Ohne Smartphone geht es heute fast nicht mehr. Über den korrekten Umgang damit in der Schule kann man streiten: ganz verbieten oder die sinnvolle Nutzung lehren? Schulen aus Stadt und Landkreis berichten, wie sie die Smartphone-Nutzung handhaben.
Ist das Handy Fluch oder Segen? Mit keinem anderen Werkzeug kann man in so kurzer Zeit Informationen sammeln und sich ausdrücken. Gleichzeitig lenkt auch kein anderes Instrument so sehr im Alltag ab, wie das kleine Spielzeug in der Hosentasche.
Gerade in der Schule scheiden sich die Geister: Lieber gleich ohne Handy, um die Konzentration auf den Unterricht zu erhöhen? Oder besser den sinnvollen Einsatz für Recherche und aktuelle Infos vermitteln? Das Bayerische Kultusministerium verbietet die Nutzung an Grundschulen grundsätzlich. An weiterführenden Schulen entscheiden diese selbst, wie sie damit umgehen.
Laut Hausordnung ist die Handy-Nutzung am Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium in Windsbach nach Unterrichtsbeginn bis zum Ende generell untersagt, informiert der stellvertretende Schulleiter Dr. Florian Amselgruber.
Dies beinhaltet auch die Pausen. Es sei denn, der Lehrer erlaubt die Nutzung im Unterricht. Meist ist dies aber gar nicht nötig: „Wir sind digital stark aufgestellt“, sagt Amselgruber. Schulgeräte stehen zur Verfügung, an denen digitale Kompetenzen vermittelt werden. Wird ein Schüler doch einmal am Smartphone erwischt, wird es ihm abgenommen und nach Unterrichtsende wieder übergeben. In Absprache mit der Schule sind Ausnahmen möglich. Amselgruber erklärt: „Wir wollen den Schülern einen Raum bieten, um frei vom Handy zu werden. Sie sollen auch mal Karten spielen und nicht nur auf dieses kleine Zoll-Display starren.“
Ähnlich funktioniert es an der Staatlichen Realschule Herrieden, informiert Schulleiter Jens Knaudt. Die Schüler erklären schriftlich ihr Einverständnis mit den Regeln an der Schule.
Das Handy ist nur vor und nach Unterrichtsbeginn erlaubt, auch in den Pausen muss es aus bleiben. Erneut kann der Lehrer aber die Nutzung erlauben. Passiert dies auch? „Das ist von Fach zu Fach unterschiedlich“, sagt Knaudt.
Auch die Realschule arbeitet viel mit Tablets, um den Umgang mit Social Media und der Künstlichen Intelligenz zu schulen. Bei Verstößen gegen die Regeln drohen Ordnungsmaßnahmen bis hin zum Verweis.
Einen differenzierten Ansatz verfolgt das Gymnasium Carolinum in Ansbach. Schulleiter Stefan Exner hat im Schulforum mit Lehrern, Elternbeiräten und den Schülersprechern ein Konzept entwickelt.
In den fünften und sechsten Klassen ist das Handy zu Unterrichtszeiten auf dem Schulgelände nicht erlaubt. In der Schule sind Handy-Zonen eingerichtet, wo die Schüler ab der siebten Klasse es in der Mittagspause nutzen dürfen.
Der Lehrer kann die Nutzung für Unterrichtszwecke erlauben. Vor Prüfungen werden die Smartphones eingesammelt. An speziellen Medientagen weist das Carolinum in Kooperation mit Polizei und Staatsanwaltschaft speziell auf die Gefahren im Netz hin.
Und wenn ein Schüler sich nicht an die Regeln hält? „Dann wird das Handy eingezogen und der Schüler kann es bei mir abholen“, sagt Exner. Dazu gibt es eine Aufklärung: „Das soll keine Strafe sein, sondern die Schüler sollen die Regeln verstehen.“
Strenger geht es an der Valentin-Ickelsamer-Mittelschule in Rothenburg zu: Die Handys werden schon seit dem 11. Dezember 2023 vor Unterrichtsbeginn eingesammelt und in einem verschließbaren Handysafe gesperrt, erklärt Schulleiter Markus Heindl. Nach Unterrichtsende werden sie wieder herausgegeben.
Die einzelnen Lehrer können die Nutzung erlauben und die Schule nutzt verschiedene Apps. Heindl sagt: „Medienerziehung ist ein Unterrichtsprinzip in allen Fächern.“ Zusätzlich bietet die Schule Workshops und Fortbildungen durch externe Experten an.
Schuleigene Laptops und Tablets sind nach seinen Angaben technisch so konfiguriert, dass nur schul- und jugendgemäße Inhalte damit verarbeitet werden können. Und wird ein Schüler doch mit dem Handy erwischt, kann es hart werden: „Bei Regelverstoß wird das Gerät einbehalten und nach einer Woche an die Erziehungsverantwortlichen herausgegeben“, sagt Heindl.