Heilen wie die Römer: Skalpelle, Pinzetten und ein Stich ins Auge | FLZ.de

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Heilen wie die Römer: Skalpelle, Pinzetten und ein Stich ins Auge

Mit viel Theaterblut wurde die Entfernung einer Pfeilspitze aus dem Bein eines Legionärs simuliert. (Foto: Martina Haas)
Mit viel Theaterblut wurde die Entfernung einer Pfeilspitze aus dem Bein eines Legionärs simuliert. (Foto: Martina Haas)
Mit viel Theaterblut wurde die Entfernung einer Pfeilspitze aus dem Bein eines Legionärs simuliert. (Foto: Martina Haas)

Soldaten sind wichtig und teuer. Das war in der Antike nicht anders als heute. Deshalb legten die römischen Legionen viel Wert auf die medizinische Versorgung und Regeneration ihrer Verwundeten. Wie das ausgesehen haben könnte, zeigten die Männer der Interessengruppe „Cohors IX Batavorum“ im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach).

Die Kohorte schlägt seit 2018 regelmäßig ihr Lager in dem Römerpark am Hesselberg auf, um ihre Leidenschaft für die römische Armee auszuleben. Es geht dabei aber auch immer um ein bisschen praktische Wissenschaft. Experimentelle Archäologie nennt sich das. Nun haben sich die Bataver mit dem Thema Heilkunde befasst. Im Gepäck hatten sie allerlei medizinisches Besteck, das auf der Grundlage von Funden nachgebaut wurde.

Schon früh Operationen gegen den Grauen Star

Der „Chef“ der Bataver-Truppe, Norbert Wurscher, alias Centurio Flavianus, erläuterte Skalpelle und Pinzetten, allesamt Instrumente, die auch heutige Ärztinnen und Ärzte einsetzen. In der Antike hatten alle medizinischen Hilfsmittel eine Doppelfunktion.

Aus einem Leder-Futteral zog Wurscher eine lange, dünne Nadel. Mit ähnlichem Exemplaren behandelten die Mediziner der Antike den Grauen Star. Die römischen Ärzte stachen damit ins Auge, um die Linsentrübung zur Seite zu schieben. Die Vorstellung löste beim Publikum im Römerpark ein wohliges Schaudern aus.

Römische Ärzte bauten auf den Erfahrungen auf, die ihre griechischen Kollegen über Jahrhunderte gewonnen hatten. Auch die Hygiene habe bereits vor über 2000 Jahren eine große Rolle gespielt, so Wurscher weiter. Mit Schabmessern entfernten sich die Legionäre vermutlich die Körperbehaarung, auch um Läusen und anderen Krankheiten vorzubeugen.

Ärzte in den Lazaretten mit breitem Wissen

Der Bataver-Hauptmann berichtete, dass es in allen festen und bewegten Lagern der römischen Armee standardisierte Lazarette gegeben habe. Das Können der Ärzte sei ziemlich breit aufgestellt gewesen. Verletzte seien auf den Schlachtfeldern nie liegengelassen worden. Die Devise lautete demnach: „Kein Kamerad bleibt draußen.“

Mit viel Theaterblut demonstrierten die Bataver, wie eine Pfeilspitze mit Widerhaken aus dem Oberschenkel eines Legionärs herausgeholt wurde. Zum Einsatz kam wohl ein löffelartiges Instrument, um die Muskulatur zu schützen. Zumindest könnte es so gewesen sein. „Denn etwas Genaues weiß man nicht“, so Wurscher.

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