Herausforderungen für die neue Chefin der Ansbacher Stadtwerke | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.06.2024 21:09

Herausforderungen für die neue Chefin der Ansbacher Stadtwerke

Fühlt sich in Ansbach sichtlich wohl: Dr. Branka Rogulic ist seit Jahresanfang die neue Geschäftsführerin der Stadtwerke. (Foto: Stadtwerke Ansbach)
Fühlt sich in Ansbach sichtlich wohl: Dr. Branka Rogulic ist seit Jahresanfang die neue Geschäftsführerin der Stadtwerke. (Foto: Stadtwerke Ansbach)
Fühlt sich in Ansbach sichtlich wohl: Dr. Branka Rogulic ist seit Jahresanfang die neue Geschäftsführerin der Stadtwerke. (Foto: Stadtwerke Ansbach)

Die Stadtwerke stehen vor wichtigen Entscheidungen: Wird das Aquella saniert? Welche Folgen hat der ÖPNV-Sparbeschluss für den Busverkehr? Was passiert mit dem Gasnetz? Wie geht es mit der Wärmeplanung weiter? Es sind mehrere dicke Bretter, die die neue Chefin Dr. Branka Rogulic zum Einstieg bohren muss.

Es ist ein Einschnitt für das Unternehmen mit rund 100 Beschäftigten und 120 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Roland Moritzer hatte die Stadtwerke und die zugehörigen Gesellschaften seit der Gründung im Jahr 2000 geführt. Zwar gab es immer wieder Kritik an der Konstruktion, doch die Wirtschaftszahlen waren stets solide.

Wechsel aus Tuttlingen

„Es ist ein stabil geführtes Haus“, stellt denn auch Dr. Branka Rogulic fest. Der 53-Jährigen hat das sofort gefallen. Es ist einer der Gründe, warum sie sich für Ansbach entschieden hat. Sie war in einer komfortablen Situation, als sie als Chefin der Stadtwerke in der 35.000-Einwohner-Stadt Tuttlingen in Baden-Württemberg feststellte, dass sie sich dort eigentlich nicht mehr wohlfühlt und gerne etwas anderes machen würde. Denn Manager für derartige Posten werden bundesweit gesucht, die Zahl der Bewerber ist rar.

Über Headhunter kam der Kontakt nach Ansbach zustande. Und schon der erste Besuch überzeugte die in Wilhelmshaven aufgewachsene Frau. „Ich hatte sofort den Eindruck: Die Stadt hat mich mit offenen Armen empfangen.“ Das offizielle Vorstellungsgespräch und die Zahlen der Ansbacher Stadtwerke taten das Übrige, um die Entscheidung für Mittelfranken positiv zu beeinflussen.

Inzwischen ist sie fast ein halbes Jahr hier. Die Einarbeitungszeit an der Seite des bisherigen Geschäftsführers hat sie dankend abgelehnt. „Ich bringe ja Erfahrung mit.“ Dass Roland Moritzer ihr zugesichert hat, dass sie sich bei Bedarf mit Fragen an ihn wenden könne, war ihr Absicherung genug. Nötig war dieses Backup bislang nicht.

In Ansbach gut angekommen

Apropos Moritzer: Was er verdient hat, war ein großes Geheimnis. Er wehrte sich vehement gegen eine Veröffentlichung im Geschäftsbericht. Bei Branka Rogulic ist es Teil des Vertrags. „Das war mir bewusst“, sagt sie und lächelt vielsagend. Sie sitzt beim Pressetermin entspannt in ihrem luftigen Büro im dritten Stock des Stadtwerke-Baus an der Rügländer Straße. Ein paar Bilder mit ihren Motorrädern sorgen für die persönliche Note.

Von der zierlichen Erscheinung der 53-Jährigen darf man sich nicht täuschen lassen. Nicht nur auf dem Motorrad ist sie energiegeladen unterwegs. Branka Rogulic hat im besten Sinn des Wortes Präsenz. Über ihren Wechsel nach Ansbach ist sie noch immer glücklich. Sie genießt die Natur, ob mit dem Motorrad, dem Fahrrad oder beim Sport. Sie schätzt es, auf die Arbeit laufen zu können. Sie fühlt sich wohl bei Festen und Veranstaltungen und wird überall freundlich aufgenommen – was wohl auch mit ihrem gewinnenden Lachen zu tun hat, das es im Gespräch mit ihr oft zu hören gibt.

Und sie freut sich, dass die Personalsituation der Stadtwerke insgesamt in Ordnung ist. „Glauben Sie mir: Das ist nicht überall so“, sagt sie mit Blick auf den vielerorts herrschenden Fachkräftemangel. Die Verbindung zur Thüga ist aus ihrer Sicht ein klarer Gewinn für das Unternehmen. „Wir haben dadurch beispielsweise Zugriff auf die Rechtsabteilung.“ Der Markt ist so komplex geworden, dass man als einzelnes Stadtwerke-Unternehmen juristisch leicht ins Hintertreffen geraten könnte.

