Die Weihnachtswünsche der Kinder in der Ukraine sind die gleichen wie vermutlich überall auf der Welt: Lego, Playmobil oder anderes Spielzeug. Dass sie auch in Kriegszeiten erfüllt werden, dafür sorgt auch der Dinkelsbühler Klaus Löffler, der seit Beginn des russischen Angriffskriegs Hilfstransporte organisiert.
Für viele Familien in der Ukraine steht auch dieses Weihnachten wieder im Zeichen der Trauer. Wie viele Menschen seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 2022 ihr Leben verloren haben, lässt sich nur schätzen. Der Konflikt hat sich zu einem erbitterten Abnutzungskrieg entwickelt, unter dem vor allem die Kinder leiden.
Für den Dinkelsbühler Notfallsanitäter war schon am ersten Tag des Krieges klar, dass das angegriffene Land Unterstützung braucht. Über den Aufruf einer ukrainischen Ärztin aus München in den sozialen Medien am nächsten Tag, die um Medikamente und Verbandsmaterial bat, kam Löffler mit der ukrainischen Gemeinde in München in Kontakt, die Hilfslieferungen organisierte. „Wir haben Hilfsgüter zusammengepackt und sie ein paar Tage später nach München gefahren”, erinnert sich Löffler. Das Hilfsprojekt med.Ukraine war geboren.
Ihm war schnell klar, dass die Hilfe strukturiert werden musste. „Was brauchen die Soldaten an der Front?”, hätten sich er und seine Mitstreiter gefragt. So sei die Idee für einen speziellen Notfallrucksack entstanden, erklärt der Notfallsanitäter, der im Rettungshubschrauber Christoph 65 mitfliegt. „Durch meine Zeit bei der Bundeswehr und meinen Job wusste ich, was da rein muss.” Nämlich Material, um Schwerstverletzte versorgen zu können. Und: Das Material muss für die Sanitäter sein.
Schon bald darauf wurden die ersten Rucksäcke verschickt. Der Inhalt war in den bekannten roten Exemplaren mit Leuchtstreifen verpackt, die Notärzte und Notfallsanitäter mit sich führen. Schnell stellte sich heraus, dass diese Taschen an der Front ein Risiko darstellen. „Deshalb ist das Material immer mehr grün geworden”, erzählt Löffler. Zur besseren Tarnung.
Der Notfallsanitäter hat außerdem ein kleineres Modell entwickelt, das so klein ist, dass es den Rettungskräften zugeworfen werden kann. Was Klaus Löffler und sein Team ebenfalls außer dem Verbandsmaterial organisiert und in die Ukraine geschickt haben: Medikamente und drei OP-Tische. Aus zwei bis drei Wochen, wie ursprünglich für die Hilfsaktion geplant, wurden mittlerweile über drei Jahre.
„An Ostern des ersten Kriegsjahres hat mich meine Frau gefragt, wer denn was für die Kinder in der Ukraine tut”, erinnert sich Löffler an den Beginn seiner zweiten Hilfsaktion. Er startete wieder eine Sammelaktion, auch in Zusammenarbeit mit den Schulen.
Auch diese Päckchen wurden zunächst mit anderen Hilfskonvois in die Ukraine geschickt. Weil der Notfallsanitäter Transparenz schaffen wollte, entschied er sich, im Dezember 2023 selbst zu fahren. Mit einem Großraumtransporter transportierte er 300 Geschenke für Waisen und die vom Krieg hart betroffenen Kinder, 28 Notfallrucksäcke, medizinisches Material über Lwiw (Lemberg) an der polnisch-ukrainischen Grenze im Westen.
In der Ukraine trafen sich die Helfer aus Dinkelsbühl mit Verbindungsleuten. „Die Waisenhäuser sind meist in den Karpaten”, berichtet er. Dort, mit Abstand zu den Kriegsgebieten, leben auch Kinder mit Behinderung oder Trauma. „Wir wurden herzlich empfangen, haben ausgeladen, und wir haben auch Pakete an Sozialarbeiter verteilt.” Über die ukrainischen Kontakte hat Löffler auch Familien besucht, deren Väter im Krieg gefallen sind.
Im Januar 2025 war Löffler zum zweiten Mal im Kriegsgebiet. Zwei Fahrzeuge mit Großraumhänger wurden beladen: mit 206 Kartons und Paketen, 2200 Kilogramm medizinischer Hilfsgüter, 650 Kilogramm Geschenke und Spielgeräte für Kinder und Jugendliche und 85 Kilogramm Süßigkeiten. Dabei waren Robin Friedrich, Wilfried Mack und Nick Janke. Zu viert haben die Helfer in insgesamt 53 Stunden 2600 Kilometer zurückgelegt. „Wir haben fünf Stunden geschlafen”, berichtet Löffler.
Mehr Ruhepausen sind nicht möglich. „Ab 23 Uhr ist Sperrstunde, es gibt keinen Strom. Wir haben die Flugabwehr gesehen, Drohnen. Mit Begleitschutz haben uns die Ukrainer von Checkpoint zu Checkpoint gelotst, bis zur ungarischen Grenze”, schildert er eine der Rückfahrten.
So gefährlich die Transporte sind, so herzlich sind die Begegnungen mit den Menschen in den Kriegsgebieten. Begegnungen mit ihnen gehören zu diesen Fahrten dazu. „Für die Leute in der Ukraine ist es wichtig, etwas zurückzugeben”, erklärt der Notfallsanitäter. Und wenn Kinder am Straßenrand stehen, dann kriegen die ebenfalls kleine Geschenke.
Im Januar 2026 wollen Klaus Löffler und seine Mitstreiter wieder in die Ukraine fahren. Wann genau, kann er noch nicht sagen. „Das hängt vom Kriegsverlauf ab”, sagt er. Gesammelt wird bereits. Der Dinkelsbühler wirbt für die Hilfsprojekte, Vorträge gab es in Bechhofen und Dinkelsbühl.
Warum nimmt Klaus Löffler das auf sich? „Meine Motivation ist, dass es Menschen gibt, die spenden und denen Frieden und Gerechtigkeit etwas bedeutet.”
Wer das Team med.Ukraine unterstützen will, kann entweder Geld spenden oder Päckchen packen. Rein sollen Spiel- und Malsachen und Stifte, Zahnbürsten und ähnliche Hygieneartikel, Süßigkeiten oder andere Dinge, die Kinder und Jugendliche benötigen. Die mit Geschenkpapier eingewickelten Pakete sollten in etwas die Größe eines Schuhkartons haben und mit dem ungefähren Alter des Kindes oder Jugendlichen zu versehen. Abgabestellen sind bei Klaus Löffler, Kreuzespanring 32 in Dinkelsbühl, Firma Elektronikbob am Krautgarten 4, Firma Pfiffikus, Luitpoldstraße, in Dinkelsbühl und im Gratisladen, Adlerstraße 1, in Bechhofen. Wer Geld spenden will, kann dies über das Konto der evangelischen Kirchengemeinde Dinkelsbühl-Feuchtwangen, DE6376591000000001554, mit dem Betreff „Hilfe für die Waisenkinder in der Ukraine Weihnachtsaktion 2025”. Spendenquittungen sind möglich.