Jugendamts-Leiterin Sandra Kilian bekommt es in ihrer alltäglichen Arbeit mit: „Immer mehr Familien sind nicht in der Lage, ihre Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten zu erziehen“, sagt sie. Eltern brauchen mehr Unterstützung, die Stadt Ansbach reagiert darauf mit einem Familienbildungs-Konzept – und mit einem Familienstützpunkt, der im September starten soll.
Der Familienstützpunkt soll niederschwellige Angebote für Menschen in der Erziehungsverantwortung offerieren. Eltern, Kinder, aber auch Großeltern seien die Zielgruppe, so Kilian. Dabei gehe es nicht nur um Menschen, die bei der Kindererziehung an ihre Grenzen stoßen: „Prävention geht schon bei Eltern los, die gar keine Probleme haben.“ Von der Schwangerschaft bis zum Kindesalter von drei Jahren kümmere sich die Koordinierungsstelle Frühe Kindheit (KoKi) um die Familien, danach greife die Familienbildung.
Kerstin Schellenberger ist die Koordinatorin für Familienbildung bei der Stadt Ansbach. Zwei Jahre lang, von Oktober 2022 bis Oktober 2024, hat sie im Rahmen eines Förderprogramms des Freistaates ein umfassendes Konzept für die Familienbildung in der Stadt erarbeitet. Ende Januar ist die Stellungnahme des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales aus München eingetroffen. Die bereits geleistete Arbeit verdeutliche den hohen Stellenwert und die Akzeptanz der Familienbildung in der Stadt Ansbach und sei „unbedingt so fortzuführen“, heißt es dort. Und weiter: „Das Konzept bildet eine sehr gute und strukturierte Grundlage für den Ausbau eines bedarfsgerechten und niedrigschwelligen Familienbildungsangebotes in der Stadt Ansbach.“
Kernstück dieses Angebotes soll der Familienstützpunkt sein. Bis zum 28. Februar konnten sich mögliche Träger bei der Stadt bewerben. „Die Bewerber mussten ein Konzept vorlegen, einen Finanzierungsplan und einen konkreten Ort, der barrierefrei sein und in der Innenstadt liegen sollte. Optimal wäre natürlich ein Nebenraum für die Kinderbetreuung“, so Kilian.
Drei vollständige Bewerbungen liegen dem Jugendamt vor. Mit einer vorgegebenen Bewertungsmatrix werden die Bewerbungen jetzt gesichtet, im Juli will das Jugendamt dann dem Jugendhilfeausschuss den ausgewählten Bewerber präsentieren. Bis dahin dürfte dann auch der Finanzierungsbedarf seitens der Stadt feststehen. Für die Zeit von September bis zum Jahresende sind im Haushalt 2025 schon mal 5500 Euro eingestellt, für das Jahr 2026 muss dann eine entsprechende Haushaltsstelle eingerichtet werden.
„Man muss wissen, ob man das will“, sagt Sandra Kilian. Der Familienstützpunkt bringe für die Stadt eine finanzielle Zusatzbelastung. Nichts zu tun ist aber aus ihrer Sicht keine Alternative: „Wir haben tagtäglich im Jugendamt mit Familien zu tun und werden mit immer mehr Problemen konfrontiert.“
Wenn Kindererziehung jemals in der Menschheitsgeschichte ein Selbstläufer war – in unseren Zeiten ist es das offenbar nicht. Man müsse Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit stärken und das sichere Aufwachsen der Kinder fördern, so Kerstin Schellenberger. Man müsse dabei auch schauen, woran es liegt, dass die vielen bestehenden Angebote der unterschiedlichen Träger so wenig genutzt werden. Hier will Kerstin Schellenberger als städtische Koordinatorin vorankommen.
Andere Städte und Landkreise haben es vorgemacht. Nach den Zahlen des Staatsinstitutes für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) gibt es in Bayern – Stand Dezember 2024 – bereits 218 Familienstützpunkte – laut ifb zu 61 Prozent in den Landkreisen und zu 39 Prozent in den kreisfreien Städten.
Ein glänzendes Geschäft für die Träger sei so ein Familienstützpunkt nicht, sagt Sandra Kilian. Eher ein „Prestigeprojekt“, das durch Enthusiasmus mit Leben gefüllt werden müsse.
Spannend, wie das neue Angebot in Ansbach künftig angenommen wird, wird es allemal. „Man weiß aus anderen Städten, dass das dauert und erst anlaufen muss“, betont Kerstin Schellenberger. Und Sandra Kilian glaubt auch nicht, „dass dann schlagartig die Fallzahlen im Jugendamt sinken“.