Bereits zur Kirchweih im vorigen November feierten die Herrnberchtheimer im neuen Dorfgemeinschaftshaus. Jetzt wurde das Schmuckstück, wie das Gebäude mehrfach bezeichnet wurde, offiziell eingeweiht.
Im Gottesdienst in der Pfarrkirche neben dem Dorfgemeinschaftshaus (DGH) sagte Pfarrerin Ivonne Kleinschroth, dass die Einweihung für die Kirchengemeinde das „gute Ende eines langen Prozesses“ ist, der auch schmerzhaft gewesen sei. Damit meinte sie, dass aus dem Pfarrhaus zusammen mit einem neuen Anbau das Dorfgemeinschaftshaus geworden ist. So habe es zuerst einmal gegolten, loszulassen und hinzunehmen, dass Herrnberchtheim künftig kein eigenes Pfarrhaus mit einer Pfarrfamilie mehr hat.
Als klar war, dass nach dem Weggang von Pfarrer Wolfgang Leikert nach dreijähriger Vakanz die Kirchengemeinde Herrnberchtheim mit den Kirchengemeinden Ippesheim und Bullenheim kooperieren soll und der Pfarrsitz in Ippesheim liegen wird, sei das für viele ein schwerer Schlag gewesen, erinnerte Kleinschroth. Doch heute sei man glücklich, dass das alte Pfarrhaus mit dem schönen Anbau nun das DGH ist. Ein Haus neben der Kirche, das für alle Generationen, Vereine, Gruppen und auch für die Kirchengemeinde „in Zukunft Heimat ist“. Nachdem die neue Kindergottesdienstgruppe Ippesheim-Herrnberchtheim musikalisch im Gottesdienst ein Haus gebaut hatte, erinnerten im DGH-Saal Bürgermeister Karl Schmidt, Architekt Felix Demann vom Büro Liebberger und Schwarz sowie der Vorsitzende des Dorfvereins DGH Herrnberchtheim, Matthias Eisenhut, an die Umsetzung des Projekts.
2018 hatte die Gemeinde das Pfarrhaus von der Kirchengemeinde übernommen, so Schmidt. Unter der Bedingung, dass es ein Dorfgemeinschaftshaus würde, gab es auch noch Geld dazu: 98.000 Euro habe die Ablösung von der staatlichen Baulast betragen – Geld, das laut Pfarrerin Kleinschroth komplett ins DGH geflossen sei.
Die ersten Kostenschätzungen hatten sich auf über 1,5 Millionen Euro belaufen – zu teuer für die Gemeinde. Das alte Pfarrhaus wurde dann komplett in Eigenregie ohne Förderung renoviert. Auch die Landjugend richtete ihre Räume selbst her. Von außen erkenne er das frühere Pfarrhaus immerhin noch, meinte Pfarrer Leikert, der bei der Einweihung zugegen war.
Es folgten viele Planungen. Zunächst sollte das alte Melanchthonheim erhalten bleiben, wurde letztlich aber doch abgerissen. Was wiederzuverwenden war, wurde heraussortiert. Der Bürgermeister sei selbst nach Dettendorf gefahren, um Bauabfälle zu entsorgen, hieß es.
Der Gemeinderat feilte an den Kosten. Ratsmitglied Helmut Heitzer brachte einen eigenen Vorschlag ein. Dann einigte sich das Gremium auf die nun verwirklichte Planung mit dem neuen Anbau samt großem Saal und Multifunktionsraum im Keller. Rund 1,25 Millionen Euro sollten dann am Ende laut Schmidt die Kosten betragen. Der Sportverein Herrnberchtheim baute dabei den Keller in Eigenregie aus und übernahm die angefallenen Kosten. Der Verein habe in „unglaublich vielen Helferstunden einen wunderbaren Raum geschaffen“, ergänzte Eisenhut.
14 Gewerke seien ausgeschrieben und überwiegend von im Landkreis ansässigen Firmen ausgeführt worden, berichtete Demann. Überbaut wurde eine Fläche von 175 Quadratmetern. Neben Förderungen über das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) und der Lokalen Aktionsgruppe Südlicher Steigerwald habe es auch Geld aus dem Regionalbudget der Kommunalen Allianz gegeben: für den Umbau der alten Waschküche zur Grillhütte. Auch ein Holzbackofen sei errichtet worden.
Lob fürs neue DGH gab es unter anderem von Landrat Helmut Weiß, den Bundestagsabgeordneten Tobias Winkler und Carsten Träger sowie vom Landtagsabgeordneten Hans Herold. Ebenso sprachen Leader-Koordinator Ekkehard Eisenhut sowie Wolfgang Zilker vom ALE.
Dritter Bürgermeister Bernhard Wolf schob eine Zeitkapsel mit aktuellen Unterlagen in die Außenwand. Pfarrer Leikert überreichte das alte Kreuz aus dem Melanchthonheim und Pfarrerin Kleinschroth segnete alle, die das Haus künftig mit Leben erfüllen. Jetzt steht noch der Spielplatz vor dem DGH an – dann ist das Mammutprojekt abgeschlossen.