Haupt- oder Ehrenamt: Hängepartie in Simmershofen bei der Bürgermeister-Frage | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.11.2025 12:43

Haupt- oder Ehrenamt: Hängepartie in Simmershofen bei der Bürgermeister-Frage

Wird die Arbeit des Simmershofener Bürgermeisters künftig hauptamtlich? Darüber konnte sich das Ratsgremium um Amtsinhaber Florian Hirsch (am Kopf des Tisches) diese Woche noch nicht einigen und will dies nun voraussichtlich nächste Woche tun. (Foto: Alfred Gehring)
Wird die Arbeit des Simmershofener Bürgermeisters künftig hauptamtlich? Darüber konnte sich das Ratsgremium um Amtsinhaber Florian Hirsch (am Kopf des Tisches) diese Woche noch nicht einigen und will dies nun voraussichtlich nächste Woche tun. (Foto: Alfred Gehring)
Wird die Arbeit des Simmershofener Bürgermeisters künftig hauptamtlich? Darüber konnte sich das Ratsgremium um Amtsinhaber Florian Hirsch (am Kopf des Tisches) diese Woche noch nicht einigen und will dies nun voraussichtlich nächste Woche tun. (Foto: Alfred Gehring)

Soll die Gemeinde Simmershofen weiterhin von einer ehrenamtlichen oder künftig von einer hauptamtlichen Bürgermeisterin oder einem hauptamtlichen Bürgermeister geführt werden? Die Frage der Rechtsstellung der Rathausspitze für die kommende Wahlperiode war zentrales Thema der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Stellvertretender Bürgermeister Ernst Kilian hatte dieses Thema am Ende der Oktobersitzung angerissen und versuchte nun, den Gemeinderat von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass die Verwaltungsleitung künftig ihre volle Arbeitszeit darauf verwenden sollte, die Gemeinde zu führen.

Geteilte Meinung im Ratsgremium

Von der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Uffenheim war Geschäftsleiterin Ivonne Geißdörfer bei der Sitzung anwesend und versorgte die Ratsmitglieder mit Zahlen und Fakten. Durchaus geteilt war die Meinung im Ratsgremium über die künftige Rechtsstellung der Gemeinde­leitung.

Florian Hirsch, amtierender Bürgermeister, wollte seine Entscheidung, im März erneut für dieses Amt zu kandidieren, nicht von einer diesbezüglichen Entscheidung des Gemeinderates abhängig machen und war bemüht, sich aus der Diskussion weitestmöglich herauszuhalten. Die Leitung der Diskussion hatte deshalb Stellvertreter Kilian übernommen.

Zahlen und Fakten zur hauptamtlichen Stelle

Geißdörfer hatte im Vergleich zusammengestellt, was eine hauptamtliche Stelle als Beamtin oder Beamter auf Zeit im Vergleich mit einer ehrenamtlichen Leitung der Gemeinde kosten würde. Als Beamtin oder Beamter würde die Position wenigstens in Besoldungsgruppe A 13 eingegliedert, zusammen mit allen Zuschlägen, Sonderzahlungen und Beihilfen müsse die Gemeinde mit jährlich 126.000 Euro rechnen.

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Im Ehrenamt belaufen sich die Kosten auf jährlich 77.030 Euro. Aufgrund ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit könnte sich die Gemeinde mit weniger als 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine hauptamtliche Leitung aber leisten, so Geißdörfer.

Bedenken auch wegen des Zeitdrucks

Auch wenn eine Entscheidung bis spätestens Mittwoch, 10. Dezember, für die kommende Amtsperiode getroffen werden müsse, fühlte sich Ratsmitglied Armin Kamleiter unter Zeitdruck gesetzt. Ihm gehe das zu schnell. Es gehe hier um Personalkosten von mehr als 250.000 Euro auf die sechs Jahre gerechnet – und das, wenn die Kommunen allseits über Finanznot klagen. Er sah aktuell keine Notwendigkeit für eine solche Entscheidung.

Geißdörfer legte eine Auflistung der Gemeinden des Landkreises vor. Besonders die kleineren Gemeinden würden noch ehrenamtlich geführt. Allerdings sei zu bedenken, dass ein Teil dieser Bürgermeisterinnen und Bürgermeister keiner anderen Erwerbstätigkeit mehr nachgehe.

Von 20 vergleichbaren Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern seien nur noch drei berufstätig. In einigen dieser Gemeinden gäbe es bisher auch keine einzige Bewerbung für die Wahl im kommenden Jahr: „Wir wollen junge Leute im Amt, und die haben halt einen Beruf“, so Geißdörfer.

Nicht das Geld, sondern die Zeit ist das Problem

Rainer Düll erinnerte daran, dass man ja Gemeindearbeiterinnen und -arbeiter eingestellt habe, die die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister entlasten würden. Rainer Kellermann sah dies anders: „Wenn wir unsere Bürgermeisterin oder unseren Bürgermeister in sechs Jahren verheizt haben, was dann?“, warf er die Frage auf. Dem stimmte auch Geißdörfer zu: Das Problem sei nicht das Geld, sondern der Zeitaufwand für die Amtsinhaberin oder den Amtsinhaber.

Die Argumente für und wider eine hauptamtliche Verwaltungsleitung wurden im Gremium rege ausgetauscht. Abschließend erteilte Kilian das Wort an den anwesenden Altbürgermeister Heinz Krämer. „Überlegt euch gut, was an so einem Amt alles dranhängt“, mahnte dieser.

Eine gute Bürgermeisterin oder ein guter Bürgermeister müsse nicht nur die Gemeinde verwalten und die aktuell anfallenden Aufgaben bewältigen, sondern auch die Gemeinde in zehn Jahren sehen. Es gelte, künftige Entwicklungen zu beobachten, entstehende Förderrichtlinien zu erkennen und rechtzeitig die Weichen zu stellen.

Entscheidung wurde vertagt

Krämer erinnerte an den Kernwegebau oder an den Breitbandausbau. In diesen und ähnlichen Fragen sei die Gemeinde Simmershofen stets bei den ersten gewesen, die sich damit befasst haben. Das könne eine Rathausleitung aber nur leisten, wenn genügend Zeit bleibe, sich in solche Sachverhalte zu vertiefen.

Abschließend vertagte der Gemeinderat die Entscheidung in dieser wichtigen Frage. Man wolle in einer Woche zu einer Sondersitzung noch einmal zusammenkommen und dann darüber abstimmen, ob die Leitung der Gemeinde Simmershofen in der kommenden Wahlperiode ehrenamtlich oder hauptamtlich ausgeübt wird. Bis dahin haben die Ratsmitglieder Zeit, Zahlen und Fakten abzuwägen und eine Entscheidung zu finden.


Von ALFRED GEHRING
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