Hausmeister Schorsch derbleckt Ansbachs Politiker | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.02.2023 14:18

Hausmeister Schorsch derbleckt Ansbachs Politiker

Thorsten Siebenhaar hatte vor einigen Jahren als rotzfrecher „Hausmeister Schorsch“ reüssiert. Im März darf das Multitalent nun erstmals die Hauptrolle beim Derblecken übernehmen. (Foto: Bernd Höllein)
Thorsten Siebenhaar hatte vor einigen Jahren als rotzfrecher „Hausmeister Schorsch“ reüssiert. Im März darf das Multitalent nun erstmals die Hauptrolle beim Derblecken übernehmen. (Foto: Bernd Höllein)
Thorsten Siebenhaar hatte vor einigen Jahren als rotzfrecher „Hausmeister Schorsch“ reüssiert. Im März darf das Multitalent nun erstmals die Hauptrolle beim Derblecken übernehmen. (Foto: Bernd Höllein)

Es ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Bei der Rückkehr des traditionellen Derbleckens zu Josefi wird erstmals Schauspieler Thorsten Siebenhaar in die Rolle des scharfzüngigen Beobachters schlüpfen. Neu ist auch, dass die Veranstaltung in den Kammerspielen an zwei Tagen stattfinden wird.

Viele innovative Ideen haben die Ansbacher Kammerspiele und die Landwehr-Bräu aus Reichelshofen als Veranstalter entwickelt und die Pandemie-bedingte Auszeit dazu genutzt, dem bekannten Format einen neuen Anstrich zu verleihen. In erster Linie geht es bei der Doppel-Veranstaltung am 21. und 22. März natürlich um den Hauptdarsteller des Abends, der im Hinblick auf diskussionsfreudige Themen wieder die Vertreter aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft ins Visier nehmen wird.

Thomas Engerer und seine großen Fußstapfen

Schauspieler Thorsten Siebenhaar, bekannt von seinen Auftritten beim Altstadtfest im Kulturgärtla, von Kommando Grimm sowie Bühne11, wird nun auch offiziell die Nachfolge von Fastenprediger Gumbertus alias Thomas Engerer übernehmen. Engerer, der 2020 nach 16 Jahren seinen letzten Auftritt als grantelnder Mönch hatte, hinterlässt fraglos ein gewichtiges Erbe.

„Die Fußstapfen sind sehr groß“, blickt Siebenhaar zurück und beinahe im gleichen Atemzug nach vorne. Einen zweiten Gumbertus, so viel steht bereits jetzt fest, wird er jedenfalls nicht geben. „Ich habe meinen eigenen Weg und werde es ein bisschen anders machen“, erklärt der 42-Jährige so bedeutungsschwanger wie möglich. Es gilt schließlich, die Spannung auf seine Interpretation eines wortgewandten Derbleckers noch zu verstärken.

Siebenhaar wird die Rolle neu anlegen und dabei wohl mehrere Personen verkörpern. Eine davon wird der rotzfreche Hausmeister Schorsch sein, der nicht oben auf der Bühne steht, sondern zwischen den Bänken und Tischen mit dem Publikum ins Gespräch kommt. An Deutlichkeit wird es dieser Figur nicht fehlen und entsprechend die Frage nach der Gürtellinie auftauchen. Was ist erlaubt, was nicht? „Es liegt immer daran, wie hoch die Gürtellinie ist. Der ein oder andere Stadtrat trägt den Gürtel ja direkt unter den Achseln“, nimmt Hausmeister Schorsch verbal schon mal Anlauf.

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Vorbereitungen laufen bis kurz vor der Premiere

An Themen wird es ihm nicht mangeln. Im Gegenteil. Es dürfte eher schwierig werden, die Höhepunkte aus dem Geschehen in Ansbach und der Welt aus den zurückliegenden drei Jahren herauszufiltern. „Es ist sehr viel passiert, und ich habe entsprechend viel Stoff. Dieser Prozess wird wohl noch bis zum 21. März andauern.“

Klassiker wie langwierige Baustellen in der Stadt, der Zank um die Bezuschussung des Theaters, das Millionen-Grab Klinikum und den humoristisch noch aufzuarbeitenden Wechsel an der Stadtspitze von Carda Seidel zu Thomas Deffner dürften sich im rund zweistündigen Programm wiederfinden. „Herr Deffner hat schöne Anknüpfungspunkte“, findet Siebenhaar, der aber potenziell jeden Gast an den zwei Abenden ins Visier nehmen wird. „Wer sich auffällig an seinem Teller verhält, den hab’ ich im Blick.“

Kein Event nur für die „Großkopferten”

Um den Vorwurf zu entkräften, eine elitäre Veranstaltung zu sein, wird das Josefi-Derblecken nun erstmals an zwei Abenden zu genießen sein, berichtet Florian Brendel von den Kammerspielen. Jeweils 270 Menschen können dem bunten Treiben in der Kammer beiwohnen. „Es hieß ja früher, dass es nur etwas für die Großkopferten wäre. Deshalb haben wir uns jetzt breiter aufgestellt“, führt Brendel aus.

Beim Begleitprogramm wird aber auf bewährte Komponenten gesetzt. Für die musikalische Untermalung sorgen die Eschenbacher Wirtshaussänger im Saal der Kammerspiele, der sich für die beiden Abende in ein Festzelt verwandelt. Mit einem deftigen Wirtshausessen wird die Veranstaltung ab jeweils 19 Uhr eingeläutet, ausgeschenkt wird ein ungespundetes hochprozentiges Bockbier. Karten sind ab 22. Februar im Büro der Kammerspiele zu erwerben. „Ich freue mich schon sehr“, sagt Thorsten Siebenhaar. Man darf gespannt sein, wer beim Derblecken gute Miene zum bösen Spiel macht.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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