Die kleine Familie Schneider stand vor dem Nichts: In ihrem Haus in der Schalkhäuser Straße hatte es gebrannt. Doch ein großer Kreis an Helfern fand eine Wohnung, schleppte Möbel oder hörte einfach nur zu. Großmutter Anna, Mutter Bianca und die Tochter konnten einen Schritt Richtung Normalität gehen. Doch mehr müssen folgen.
Als Erste war Petra Forster da, die Nachbarin der Schneiders. „Bisher hatten wir nicht viel miteinander zu tun, aber als ich Rauch und Blaulicht sah, ging ich rüber.“ Gerührt schaut Bianca Schneider zu ihr, der Helferkreis hat sich in den Räumen der Freiwilligenagentur Sonnenzeit versammelt, um über weitere Schritte zu beraten.
Auf der Straße gestanden wären die Schneiders nach dem Brand im Februar, wenn Biancas Schwester sie nicht direkt aufgenommen hätte. Klar war aber, dass sie schnellstmöglich eine eigene Bleibe brauchen. Forster stellte den Kontakt zur Sonnenzeit her und Geschäftsführerin Sylvia Bogenreuther ließ ihr Netzwerk spielen. „Danke für alles“, sagt Anna Schneider, „wir wissen nicht, wie wir das ohne all die Hilfe geschafft hätten.“
Erst kamen die Schneiders in der Pension Herrscher „sehr kostengünstig“ unter, dann ging es über die Sonnenzeit in eine Ferienwohnung. Seit 1. April hat die kleine Familie endlich wieder ihr eigenes Heim. Susanne Oppel, geschäftsführende Gesellschafterin des Autohauses Oppel, vermietet ihnen eine Wohnung in Ansbach. „Unkompliziert und ohne Kaution“, sagt Anna Schneider merklich erleichtert. „Man kann nicht glauben, wie sehr man sich freut, über etwas, das man für selbstverständlich hält“, erzählt ihre Tochter.
Haushaltswaren und Möbel bekamen sie gespendet, Bakkour Alkedschi und andere Sonnenzeit-Helfer schleppten beim Einzug mit. „Viele Angebote haben wir wegen des Artikels in der FLZ bekommen“, sagt Anna Schneider strahlend. Auch vom Gymnasium Carolinum, wo Biancas Tochter zur Schule geht, kam Hilfe. Beim Frühlingskonzert bat der Elternbeirat um Spenden, davon wurden ein Schrank und ein Schreibtisch bezahlt.
Eine Stereoanlage soll den Brand ausgelöst haben, erklärt Bianca, das könne überall passieren. Auch das Löschwasser habe den Wohnungen zugesetzt. „Schimmel“, sagt sie kühl. Ihre Mutter will auf jeden Fall zurück, die drei Wohnungen hatten die Schneiders mühsam abbezahlt. Jeden Tag ist die 69-Jährige da, pflanzt Blumen, versucht aufzuräumen.
Der Hausrat und die kleinen Schätze der Familie liegen noch immer vor dem Haus. „Das sind verbrannte Erinnerungen, ein Teil von dir ist weg“, klagt die Seniorin. Tränen füllen ihre Augen. Es sind viele Überbleibsel von ihrem Mann. Vergangenes Jahr ist er verstorben. Auch der Brandschutt liegt noch auf der Straße. „Das ist auch eine finanzielle Frage“, erklärt die alleinerziehende Bianca Schneider.
Anna Schneider ist Rentnerin: „Mir bleiben 100 Euro zum Leben.“ Eine Brandversicherung für das Haus habe nicht bestanden. Sie müsse auch Strom und Gas weiter bezahlen, obwohl beides abgestellt wurde – weil die Zähler nicht abgelesen werden können, habe es geheißen.
Die Schneiders hätten daher gehofft, dass die Stadt zumindest die Müllbeseitigung übernimmt. Doch die verweise auf die Zuständigkeit der Familie. „Das finde ich unverschämt“, sagt die Nachbarin Forster wütend. Der Oberbürgermeister habe sich beim Brand vor dem Haus fotografieren lassen, sonst sei keine richtige Hilfe von städtischer Seite gekommen. „Was hätte denn ohne die Sonnenzeit laufen sollen?“
Händeringend sucht die Familie nun nach einem Gutachter für das Haus, einem Elektriker und einem Gas- und Wasserinstallateur. „Schon jemand, der den Müll wegbringt, würde uns unglaublich helfen.“
Eine weitere Stütze für die Schritte zur Normalität bekamen die Schneiders beim Gespräch: Günther Laczi überreichte für Biancas Tochter gesammeltes Geld. Sie war mit Laczis Tochter in die Kita Pfiffikus gegangen. „Ich hatte in der FLZ vom Brand gelesen und gleich andere Eltern von damals angerufen.“
Wer helfen oder spenden will, kann unter 0981/9 53 87 78 anrufen oder eine E-Mail schreiben an: verwaltung@sonnenzeit-ansbach.de.