Schläuche oder Kettensägen zählen zur Standard-Ausrüstung aller Feuerwehren. Eine Drohne würden hingegen nur die wenigsten als mögliches Hilfsmittel in Betracht ziehen. Doch seit nunmehr zwei Wochen hat die Kreisfeuerwehr genau so ein Flug-Gerät in Baudenbach stationiert. Ein Besuch bei der eigens dafür gegründeten Einheit.
Für den Ernstfall wurde die Drohne bislang noch nicht alarmiert, allerdings durfte etwa die Scheinfelder Feuerwehr erst am Mittwoch erfahren, wie wertvoll so ein Helferlein aus der Luft sein kann – im Rahmen einer Übung. Die spielte in den Abendstunden. Das Szenario: Ein Auto verunglückte auf einer schmalen Straße und schlitterte in den Wald.
Den Beifahrer fanden die Kräfte schwer verletzt im Wagen, doch vom Fahrer fehlte jede Spur. Er war in diesem Fallbeispiel aus dem Auto geschleudert worden. Mit Hilfe der Wärmebild-Kamera der Drohne fanden ihn die Rettungskräfte zügig. Ansonsten hätten sie den gesamten Wald durchforsten oder alternativ einen Polizeihubschrauber alarmieren müssen. Beides sehr aufwendig – und der Einsatz eines Helikopters ist nicht bei jedem Wetter möglich und zudem außerordentlich teuer.
Schon 2021 hatte es erste Gedankenspiele gegeben, dass sich der Kreisfeuerwehrverband eine Drohne anschaffen könnte. Bei einem Workshop in der Feuerwehrschule Würzburg tauchte das Thema auf und sorgte im Kreise der Brandbekämpfer sofort für Begeisterung. Kreisbrandrat Alfred Tilz berief daraufhin eine Arbeitsgruppe ein.
Die hat sich intensiv eingearbeitet – und schließlich auch den Kreisausschuss ins Boot geholt. Nach einer Markterkundung wurde eine Drohne gekauft. Kostenpunkt für das Exemplar selbst und die Ausstattung drumherum, beispielsweise die Bildschirme: laut Landratsamtssprecher Bastian Kallert rund 15.000 Euro – beglichen vom Landkreis.
Freitag, 10 Uhr: Treffpunkt am Scheinfelder Feuerwehrhaus. Einige Mitglieder der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UGÖEL) haben sich auf dem Hof versammelt. Diese UGÖEL wird vor allem bei größeren Einsätzen gerufen, unterstützt vor Ort bei der Einsatzleitung und koordiniert die Kräfte am Unglücksort. Quasi eine Art Einsatzbüro. Dort ist auch die Drohne angesiedelt. Ein Mannschaftstransportwagen – stationiert in Baudenbach – wurde eigens so angepasst, dass die Koffer perfekt hineinpassen. Zu fünft rückt die Einheit aus: ein Maschinist, ein Einheitsführer, ein Pilot, ein Luftbeobachter und ein Bildauswerter.
Ein kurzer Knopfdruck, grüne Lichter blinken, die Rotorblätter drehen sich mit einem leisen Surren. Bevor es losgeht, muss eine Checkliste abgearbeitet werden – schließlich müssen die Feuerwehrleute sicher sein, dass auch alles einwandfrei funktioniert. Dann hebt die Drohne im feuerwehr-eigenen Design ab.
Am Boden stehen zwei Männer mit Steuer-Computer. „Einer konzentriert sich voll aufs Fliegen, der andere steuert die Kamera“, sagt Thomas Popp, Leiter der UGÖEL. Die Drohne steht über dem Feuerwehrhaus. Mit der Kamera werden Schloss Schwarzenberg herangezoomt und kurz die Kirchturm-Uhr der Stadtpfarrkirche überprüft. Die Auflösung der Kamera ist selbst bei weiter entfernten Objekten noch sehr scharf. So kann das Helferlein aus der Luft bei Großbränden auch Fotos schießen, ohne direkt über die Flammen hinwegfliegen zu müssen.
Wer für die Wehr fliegen will, braucht den kleinen Drohnenführerschein und muss Feuerwehr- und UGÖEL-Mitglied sein, erläutert Popp die Voraussetzungen. Das Führungstrio für die Drohnen-Einheit sind neben Popp Scheinfelds Kommandant Stephan Krönert und Achim Hummel von der Wehr in Baudenbach als Drohnen-Standortleiter.
Doch was genau treibt die Feuerwehr damit? „Für uns ist die Drohne kein Spielzeug“, betont Popp, „sondern ein wertvolles Arbeitsmittel.“ Wenn Wälder oder größere Industrie-Anlagen brennen, ist die Lage vom Boden her oft schwer zu beurteilen. „Aus der Luft hat man eine ganz andere Übersicht.“ Da werden plötzlich Brandherde sichtbar, die im Baum- oder Hallen-Dschungel auf der Erde schlicht nicht erkennbar sind.
„Wir haben auch immer einen Farbdrucker im Fahrzeug und können die Luftbilder ausdrucken und direkt an die Führungskräfte weitergeben.“ Ein Informationsvorsprung, der im Ernstfall Katastrophen verhindern kann. Und auch bei Vermisstensuchen kann die Feuerwehr jetzt gezielter helfen – auch wenn in solchen Fällen erst das BRK oder die Polizei um Amtshilfe bitten muss.
Der große Vorteil: Sobald die Wärmebildkamera den Vermissten ausfindig gemacht hat, lässt sich am Bildschirm ein QR-Code mit den exakten Koordinaten scannen. Mit einer Navigationsapp lotst das Smartphone die Rettungskräfte dann direkt zum Verletzten. Und die Drohne kann mit einem Scheinwerfer die Fundstelle ausleuchten. Auch eine Lautsprecheranlage ist eingebaut. Wozu? Popp nennt das Beispiel Hochwasser: Wenn Menschen eingeschlossen sind und in Panik ausbrechen, könnte man mit der Drohne vorfliegen und die Betroffenen beruhigen, dass die Feuerwehr alles tun wird, um sie zu retten. „Es gibt nichts Schlimmeres, als nicht zu wissen, ob schon Hilfe unterwegs ist.“
Bei mindestens zwei Einsätzen – einer Personensuche am Rande der Neustädter Kirchweih und einem Rinder-Ausbruch im Uffenheimer Gau – unterstützten schon Drohnen aus der Luft, weil der Einsatzleiter die daraus resultierenden Erkenntnissen für sinnvoll erachtet hatte. Doch bislang musste bei einer solchen Alarmierung stets ein Drohnen-Pilot der Feuerwehr Ansbach ausrücken und weit fahren. Damit ist nun also Schluss. Der Kreisfeuerwehrverband kann das ab sofort selbst leisten. Popps Fazit: „Für mich ist da viel Sinnhaftigkeit dahinter.“