Philipp Dreßlein (37) ist eine beeindruckende Erscheinung: ein großer Mann, mit tiefer Stimme. Was würde da besser passen als die Weihnachtsmann-Rolle? Das dachte sich 2012 auch der damalige Gewerbevereinsvorsitzende Volker Trapp und stellte die Frage der Fragen: „Willst du der Uffenheimer Weihnachtsmann sein?” Und Dreßlein sagte: „Ja.”
Zugegeben, ganz so romantisch verlief das Ersttreffen zwischen den beiden vielleicht nicht. Aber Trapp war auf alle Fälle der Meinung: „Du würdest einen guten Weihnachtsmann abgeben.” Philipp Dreßlein dachte sich sofort: „Den Spaß kann ich mitmachen.” Und seitdem ist der 37-jährige Uffenheimer für den Posten gesetzt.
Er wird zwar der Form halber immer wieder auf ein Neues gefragt, aber die Antwort ist stets klar: Natürlich verlängert Dreßlein sein Weihnachtsmann-Dasein Jahr für Jahr – „das ist ein Selbstläufer”. Mittlerweile ist er ziemlich genau 156 Monate im Amt. Sein Vorgänger Klaus Kerger hat es gemacht, bis er 76 Jahre alt war: „Da hab ich noch ein paar Jahre.” Und die jetzige Gewerbevereinsvorsitzende Marion Demski setzt weiterhin auf ihn.
Am meisten beeindrucken ihn die verschiedenen Charaktere der Kinder, sagt Dreßlein. Während die einen wie selbstverständlich auf den Schoß springen, brauchen andere einige Anschub-Hilfe der Eltern. Die Mädchen und Jungen flüstern dann ihre Wünsche ins Ohr. Hoch im Kurs stehen Lego, Spielfiguren und für die ältere Generation Spielekonsolen. Ob diese in Erfüllung gehen? Der Heilige Abend wird es zeigen. Philipp Dreßlein hält dann Blickkontakt zu den Eltern und gibt die Wünsche an die elterlichen Christkinder womöglich ganz inoffiziell weiter.
Manchmal, da wird es aber auch sehr emotional. Beispielsweise, wenn ein Junge, der einen Elternteil verloren hat, ihm zuflüstert: „Ich habe nur einen Wunsch, dass du Papa wieder lebendig machst.” Dann kämpft auch der 37-Jährige mit den Tränen, beim Interview werden seine Augen leicht feucht: „Das sind einfach rührende Momente.” Er sagt dann, dass der Vater immer ganz nah bei ihm sei, direkt in seinem Herzen.
Aber auch Seniorinnen und Senioren fragen schon mal, ob sie sich auf den Schoß setzen dürfen – da kommen Kindheitserinnerungen hoch. Genesungswünsche für den Ehemann werden dann geäußert, Weltfrieden gewünscht. Solche ganz persönlichen Wünsche spricht Philipp Dreßlein auch nicht aus, er vergleicht es mit Sternschnuppen: „Da soll man sich ja auch etwas wünschen, aber darf es nicht sagen.” Entsprechend ist auch beim Wünschen selbst der Flüsterton angesagt.
Mit den Christkindern versteht sich Dreßlein immer bestens, nach 20 Minuten Eingewöhnungszeit sind beide auf einer Wellenlänge. „Man kennt sich meistens, ich bin ja ein alter Uffenheimer.” Ronja Dreßlein kam dann sogar aus der erweiterten Familie. „Das läuft immer sehr reibungslos mit dem ersten Kennenlernen. Ich beiße nicht, alles gut.”
Lange Nacht, Weihnachtsmarkt: So ein Uffenheimer Weihnachtsmann und das Christkind haben in der Vorweihnachtszeit einige Termine – mit Risiken. Dreßleins Sohn saß bei ihm selbst schon auf dem Schoß und hat ihn an der Stimme erkannt. Seitdem ist der Vater ganz offiziell der Helfer des offiziellen Weihnachtsmanns, der bei so vielen Kindern natürlich mehr als ausgelastet ist.
Den Weihnachtsabend verbringt Philipp Dreßlein aber in Zivil, „wobei die Verkleidung noch auf der Couch liegt”, ruft seine Lebensgefährtin. „Wir machen uns eine schöne Zeit mit der Familie.” Gesund bleiben, das ist der größte Wunsch des 37-Jährigen, „alles andere können wir uns kaufen”. Und so ein Weihnachtsmann hat schließlich nur am 6. Dezember den Stress seines Lebens, an Heiligabend übergibt er da gerne ans Christkind.
Wenn Dreßlein nicht gerade Kinderherzen höherschlagen lässt, holt er beruflich Milch bei Landwirten ab und beliefert Molkereien. In der Freizeit ist er gerne bei der Feuerwehr, ein Hobby, das aufgrund der beruflichen Verpflichtungen zuletzt aber ein wenig in den Hintergrund gerückt ist: „Das will ich jetzt wieder verstärkt angehen.” Aber erst einmal feiert er Weihnachten. Ganz in Zivil. Als Papa und Lebensgefährte. Am bunt geschmückten Baum.