„Hat in diesem Raum nichts verloren”: Wolf riss bei Dietersheim mehrere Tiere | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 06.06.2025 14:06

„Hat in diesem Raum nichts verloren”: Wolf riss bei Dietersheim mehrere Tiere

Stefan Heilmann ist das Lachen gründlich vergangen: Er hat Angst um seine Schafe. Die hatten auf der eingezäunten Fläche der PV-Anlage gegrast, als der Wolf mutmaßlich über den Zaun gesprungen ist. (Foto: Nina Daebel)
Stefan Heilmann ist das Lachen gründlich vergangen: Er hat Angst um seine Schafe. Die hatten auf der eingezäunten Fläche der PV-Anlage gegrast, als der Wolf mutmaßlich über den Zaun gesprungen ist. (Foto: Nina Daebel)
Stefan Heilmann ist das Lachen gründlich vergangen: Er hat Angst um seine Schafe. Die hatten auf der eingezäunten Fläche der PV-Anlage gegrast, als der Wolf mutmaßlich über den Zaun gesprungen ist. (Foto: Nina Daebel)

Stefan Heilmann wird diesen Tag wohl nie vergessen: Als er am 11. April zu seinen Schafen kam, war die Herde verstört. Der 31-Jährige sah schnell, warum: Fünf Lämmer waren gerissen worden, zwei von ihnen zur Hälfte gefressen. Bei drei Tieren hat ein Gutachten seinen Verdacht bestätigt: Ein Wolf hat die Tiere getötet.

Mittlerweile ist der Vorfall in Beerbach auf der Seite des Bayerischen Landesamts für Umwelt gelistet. Dort gibt es ein Monitoring von Wölfen, bei dem alle gesicherten Einzelnachweise unter anderem mit Datum, Landkreis und der möglichen Herkunft des Tieres erfasst sind und laufend aktualisiert werden. Die Grundlage für einen solchen Eintrag ist stets ein fachkundig erstelltes Gutachten.

Förderung für Schutzmaßnahmen durch Nachweis möglich

Dafür hatte Heilmann eigens einen Experten organisieren müssen, der sich die Kadaver der Lämmer vor Ort angeschaut hat. Anschließend hatte der 31-Jährige die Tiere zum Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nach Erlangen gefahren, wo sie noch einmal eingehend untersucht worden sind. Zudem sind Proben im Zentrum für Wildtiergenetik des Senckenberg-Forschungsinstituts und Naturkundemuseums Frankfurt am Standort Gelnhausen genetisch analysiert worden.

Nachdem alle Ergebnisse vorlagen, hat das Bayerische Landesamt für Umwelt Stefan Heilmann schriftlich mitgeteilt, dass „ein Wolf als Verursacher sowohl nach dem Verletzungsmuster als auch anhand von DNA-Spuren bestätigt werden“ könne. Diese Tatsache wiederum hat dazu geführt, dass in einem Radius von zehn Kilometern um Beerbach herum ein „Wolfs-Ereignisgebiet“ ausgewiesen worden ist. Damit werden Herdenschutzzäune und Herdenschutzhunde in diesem Gebiet nun bis zum Ende des Jahres finanziell gefördert.

Wolf über rund zwei Meter hohen Zaun gesprungen

Heilmann will diese Förderung nutzen. Geschützt waren seine Tiere aber auch jetzt schon. Denn die 70 Mutterschafe und ihre 70 Lämmer haben auf dem Areal eines eingezäunten Photovoltaik-Feldes bei Beerbach gegrast. Das ist eingezäunt. Am oberen Ende des Zaunes verläuft zudem ein Stacheldraht und 20 Zentimeter über dem Boden ist eine stromführende Litze gezogen worden. „Wenn der Wolf unten durch wäre, hätte er die Litze mitgezogen“, erklärt Heilmann bei einem Vor-Ort-Termin. Da es aber nirgends eine schadhafte Stelle am oder im Zaun gab, lasse das nur eine Schlussfolgerung zu: Der Wolf ist über den rund zwei Meter hohen Zaun gesprungen – und wieder zurück.

