Seit dreieinhalb Jahren läuft der Krieg in der Ukraine nun schon – und Frieden ist weiterhin nicht in Sicht. Die Burghaslacher Ukrainehilfe macht deshalb weiter, hat unlängst Medikamente im vierstelligen Wert nach Lwiw gebracht. Sie wollen ihre Freunde nicht im Stich lassen, die Verteidiger von Europas Freiheit, sagen die Burghaslacher.
Diesmal haben sich Christian Hofmann und Izabela Rosinski auf den weiten Weg nach Lemberg (Lwiw) gemacht. Das Prozedere wird immer komplizierter, die Bürokratie steigt, seitdem das ukrainische Parlament das Antikorruptionsgesetz verabschiedet hat. Die Burghaslacher haben dafür größtes Verständnis und doch müssen sie jetzt alles noch fein säuberlicher dokumentieren.
Die Produkte, die Mengen, die Zollnummer, die vorab beantragt werden muss. „Wir wurden jetzt auch das erste Mal schon in Polen kontrolliert”, sagt Rosinski. Für sie ist das kein Problem, ist sie doch der Sprache mächtig. Aber: „Ohne Zollnummer geht nichts mehr, sonst müsste man es über große Organisationen laufen lassen”, erklärt Sabine Hofmann, ebenfalls Teil der Ukrainehilfe.
„Wir haben 100 Prozent für die Frontsoldaten geliefert”, betont Christian Hofmann. Ein befreundeter Apotheker aus Freilassing hat Schmerzmittel und Antibiotika gespendet. Aus Spendengeldern wurde allerlei „taktische Notfallausrüstung” – Verbände, Infusionen, Material zur Stillung blutender Wunden – angeschafft. Besonders die Infusionslösungen im Plastikbeutel stehen in der Ukraine hoch im Kurs, denn bei ihnen gibt es die nur in Glasflaschen, die selten heil an der Front ankommen.
„Die Ukraine hat massive Probleme, die Front zu versorgen”, sagt Christian Hofmann. Aus Sicherheitsgründen ist dies nur noch mit Drohnen möglich. Ihre Kontaktpersonen hatte einmal auch Alarm geschlagen, dass an der Front die Nahrungsmittel ausgehen. Daraufhin haben die Burghaslacher eine Sofortspende geleistet, mit dem Geld wurde Essen gekauft, erzählt Hofmann.
Und die Hilfstransporte bleiben einigermaßen paradox: Lwiw wirkt beispielsweise wie zerrissen, zwei Welten existieren in einer Stadt, erzählen Christian Hofmann und Izabela Rosinski. Auf der einen Seite die gefühlte Normalität, auf der anderen Seite die Kriegsfolgen. Am Abend hat es 29 Grad, die Ukrainer sitzen in Restaurants, flanieren durch die Altstadt – „und drei Stunden vorher haben wir uns das Marsfeld (Anm. d. Red.: der Soldatenfriedhof in Lwiw) angeschaut, auf dem immer mehr Gräber entstehen”. Gegensätze, die auch die Burghaslacher beschäftigen.
Rosinski gibt offen zu: So richtig sicher hat sie sich nicht mehr gefühlt. Denn seitdem die Russen für ihre Angriffe verstärkt auf Drohnen setzen, blieb auch Lwiw nicht mehr gänzlich verschont. „Ich war so froh, dass wir keinen Bombenalarm miterleben mussten.” Was außerdem auffalle: Auf den Straßen laufen nur noch Jungen und alte Männer, gefühlt keine mehr im Wehrdienst-Alter. Soldaten seien teils in Zivil unterwegs, ab 23 Uhr herrscht Sperrstunde.
Die Stimmung bei der Bevölkerung sei gespalten. Kontaktperson Sergej ist sauer auf US-Präsident Donald Trump und dessen Forderung, aufzugeben. „Warum sollten wir unser Land hergeben?”, habe Sergej ihn über die Sprach-App gefragt, sagt Hofmann. „Es sind schon so viele gestorben.” Tomasz Rosinski ergänzt: „Die westlichen Ukrainer brennen für die Freiheit, für Europa. Sie sind Patrioten, wollen Freiheit, Frieden und Unabhängigkeit.” Aber klar gebe es auch Russland-Freunde.
Als Beispiel für die Europafreunde nennen die Burghaslacher einen Zehnjährigen, der eine Hauptrolle im Film „The Basement” von Roman Blazhan dreht. Der hatte den Beginn des Ukrainekrieges in seinem Heimatland für Arte filmisch festgehalten, bevor er nach Burghaslach geflüchtet ist. Blazhan ist renommierter Filmemacher aus Kiew, der Burghaslach und seine Ruhe zwar sehr zu schätzen wusste, aber dann doch die Großstadt präferiert hat und Richtung Norden weitergezogen ist. Die Ukraine-Freunde sind aber noch in Kontakt. Jedenfalls sage der Zehnjährige im Film sinngemäß in Richtung Russland und Wladimir Putin: „Was wollt ihr von uns? Wir sind doch Europäer.”
Der Film ist auf Ukrainisch und Englisch, mit englischen Untertiteln. Die Burghaslacher Ukrainehilfe will ihn nun auf Deutsch untertiteln lassen und in der Kulturtankstelle zeigen. Denn sie finden, dass er die Ukraine-Situation in den Anfangsjahren des Krieges sehr gut beschreibt. 2024 ist er erschienen und kostenlos in der Arte-Mediathek verfügbar.
Die Familien Hofmann und Rosinski wollen auf alle Fälle weitermachen und sammeln weiter Spenden. Ihre Freunde in der Ukraine wollen sie nicht alleine lassen. Und noch etwas haben sie mit ihrem Besuch verbunden: einen Besuch auf dem Marsfeld, beim Grab ihres guten Freundes Rostislav Livach, der vor über einem Jahr auf dem Schlachtfeld fiel. Da kamen wieder große Emotionen hoch. Zwar liegen Burghaslach und Lwiw rund 1160 Kilometer auseinander – und doch ist es für die Burghaslacher gefühlt deutlich näher. Freundschaft kennt keine Entfernungen.
Wer helfen möchte, das Spendenkonto lautet: IBAN DE97 7606 9559 0107 3121 72 bei der VR-Bank Metropolregion Nürnberg. Sachspenden nehmen die Baufirma von Christian Hofmann (Gewerbegebiet Röthenweg) oder die Familie Rosinski (Rosenweg 1) entgegen.