Ein 23-Jähriger trägt in seinem Dorf dazu bei, dass die Energiewende klappt: Dank des Nahwärmenetzes von Leon Reinhardt ist halb Frommetsfelden, ein Stadtteil von Leutershausen im Landkreis Ansbach, künftig beim Heizen der Häuser unabhängig von fossilen Brennstoffen. Eine halbe Million Euro hat der junge Bio-Landwirt investiert, 13 Haushalte sind angeschlossen.
Nach und nach gehen die Häuser seit Februar ans Netz. Sie werden künftig durch ein 700 Meter langes Leitungsnetz von einer zentralen 300-Kilowatt-Hackschnitzelheizung mit Wärme versorgt statt mit einzelnen Öl- oder Gasfeuerungsanlagen. Etwa 17.000 Liter Heizöl lassen sich so jedes Jahr sparen in Frommetsfelden – das bedeute 54 Tonnen Kohlendioxid weniger in der Atmosphäre, hat Leon Reinhardt ausgerechnet.
Damit die Wärme zuverlässig zur Verfügung steht, hat der Investor 10.000 Liter Pufferspeicher installiert; zusätzlich verfügt jeder angeschlossene Haushalt über einen Puffer. Mit etwa 800 Kubikmetern Hackschnitzel muss er seine Anlage jedes Jahr füttern. Die Hälfte hat er aus eigenen Wäldern, den Rest steuern seine Wärmekunden bei.
Gebaut war das Nahwärmenetz schnell – im vergangenen September ging es los, mit viel Eigenleistung durch Freunde und Bekannte aus dem Ort. Deutlich länger, rund eineinhalb Jahre, hat die Planung gedauert und das Überwinden bürokratischer Hürden wie Genehmigungen und Zuschussanträge. Dabei habe ihm die auf diesem Gebiet erfahrene Firma Krieger aus Aurach sehr geholfen, betont Reinhardt.
Bei den Bewohnern in dem Leutershäuser Stadtteil sei sein Angebot, sie künftig zentral mit Wärme zu versorgen, unterschiedlich aufgefasst worden, berichtet der 23-Jährige. Die einen „konnten es kaum erwarten“, sagt er. Bei anderen habe er Überzeugungsarbeit leisten müssen. Und das, obwohl die Anschlüsse mit 30 bis 70 Prozent von der KfW gefördert worden seien. „Jetzt sind die Beteiligten unabhängig von schwankenden Ölpreisen und leisten ihren Beitrag zum Klimaschutz“, so Reinhardt. Sollten sich künftig weitere Interessenten melden, bestünden noch Anschlussmöglichkeiten.
Ausgangspunkt für seine Überlegungen, nicht nur sich selbst zu versorgen, war die Tatsache, dass er stets Hackschnitzel übrig hatte und seine alte Heizungsanlage ohnehin ersetzt werden musste. Also peilte der junge Landwirt, der den Hof seiner Eltern übernommen hat und seit 2021 auf „Bio“ setzt, die große Lösung an.
In Landshut hat Reinhardt die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister mit der Fachrichtung ökologischer Landbau absolviert. Beruflich ist er beim LKV tätig, dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern – eine Selbsthilfeeinrichtung der Landwirte, die Tierhalter mit Beratung und Qualitätsmonitoring bei Fragen zur Nutztierhaltung unterstützt. Im Nebenerwerb hält der 23-Jährige 20 Mutterkühe und deren Nachzucht auf der Weide. Seinen Betrieb, direkt an der historischen Altmühlbrücke in Frommetsfelden gelegen, will er weiter ausbauen.