Haus ausgebrannt: Familie in Erlabronn muss fast bei Null anfangen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.10.2023 07:00

Haus ausgebrannt: Familie in Erlabronn muss fast bei Null anfangen

Rebecca Wagner (Mitte) und ihre vier Töchter Hannah, Sophie, Mila (von links) und Lea (rechts) sowie ihr Lebensgefährte Timothy Crosby vor ihrem vorübergehenden Obdach im Gutshof Gress. (Foto: Andreas Reum)
Rebecca Wagner (Mitte) und ihre vier Töchter Hannah, Sophie, Mila (von links) und Lea (rechts) sowie ihr Lebensgefährte Timothy Crosby vor ihrem vorübergehenden Obdach im Gutshof Gress. (Foto: Andreas Reum)
Rebecca Wagner (Mitte) und ihre vier Töchter Hannah, Sophie, Mila (von links) und Lea (rechts) sowie ihr Lebensgefährte Timothy Crosby vor ihrem vorübergehenden Obdach im Gutshof Gress. (Foto: Andreas Reum)

Als Timothy Crosby am Mittwochabend von der Arbeit nach Hause nach Erlabronn kam, das war so gegen zehn Uhr, machte er sich in der Küche was zu essen. Seine hochschwangere Lebensgefährtin Rebecca Wagner schlief schon. Er schürte den Schwedenofen noch mal nach und legte sich auf seine eigene Schlafstelle im Wohnzimmer.

Kurz vor Mitternacht erwachte Crosby in einem Alptraum. Im Kamin war ein Brand entstanden. Rauch zog durchs Haus. Die drei Hunde der Familie wurden unruhig, die Rauchmelder schlugen an. Und: „Es war wirklich Glück, dass Sophie noch wach war“, sagt Rebecca Wagner. Die älteste, bereits erwachsene Tochter der Familie, hörte den Alarm und reagierte sofort, weckte die Mutter und die drei Schwestern Lea, Hannah und Mila und mit etwas Mühe auch Tim Crosby.

Nach fünf Minuten war die Feuerwehr da

Rebecca Wagner versuchte noch, selbst zu löschen, forderte ihren Lebensgefährten auf, doch einen Gartenschlauch zu holen. Doch es war bereits aussichtslos. Er rief die Feuerwehr. Das war um 23.57 Uhr. Fünf Minuten später stand der erste Feuerwehrmann vor dem kleinen Haus, in dem die Familie zur Miete wohnt. Weitere drei Minuten später stand der erste Trupp in dem Scheinfelder Ortsteil auf der Matte. Insgesamt also nur acht Minuten, berichtet Crosby, doch die kamen der Familie vor wie eine Ewigkeit.

Mit dem wenigen, was sie am Leib hatten, standen sie in der Nacht im Regen auf der Straße und konnten nichts gegen den Verlust ihres Zuhauses ausrichten. Auf wohl gut 200.000 Euro schätzte die Polizei den Schaden. Dennoch: Rauchmelder, so stimmt Crosby zu, sind eine segensreiche Pflicht. Wer weiß, was passiert wäre, hätten sie nicht angeschlagen. Alle sechs blieben unverletzt.


Uns wurde nahegelegt, dass wir die Sachen, die drin sind, einfach drin lassen.

Tim Crosby

Die weitere Nacht kamen sie bei Nachbarn unter. Ab Donnerstag durften sie in eine der Ferienwohnungen des Gutshofs Gress ziehen. Dort ist ausreichend Platz für alle sechs, und die Ausstattung bietet das für den Alltag Nötige. Aus ihrem Haus sollen sie nichts herausholen, rieten ihnen Polizei und Feuerwehr. „Uns wurde nahegelegt, dass wir die Sachen, die drin sind, einfach drin lassen“, sagt Crosby. Der Rauch war überall, und giftige Kontaminationen können jedem Teil anhaften.

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So stand die ganze Familie am Donnerstagmorgen bei Null, sagt Rebecca Wagner. Keine Kleidung, kein Hausrat, keine Schulsachen, kein Spielzeug für die Jüngste, die fünfjährige Mila, geschweige denn Dinge, die zur Lebensqualität beitragen, wie etwa der Fernseher. Sophie studiert Hotelmanagement und hat Anfang November zwei Prüfungen – auf ihr Studienmaterial hat sie nun keinen Zugriff. Und so viel Verständnis und Unterstützung sie etwa in ihrem Praxisbetrieb, einem Bad Windsheimer Hotel, erfährt: die Prüfungstermine werden ihretwegen sicherlich nicht verschoben.


