Wenige Tage nach den Erdbeben in der Türkei und in Syrien steigt die Zahl der Opfer stetig. Mittlerweile werden deutschlandweit Hilfsgüter gesammelt. In Bad Windsheim hat der Verein Internationales Kulturhaus an der Rothenburger Straße 9 dazu aufgerufen, Sachspenden abzugeben. Möglich ist das noch am Donnerstag von 13 bis 17 Uhr.
Die Stimmung im Vereinsheim ist am Mittwoch gedrückt. Zu groß ist das Entsetzen über die Bilder und Nachrichten aus den Erdbebengebieten. Der Fernseher läuft, zeigt Retter und verzweifelte Menschen, die in den Trümmern nach Überlebenden suchen. Remzi Özen hat gerade einen Karton mit Hilfsgütern am Internationalen Kulturhaus abgegeben. Benötigt werden derzeit vor allem: Jacken, Decken, Pullover, Handschuhe, Babynahrung und Windeln, Socken, Fertigsuppen und Schlafsäcke.
„Es ist eine große Tragödie, echt schlimm“, sagt Özen. Er fühlt sich traurig. Auch Tränen seien bei ihm schon geflossen angesichts des immensen Leids der Verschütteten und deren Angehörigen. Auch Özen selbst hat Familie in den betroffenen Gebieten. Ein Onkel von ihm lebt in einer der betroffenen Provinzen. Lange hat er um ihn gebangt. Dann endlich sei die erlösende Nachricht gekommen: Er ist am Leben, es geht ihm den Umständen entsprechend gut.
„Wegen der Menschlichkeit ist es wichtig, zu helfen“, sagt Riza Üchk. Auch er ist geschockt und entsetzt vom Ausmaß der Verwüstung. „Es herrscht richtiges Chaos, man erkennt die Städte überhaupt nicht wieder. Das ist eine absolute Katastrophe.“ Über Telefon und WhatsApp hat Üchk Kontakt zu Bekannten und Verwandten in der Region. Was sie berichten, macht ihn sprachlos.
Auch für einen 59-Jährigen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, steht die Menschlichkeit im Mittelpunkt. „Es ist egal, wo auf der Welt eine solche Tragödie geschieht, wir müssen helfen, Spenden sammeln“, betont er. Sein Bruder lebt in Osmaniye, das ebenfalls vom Erdbeben erschüttert worden ist. Mit seinem Bruder selbst konnte er bislang nicht sprechen. Dass es ihm gut geht, weiß er von dessen Sohn, zu dem er telefonischen Kontakt hatte.
Gemeinsam mit anderen türkischen Mitgliedern des Internationalen Kulturhauses sitzt der 59-Jährige am Mittwochnachmittag noch lange im Vereinsheim. Fast jeder von ihnen schaut aufs Handy. Es gibt Tee, Kaffee und Wasser. Immer wieder wird emotional darüber diskutiert, ob die Hilfe überhaupt bei den Betroffenen in den Erdbebengebieten ankommt oder ob die Regierung in der Türkei die Transporte blockiert. Und auch draußen gibt es Redebedarf. Denn neben Hilfsgütern wollen Vereinsmitglieder auch Geld spenden. Unklar ist noch, ob das nun jeder einzeln tun soll oder ob man zuerst intern sammelt und dann die Summe gemeinsam überweist.
Im Internationalen Kulturhaus erinnert man sich angesichts der aktuellen Schreckensnachrichten auch wieder an das Erdbeben von Gölcük im Jahre 1999, dessen Epizentrum rund 80 Kilometer von der Altstadt Istanbuls entfernt gelegen hatte. Bereits damals hatte der Verein Sachspenden gesammelt. Dass man auch diesmal wieder helfen würde, die Not zu lindern, sei selbstverständlich gewesen, heißt es.
Einen Transporter hat der Verein bereits organisiert. Der wird am Freitag vorfahren und die Kartons von Bad Windsheim nach Nürnberg-Langwasser bringen. Dort wiederum gibt es zentrale Sammelstellen, von denen aus der Weitertransport in die Erdbebengebiete und zu den dort lebenden Menschen organisiert wird.
Dass die Hilfsbereitschaft in Deutschland von allen Seiten enorm ist, freut die Vereinsmitglieder und lässt sie hoffen. Doch ihre Ängste sind trotzdem groß: So befürchten sie, dass die Anzahl der Toten weiter steigen könnte. Dass möglicherweise ein weiteres Beben bevorsteht, weitere Hochhäuser wie Kartenhäuser einstürzen könnten und es dann weitere Opfer geben könnte. Was bleibt, ist die Hoffnung.