Energiemarkt ist umkämpft

„Wir sind hier gut aufgestellt“, lautet ihr erstes Zwischenfazit. Aber die Zeiten sind schwieriger geworden. Der Energiemarkt ist umkämpft. Und in diesem Geschäftsfeld müssen die Stadtwerke Geld einnehmen, um verlustträchtige Aufgaben, wie den Betrieb der Bäder oder des Busverkehrs, mitzufinanzieren. Auch die jährliche Abgabe an die Thüga muss verdient werden. Die vielen treuen Kunden seien hier ein echter Pluspunkt, findet Rogulic.

Denn: „Es gibt natürlich etwas zu tun“, stellt die Stadtwerke-Chefin fest. Beispiel Aquella-Sanierung. Branka Rogulic spricht von einem „Freizeitangebot, das die Stadt attraktiver macht“. Die Kostenschätzungen, um es wieder auf Stand zu bringen, liegen bei gut 18 Millionen Euro. Sechs Millionen Euro Fördergelder vom Bund sind beantragt, ob sie fließen werden, ist keineswegs gewiss. Das Zuschussprogramm ist überzeichnet.

Aber egal, was in dem Brief aus Berlin stehen wird: „Wir können nicht ewig zuwarten“, sagt die Stadtwerke-Chefin. „Wir werden auch einen Plan B und einen Plan C entwickeln müssen.“ Wenn der Bund Ansbach erneut abblitzen lässt, wird es eine Sanierung in kleinen Schritten geben müssen. „Wir müssen das dann im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten machen.“

Sparkonzept beim ÖPNV

Ähnlich sieht es in Sachen ÖPNV aus. Der Stadtrat will hier deutlich sparen. „Wir suchen Mittel und Wege, um das umzusetzen“, sagt Rogulic. Konkret will sie noch nicht werden. Die Überarbeitung des Nahverkehrsplanes läuft ohnehin und es gibt ja auch Verträge mit Busunternehmen, die erfüllt werden müssen, oder Verknüpfungen von Linien, die zu berücksichtigen sind. „Ich habe großen Respekt vor der Komplexität des Themas“, sagt sie und lobt ausdrücklich die Mitarbeiterin, die mit viel Akribie daran arbeitet.

Auch über die Zukunft des Gasnetzes macht sich Rogulic Gedanken. Für einen Rückbau, wie ihn andere Städte schon planen, ist es aus ihrer Sicht noch viel zu früh. „Aber es wird nicht weiter ausgebaut.“

Was die Zukunft angeht, gibt es noch viele Unwägbarkeiten. Ist Wasserstoff tatsächlich der Ersatz? Welche Leitungen sind dafür geeignet? Das Thema spielt ja auch mit hinein in die künftige Wärmeplanung in der Stadt. Die Investitionen bewegen sich in Summe in einer Größenordnung von einer Milliarde Euro. Davon müssten die Stadtwerke zwischen 250 und 400 Millionen Euro schultern – je nachdem, was genau umgesetzt wird. Einfach wird das sicher nicht. Rogulic: „Wir sind ein kleines Haus, mit begrenzten Ressourcen.“

Die Frage, was die Stadtwerke mit den Ladesäulen für Elektroautos und -fahrräder tun werden, ist angesichts solcher dicken Bretter eher eine Lappalie. Dennoch muss auch hier gehandelt werden. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass der Netzbetreiber nicht auch Anbieter der Ladeinfrastruktur sein darf. Ein Auslagern in eine neue Tochtergesellschaft oder auch ein Verkauf sind Denkmodelle. Auch hier ist noch nichts entschieden. Doch bis Dezember muss eine Lösung gefunden sein.

Branka Rogulic ist sich der Vielzahl an Aufgaben, die die Stadtwerke lösen müssen, bewusst: „Mein Ziel ist, bei all diesen Fragen in diesem Jahr zumindest die Weichen zu stellen.“

Dr. Branka Rogulic

Die neue Stadtwerke-Chefin hat an der Universität in Bayreuth ihren Abschluss als Diplom-Kauffrau sowie an der Universität des Saarlandes/Technische Universität Kaiserlautern einen Master of Laws erworben und in der Schweiz an der Universität St. Gallen in den Wirtschaftswissenschaften promoviert. Nach ersten Berufsjahren in zwei internationalen Unternehmensberatungsgesellschaften folgten Stationen als Leiterin Kaufmännische Dienste bei der Energie Südwest AG sowie als Geschäftsführerin eines Tiefen-Geothermiekraftwerkes, bevor sie 2012 als Chefin zu den Stadtwerken Tuttlingen wechselte.

Die Stadtwerke

Die Stadt Ansbach hat die Stadtwerke ab dem Jahr 2000 neu strukturiert. Seitdem gibt es als Muttergesellschaft die Ansbacher Versorgungs- und Verkehrsholding GmbH (AVVH) als hundertprozentige Tochter der Stadt. Ihr gehören 60 Prozent der Stadtwerke, die übrigen 40 Prozent kaufte die Thüga, ein kommunaler Energie- und Wasserdienstleistungskonzern.Der AVVH gehört zudem die Ansbacher Bäder- und Verkehrs-GmbH (ABuV), die den ÖPNV und Freibad sowie Aquella betreibt. Außerdem liegt die Betriebsführung der awean, die sich um die Abwasserentsorgung in Ansbach und den Ortsteilen kümmert, bei den Stadtwerken.

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