Ein Video der Tierschutzorganisation Aninova zeigt brutale Aufnahmen aus einem großen Schlachtbetrieb, angeblich in Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach. Mitarbeiter treten Hennen mit ihren Füßen in Transportkisten, werfen sie herum, boxen und schlagen sie oder drehen ihnen den Hals um.
Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete am Montag als Erstes über die Vorwürfe gegen das Wassertrüdinger Unternehmen. Zu sehen sind die Taten auf der Internetseite von Aninova, die dort ebenfalls am Montag veröffentlicht wurden. Die Tierrechtsorganisation wies nach eigenen Angaben bereits mehrfach auf schlechte Umstände in verschiedenen Tierhaltungs - und Schlachtbetrieben hin.
Bei dem Wassertrüdinger Schlachthof handelt es sich um einen der größten seiner Art in ganz Deutschland. Nach SZ-Recherchen werden am Tag im Schnitt 60.000 Hennen aus Boden-, Freiland- und Biohaltung am Tag geschlachtet. Andere Betriebe in Bayern sind demnach deutlich kleiner und schlachten maximal 1000 Tiere am Tag. Etwa 100 Mitarbeiter soll das Unternehmen beschäftigen.
Die Videos haben laut Aninova Tierrechtler mit versteckten Kameras aufgenommen, die undercover in dem Schlachtbetrieb unterwegs waren. Die Aufnahmen würden aus der Zeit von Ende März dieses Jahres bis Ostern stammen, schreibt die SZ. Nicht nur durch die Mitarbeiter werden die Tiere schwer verletzt. Wegen der Bauweise des Schlachtbands bleiben Hennen immer wieder an einer Schiene hängen, schildert Aninova. Da das Band weiterläuft, würde den Tieren einfach der Kopf abgerissen.
Die gezeigten Aufnahmen „stellen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dar und sind nicht nur arbeitsrechtlich, sondern auch strafrechtlich relevant”, teilte das Landratsamt Ansbach auf Nachfrage mit. „Das Veterinäramt am Landratsamt Ansbach verurteilt auf das Schärfste den gewaltsamen und lebensverachtenden Umgang mit Tieren, wie er in den vorliegenden Aufnahmen gezeigt wird.”
Da es sich in Wassertrüdingen um einen Großbetrieb handelt, ist das Ansbacher Veterinäramt nur für die Fleischbeschau zuständig. An jedem Schlachttag seien Veterinäre in dem Betrieb anwesend, schreibt die Behörde. Zu ihren Aufgaben gehört zum einen, den Zustand der Tiere bei der Anlieferung beziehungsweise der Tierkörper nach der Schlachtung zu kontrollieren. Dass die Tiere tierschutzkonform betäubt und entblutet werden, überwachen die Veterinäre ebenfalls. „Das erfolgt per Stichprobenkontrolle, mehrfach und unregelmäßig”, so die Ansbacher Behörde. Aber auch vorbeugende Maßnahmen des Verbraucherschutzes zählen dazu.
„Hierbei hatten sich nach bisherigem Kenntnisstand keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass es in dem Betrieb, etwa bei der Handhabung vor der eigentlichen Betäubung, zu schweren tierschutzrechtlichen Verstößen gekommen ist.” Es sei denkbar, „dass sich das auf den Videoaufnahmen gezeigte Verhalten der Mitarbeiter in den zeitlichen Abständen zwischen den amtlichen Kontrollen ereignet haben könnte”, mutmaßt die Behörde. Jedoch fehlen hierfür „abschließende Kenntnisse zum konkreten Tatverlauf”, wird betont. Fehler oder Versäumnisse des tierärztlichen Personals schließt das Landratsamt bislang aus.
Die Behörde betonte, dass den schwerwiegenden Vorwürfen unbedingt strafrechtlich nachgegangen werden müsse. Am Montagmorgen hat Aninova bei der Staatsanwaltschaft Ansbach eine Strafanzeige gestellt. Diese richtet sich gegen die einzelnen Mitarbeiter des Schlachtbetriebs, teilte Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier auf Nachfrage mit.
Inwiefern die Geschäftsführer des Betriebes in Wassertrüdingen über die Umstände Bescheid wussten, ist Teil der Ermittlungen. Derzeit liegen der Staatsanwaltschaft rund 500 Stunden an Videomaterial vor, das gesichtet werden muss. Bislang sei das Unternehmen strafrechtlich nicht auffällig gewesen. Sollten sich die Vorwürfe der Tierquälerei bestätigen, könne eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe drohen, sagte Heinzlmeier. Es werde auch versucht, die Personen ausfindig zu machen, die das Videomaterial erstellt haben. Eine Videoüberwachung hat der Betrieb laut Kenntnis des Veterinäramts nicht selbst installiert.
Der Schlachtbetrieb in dem betroffenen Unternehmen in Wassertrüdingen wurde bis auf Weiteres eingestellt, informierte das Landratsamt. Für eine Stellungnahme war die Geschäftsleitung des Wassertrüdinger Schlachthofs bislang nicht erreichbar.