nur Beratung in Bad Windsheim

Im Gespräch mit unserer Zeitung weist die Psychologin darauf hin, dass Alkohol länger braucht, bis er zur Sucht wird. „Die Menge erhöht sich peu à peu. Man nimmt es oft nicht so wahr.“ Die Suchtberatungsstelle in Bad Windsheim und die Außenstellen in Neustadt, Uffenheim und Scheinfeld können Abhängige ab 18 Jahren konsultieren. Immer wieder nutzten auch Angehörige diese Einrichtung für Anfragen.

„Manchmal haben sie Schuldgefühle, haben Angst, etwas gemacht zu haben, was den anderen oder die andere dazu bewog, zu trinken“, erzählt Munro. Nicht selten decken sie die Abhängigkeit des oder der anderen, übernehmen zu Hause immer mehr Verantwortung und Aufgaben, sei es nun, was die Hausarbeit, das Einkaufen und anderes betrifft.

Viele sehen Hilfebedarf nicht bei sich selbst

Unter den Angehörigen sind mehr Frauen zu finden, merkt Munro an. Sie machen so viel für den anderen, dass sie den Hilfsbedarf bei sich selbst gar nicht sehen. „Sie funktionieren auf hohem Niveau.“ Nicht selten deckten sie die Sucht des Partner, damit das Familienleben irgendwie weiter funktioniert. Yvonne Munro und Sabrina Emmert, die die Veranstaltungsreihe leiten, ist es wichtig, damit zu vermitteln, dass die Nicht-Abhängigen auch das Recht haben, für sich etwas zu tun.

Die Fachfrauen machen den Angehörigen eines deutlich: Auch sie haben ein Recht darauf, dass es ihnen gut geht. Immer wieder in Gesprächen mit nicht-süchtigen Angehörigen spielt zudem das Thema Kontrolle eine Rolle – so wird etwa am Atem des anderen erkundet, ob er getrunken hat. Gewalt ist ebenfalls oft akut. Diese sei nicht zu dulden, sondern die Polizei zu rufen, macht Munro und hofft auf einige Interessierte für das neue, kostenlose Angebot.

Die Veranstaltungsreihe findet viermal donnerstags von 18 bis 19.30 Uhr statt. Als Termine nennt Yvonne Munro den 7., 14., 21. und 28 November. Die Treffen finden im Gruppenraum der Suchtberatungsstelle in der Kegetstraße 4 in Bad Windsheim statt. Um Anmeldungen wird bis Mittwoch, 30. Oktober, unter der Rufnummer 09841/2859 gebeten.

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