Das könnte Sie auch interessieren
Debatte um Sanierung der Roßmühle in Feuchtwangen nimmt „merkwürdige Schlagseite“19-Jähriger stürzt in Ansbach von Pedelec, weil er einem Hasen ausweichen wollte50.000 Euro-Projekt: Spielplatz in Segringen lockt mit vielfältigen MöglichkeitenWechsel an der Spitze: Neustädter Landschaftspflegeverband hat eine neue ChefinStrohballen nahe Oberhöchstädt brennt: Erst kürzlich brannte dort ein Traktor ausMitteilung statt Beschluss: Keine Abstimmung über Bauantrag für Roßmühlen-ProjektDarum spielten die Milchpreise im Landkreis Ansbach verrücktFehler beseitigen: Die Sanierung des Kita-Dachs beschäftigt Wieseths GemeinderatFestakt zur Einweihung des sanierten Stadions in LeutershausenHaushaltsplan 2026: Gemeinde Windelsbach stellt Weichen für die ZukunftNeue Nutzung für den Schlosskomplex in Unterschwaningen?Ein waschechtes Wildmobil im Abenteuerwald von Markt ErlbachIn Triesdorf zeigen junge Bäuerinnen und Bauern, wie man eine Kuh richtig melktGroßes Hoffest bei Oberdachstetten: Rund 2000 Interessierte kamen nach MöckenauFass ausgeschüttet: Unbekannte verschmutzen in Schopfloch einen Bach mit Heizöl

„Dass der Wolf bereits jetzt in die landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiete reindrückt, hätte ich nicht erwartet. Ich hätte gedacht, dass das sehr viel länger dauern würde“, sagt Heilmann und blickt von der leichten Anhöhe in Richtung Beerbach. Bis zum Ort seien es immerhin gerade mal 150 Meter Luftlinie. Ihm macht das Angst. Er fühlt sich für seine Schafe verantwortlich und will, dass sie zu jeder Zeit in Sicherheit sind. Doch die kann er ihnen seiner Meinung nach nicht mehr garantieren. Aktuell hat er die Herde auf einer Fläche bei Oberwalddachsbach untergebracht. „Damit habe ich dem Wolf erstmal das Futter entzogen und hoffe, dass er weiter zieht.“

Die Anspannung indes bleibe, betont Heilmann, der die Schäferei seit rund neun Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Simon (27) im Nebenerwerb betreibt. Hauptberuflich ist er bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft im Trockenforschungszentrum Schwarzenau tätig. Studiert hat der 31-Jährige Agrartechnik in Triesdorf. Für ihn persönlich hängt „viel Leidenschaft und Herzblut“ an der Arbeit mit den Tieren. Bei einigen sei er sogar bei der Geburt dabei gewesen. Wenn er jetzt auf die Weide gehe, um nach dem Rechten zu schauen, steige sein Puls und er hoffe, dass alle noch wohlauf sind. „Man ist nicht mehr so locker.“

Heilmann fordert ein Umdenken

Gegenüber dem Wolf vertritt Heilmann eine klare Position: „Das Tier hat in diesem Raum nichts verloren. Man sollte es entnehmen, wenn es auffällig geworden ist.“ Bis eine Abschussgenehmigung allerdings rechtlich durchsetzbar wäre, müssten einige Hürden genommen werden.

Für Heilmann bleibt es denn auch unverständlich, dass angesichts solcher Vorfälle wie am 11. April in Beerbach der Wolfsschutz noch immer mehr gelte als der Schutz der Nutztiere. „Die Lämmer werden vom Wolf gehetzt, lebend gebissen und sterben unter Stress.“ Hier müsse seiner Meinung nach endlich ein Umdenken stattfinden. Zumal der Wolf auch Existenzen bedrohe, wenn man ihn weiter gewähren lasse. Die Entschädigungszahlungen seien zwar punktuelle Hilfen, aber wer sie erhalten wolle, müsse dafür kämpfen und sich selbst kümmern. Das kostet Zeit, Nerven und Mühe. Allein die richtigen Ansprechpartner zu finden, sei mitunter gar nicht so leicht.

Der Schäfer hofft nun, dass sich zeitnah etwas verändert. Dass zum Beispiel beim Landratsamt ein Ansprechpartner installiert wird, der im Falle von Wolfsrissen informieren und unterstützen kann. Genauso wichtig sei es, Prozesse zu vereinfachen und auf diese Weise zu beschleunigen. So sei es kontraproduktiv, bis zu drei Monate lang auf eine mögliche Abschussgenehmigung warten zu müssen. In der Zeit sei der Wolf vermutlich längst weitergezogen und könne andernorts vergleichbare Schäden anrichten.

north