Richtig rund ist für Helmut Schnotz bei dieser Kandidatur nichts gelaufen. Vor seiner Nominierung gab es heftigen Streit zwischen den beiden beteiligten Kreisverbänden. Jetzt plagt ihn ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft.
Es geht um Schadstoffbelastungen in einer Halle, die er als Bürgermeister abreißen ließ und um die Frage, was er davon wusste und wann. Zu den Details äußert sich die Staatsanwaltschaft derzeit ebensowenig wie Schnotz selbst. Beide verweisen auf die laufenden Ermittlungen.
Werden die Vorwürfe die Wahl beeinflussen? „Das kann ich nicht einschätzen, aber ich hoffe es nicht“, sagt Schnotz. Vielleicht gibt es auch den Aiwanger-Effekt. Dessen Flugblatt-Affäre beflügelt die Freien Wähler ja derzeit eher.
Er habe als Bürgermeister 15 Jahre Erfahrungen mit Anfeindungen, da lasse man sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, sagt Schnotz. Es klingt ein bisschen, als wolle er sich selbst beruhigen. Die Sache scheint ihn mehr zu belasten, als er zugeben mag. Seine Wahlkampfstrategie will er aber beibehalten. „Wer mich kennt, weiß, dass ich fleißig bin.“ An den Infoständen erlebe er auch viel Zuspruch, schildert Helmut Schnotz.
Immerhin steht die CSU nun – zumindest nach außen – geschlossen hinter ihm. Kein Wort des Zweifels drang an die Öffentlichkeit. Dabei galt Schnotz einigen Christsozialen gar nicht als erste Wahl. Ansbachs CSU-Kreisvorsitzender Jan Helmer hatte vor der Nominierung keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Nachwuchspolitikerin Johanna Serban aus Herrieden favorisierte.
Doch der Nachbarkreisverband Weißenburg-Gunzenhausen protestierte. Man fürchtete, der Landtagsposten könnte von Serban jahrzehntelang besetzt werden. Dabei gibt es seit den Zeiten von Josef Göppel und Gerhard Wägemann den Deal, dass Ansbach den Erstzugriff für die Bundestags- und Weißenburg-Gunzenhausen jenen für die Landtagskandidatur hat. Aktuell ist das verdreht – wegen interner Streitigkeiten in der Ansbacher CSU vor der Bundestagswahl 2017.
Anfangs zögerte Helmut Schnotz, als sein Name aus Weißenburg ins Gespräch gebracht wurde. „Ich musste mich erstmal damit auseinandersetzen“, gibt der Bürgermeister von Bechhofen rückblickend zu. Die Kandidatur kam auf ihn zu, nicht er lief ihr hinterher. Dass ihn deshalb mancher als Kompromisskandidaten abtut, ficht ihn nicht an. „Ich sehe mich als den richtigen Kandidaten für diese Zeit.“
Anfangs wirkte das noch nicht ganz so. Bei den Auftritten bis zur Nominierung war seine Nervosität spürbar. Dabei kann er sich als Bürgermeister mit stolzer Erfolgsbilanz und einem starken Rückhalt in seinem Ort präsentieren. Das hat einige Zeit ganz gut funktioniert – bis zum Bekanntwerden der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.
Schnotz ist ein bodenständiger Pragmatiker. Das zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit. Ein Paradebeispiel ist die Kirchweih in seinem Heimatdorf Thann, die er zur Kult-Kirchweih gemacht hat. Nicht alleine. Doch bei ihm laufen seit Jahren die Fäden zusammen. Ein Dorf mit 123 Einwohnern, das an vier Tagen 12.000 Gäste bewirtet, das ist eine Hausnummer. Und Helmut Schnotz ist derjenige, der die Menschen motiviert, mitzumachen.
Im Falle seiner Wahl will er auch im Landtag auf pragmatische Lösungen setzen. Es ärgert ihn, wenn Bürokratie naheliegende Vorgehensweisen verhindert. Wenn digitale Wasserzähler verbaut sind, die Verbrauchsdaten an Stadt- oder Gemeindewerke beziehungsweise ins Rathaus übermitteln, warum muss dann eine Mitarbeiterin die Werte händisch vom einen in ein anderes Programm übertragen? Und warum darf der Versorger die Daten nicht nutzen, um Lecks aufzuspüren? „So etwas verstehe ich einfach nicht“, sagt Schnotz und schüttelt den Kopf.
In seiner Funktion als Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages im Landkreis Ansbach versucht er seit 2020 solche Merkwürdigkeiten auszumerzen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Aber er hat dafür gesorgt, dass Schnotz sich ein Netzwerk aufgebaut hat, das bis nach München Fäden zieht.
Bayern hat nach Ansicht von Schnotz in den vergangenen Jahrzehnten vieles richtig gemacht. Der Freistaat habe es geschafft, vom deutschen Armenhaus am Tropf des Länderfinanzausgleichs zum Hightech-Land zu werden, das mit weitem Abstand am meisten in diesen einzahlt. Zu verdanken ist das – vereinfacht gesagt – der CSU und ihrer Politik, sagt Schnotz. Und ganz auf Parteilinie schimpft er sogleich über die Arbeit der Ampel in Berlin.
Doch auch in Bayern gibt es Dinge, mit denen der Bürgermeister und Kreisrat hadert. Vor allem „der überbordende Bürokratismus“, nervt ihn. Hier will er im Maximilianeum gesunden Menschenverstand entgegensetzen. Und er will ein nahbarer Abgeordneter sein, so wie er jetzt ein Bürgermeister ist, den jeder jederzeit ansprechen kann.
Den CSU-Slogan „Näher am Menschen“ hat er deshalb ergänzt um den Zusatz „Für Sie da“. Tatsächlich wirkt das bei ihm nicht so aufgesetzt, wie es im ersten Moment klingt. Feuerwehrmann, Familienvater, gelernter Bankkaufmann, der noch das Studium zum Bankfachwirt und zum Bankbetriebswirt-Management nachgeschoben hat. Einer, der Dinge einfach macht. Engagiert und fleißig, das sind die Eigenschaften, die man zu hören bekommt, wenn man sich nach Helmut Schnotz erkundigt.
Viel unterwegs ist Helmut Schnotz in diesen Wahlkampf-Tagen, vermutlich mehr als seine Mitbewerber, wenn man sich den Terminkalender auf seiner Internetseite anschaut. Kirchweihen, Feuerwehrfeste und andere Veranstaltungen, wo viele Menschen sind. Vor allem in Weißenburg-Gunzenhausen muss er seinen Bekanntheitsgrad steigern. Das ist Helmut Schnotz bewusst, auch wenn er als CSU-Kandidat in Westmittelfranken quasi automatisch als Favorit für das Direktmandat galt. Inwieweit die jüngsten Ereignisse daran etwas geändert haben, ist kaum einzuschätzen.
Sein Wahlprogramm liest sich ein wenig wie ein Sammelsurium bekannter Textbausteine für Politiker: weitere Hochschul-Standorte in der Region schaffen, wohnortnahe medizinische Versorgung erhalten, Straßen- und Breitbandausbau fördern, das Handwerk als Rückgrat der Wirtschaft im Land nicht vergessen. Das ist vielleicht nicht visionär, aber Helmut Schnotz lässt keinen Zweifel daran, dass er diese Punkte im Falle seiner Wahl mit Pragmatismus angehen will.