Ich habe entweder telefoniert oder geheult.

Rebecca Wagner

Wo fängt man an, wenn man bei Null anfängt? „Ich habe entweder telefoniert oder geheult“, sagt Rebecca Wagner und berichtet von einer ungeheueren Hilfsbereitschaft – in der Familie, von Freunden, den Bildungsstätten der Kinder und in dem Dorf, in dem sie erst seit einem Jahr leben. Nachbarn brachten Zahnbürsten und Kleidung; im Scheinfelder Sozialkaufhaus „Komm rein“ fand sich auch das eine oder andere Passende. Für einen der Hunde war bei einem Angehörigen Platz, die anderen beiden gab die Familie in Pension ins Unternesselbacher Tierheim.

Nach dem ersten Schock wirkt das Paar am Samstagnachmittag beim Gespräch mit unserer Zeitung schon etwas gefasst. Aber, so gestehen sie, es ist eine mühsam errungene und noch zerbrechliche Selbstbeherrschung. Rebecca Wagner wacht morgens mit Tränen auf und schläft abends mit Tränen ein, bekennt sie. In ein paar Wochen ist Geburtstermin. Dann haben es die 40-Jährige und ihr 14 Jahre jüngerer Partner mit einer zusätzlichen Herausforderung zu tun.

Vermieter will das Gebäude wieder herrichten

In der Gress’schen Ferienwohnung können sie auf Dauer nicht bleiben, sagt das Paar. So umstandslos die Räumlichkeiten der in Not geratenen Familie überlassen wurde, spätestens zum Saisonstart im nächsten Frühjahr werden sie für Urlauber benötigt. Da wird das brandgeschädigte Haus sicher noch nicht wiederhergestellt sein.

Zumindest hat der Vermieter, zu dem die Familie nach eigenem Bekunden ein gutes Verhältnis pflegt, bereits signalisiert, das Gebäude, in das er viel Eigenleistungen gesteckt hatte und erst vor kurzem zusammen mit Crosby eine Einfriedung für den Garten gemauert hatte, wieder herrichten zu wollen.

Für Rebecca Wagner ist es auch eine Frage, wie viel man ertragen kann. Im Sommer starb ihr Vater. Neben der Trauer bedeutete das auch Beerdigungskosten. Wenig später ging Tim Crosbys Auto kaputt. Als Außendienstmitarbeiter – auf die Stelle wechselte der gelernte Zimmermann erst Anfang dieses Monats – muss er jedoch mobil sein und ist, bis zur Reparatur seines Fahrzeugs, mit einem von Bekannten geliehenen Wagen unterwegs.

„Das Feuer war schlimmer” als das Hochwasser

Und 2016 stand Rebecca Wagner schon einmal vor einem Desaster. Die in Flachslanden tätige, aber derzeit im Mutterschutz befindliche Kindergärtnerin lebte damals in Obernzenn. Der Ort wurde Ende Mai von einem Hochwasser heimgesucht. Unter anderem stand Rebecca Wagners Auto unter Wasser, wochenlang fiel der Strom aus, entsinnt sie sich. Bei jenem Unglück lernte sie Tim Crosby kennen; er war einer der Helfer. Und immerhin: Sie wohnte im ersten Stock, das Hab und Gut blieb zu einem großen Teil verschont. „Das Feuer war schlimmer“, sagt Rebecca Wagner deshalb.

Auch Crosby räumt ein, ein Stück weit wie gelähmt zu sein. „Aber es hilft ja nichts“, sagt er, man kann den Kopf ja nicht einfach in den Sand stecken. Irgendein Weg muss gefunden werden.

Eine Übergangs-Unterkunft im Schulhaus

Im ehemaligen Unterlaimbacher Schulhaus steht eine Wohnung leer. Einen Blick hat das Paar am Samstagvormittag schon mal reingeworfen: drei Zimmer mit Küche. Ob das für eine künftig siebenköpfige Familie ausreicht, muss sie nun für sich entscheiden. Auf Dauer wäre es wohl zu eng dort. Es soll aber nur eine Überbrückung sein. Denn sie wollen möglichst wieder zurück nach Erlabronn. In das Dorf, in dem sie neue Freunde gefunden haben und das ihnen in der Stunde der Not so zur Seite steht.

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  • Stichwort: „Brand in Erlabronn“

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