Hemmersheimer Breunig-Brüder sind am Olymp der Kettensägen-Künstler angekommen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.01.2025 20:11

Hemmersheimer Breunig-Brüder sind am Olymp der Kettensägen-Künstler angekommen

Winfried (links) und Martin Breunig schufen einen großen Wurm für ihren Heimatort Hemmersheim. Der Dorfplatz, auf dem das Werk steht, soll 2025 eingeweiht werden. (Foto: Anita Dlugoß)
Winfried (links) und Martin Breunig schufen einen großen Wurm für ihren Heimatort Hemmersheim. Der Dorfplatz, auf dem das Werk steht, soll 2025 eingeweiht werden. (Foto: Anita Dlugoß)
Winfried (links) und Martin Breunig schufen einen großen Wurm für ihren Heimatort Hemmersheim. Der Dorfplatz, auf dem das Werk steht, soll 2025 eingeweiht werden. (Foto: Anita Dlugoß)

Martin und Winfried Breunig legen an. Die Kettensägen heulen auf. Ran geht’s an das Eichenstück. Die Sägespäne fliegen. Mit ihren motorisierten Werkzeugen schaffen die beiden Männer Kunst – in der Gemeinde Hemmersheim und inzwischen weit darüber hinaus. Der Jüngere, Winfried, maß sich jüngst mit der deutschen Elite.

Schon seit 18 Jahren sägen Martin (60) und Winfried (55) Breunig zusammen in einer Werkstatt. 2024 sind beide gefragt worden, ob sie bei der zweiten Staffel der „Motorsägen-Masters“ teilnehmen wollen. Martin Breunig zog zurück – wegen eines glücklicherweise gut ausgegangenen Krankheitsfalls. Aber Bruder Winni stellte sich dem Wettbewerb und schaffte es bis auf Platz zwei. Lediglich im Finale musste er sich geschlagen geben – einer Mitbewerberin.

Bis beide sich auf dem Olymp der Kettensägenkünstler sonnen konnten, war es ein weiter Weg, den beide mit viel Leidenschaft beschritten. Martin Breunig, der Landwirt, und Winni Breunig, der Lagerleiter, hatte es 2006 zum Weidefestival nach Rothenburg verschlagen. Dort sahen sie, wie gut man mit der Kettensäge schnitzen kann. An Adler und Eule versuchten sich die beiden zuerst. Jedoch wurde ihnen schnell klar, dass sie mehr wollen. Im Umkreis von hundert Kilometern besuchten sie Kurse und bildeten sich weiter.


Gezeichnet habe ich schon immer gerne.

Winfried Breunig

Am Anfang steht immer die Fantasie, dann das Bild. „Gezeichnet habe ich schon immer gerne“, sagt Winni Breunig. Allein mit seinen Skizzen ließ sich heute eine sehenswerte Ausstellung aus dem Boden stampfen. Warum er nicht mit der Hand schnitzt? „Sägen geht schneller“, sagt er schmunzelnd.

Und nach und nach hatten beide ein Gefühl dafür entwickelt, wie tief sie jeweils in ihr Holz – meist ist es Eichenholz – hineinsägen dürfen. Künstlerisches Talent bringen sie mit. Mit Euphorie und Stolz, was sie bereits so können, fuhren sie 2008 schließlich zur Weltmeisterschaft ins Erzgebirge, erzählen sie in ihrer Werkstatt in Hemmersheim. Doch da verschlug es ihnen die Sprache, als sie beispielsweise einen vier Meter hohen Ikarus sahen.

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Viele verschiedene Sägen

Doch sie sammelten immer mehr Erfahrung: Neben dem Umgang mit den vielen verschiedenen Sägen kamen sie auch in Kontakt mit der internationalen Carving-Szene und auch mit der Disziplin „Speed-Carving“, das ist das schnelle Schnitzen mit der Kettensäge.

Für einen riesengroßen Bison (2,30 Meter hoch und 3,20 Meter breit), der aus mehreren Teilen besteht, sollte Winni Breunig einige Jahre später den WM-Zuschauerpreis gewinnen. In Dänemark kam er mit einem Spartaner auf den zweiten Platz. Von vielen Wettbewerben und guten Platzierungen können beide berichten.

„Chainsaw-Brothers” vermitteln ihr Wissen in Kursen

Beide vermitteln ihr Wissen auch in praktischen Kursen – ein fast schon missionarischer Eifer wird dabei spürbar. Sie betonen, dass gerade Frauen oft ein Händchen für die Kettensägen-Kunst haben. Was aber an den Kettensäge-Brüdern – an ihren Arbeitsanzügen tragen sie ihr Emblem „Chainsaw-Brothers“ – fasziniert, ist ihre andauernde Begeisterung, was man aus dem Holz herausholen kann. „Das glauben viele gar nicht“, beteuert Martin Breunig. Zu den Tierfiguren kamen mythologische, fantastische und steinzeitliche Figuren und Szenen hinzu. Über ihre Aufträge staunen die Kettensägenbrüder immer wieder.

Ihnen gefällt es, dass sie dabei viel Neues kennenlernen: In Unterfranken fragte ein Naturpark an, ob sie das Eingangsportal schnitzen könnten, am Fuße des Brockens im Harz sollten sie Hexen anfertigen und ein Brautpaar freute sich über eine individuelle Figur. Jüngstes Werk ist eine „Pommesgabel“ – so wird der Metaler-Gruß gerne genannt – für die Kinder-Hardrockband „Heavysaurus“.

Kunstwerke verschönern Ortschaften

Die Bandmitglieder treten als Saurier verkleidet auf. Diese Figur wurde auch mit bunten Farben versehen, sprich: angesprüht. In Hemmersheim haben die Brüder sich ebenfalls schon verewigt – für den Platz am Ortseingang aus Richtung Gollachostheim, „Rieser Berg“ genannt, schufen sie einen Apfel, aus dem ein Wurm kriecht. Eine Ruhebank, eine spielplatztaugliche Nachbildung eines Schweinestalls, eine Stele sowie Kindersitzbänke sind dort außerdem noch zu sehen. Der Kunigundenweg und der Jakobsweg führen direkt vorbei. Der mit Leader-Mitteln geförderte Platz in Hemmersheim wird 2025 eingeweiht.

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